Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell CO2-Bilanz einer Kleinstadt: Was Pangea, Fusion und Airbeat gegen ihr Müllproblem machen
Nachrichten MV aktuell CO2-Bilanz einer Kleinstadt: Was Pangea, Fusion und Airbeat gegen ihr Müllproblem machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 26.08.2019
Ein Besucher wirft eine leere Bierdose auf dem Gelände des Pol'and'Rock Festival in Polen auf einen Haufen Müll. Auch bei Festivals in MV entstehen große Mengen Abfall. Quelle: dpa
Anzeige
Rostock

Weltweit gehen derzeit Millionen junge Leute für den Umweltschutz auf die Straße. Gleichzeitig sind Jugendliche die wichtigste Gruppe unter den Besuchern der großen Musikfestivals in MV, von denen einige den CO2-Fußabdruck einer Kleinstadt haben. Abgase bei An- und Abreise, tonnenweise Müll, Lärm und ein riesiger Energieverbrauch sorgen für eine zweifelhafte Umweltbilanz.

„Die Musikbranche hat durch ihren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung eine große Mitverantwortung für den Klimaschutz”, sagt Jacob Bilabel, Gründer der Green Music Initiative Deutschland. Mülltrennung, Lärmreduzierung, Angebote zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Recycling- und Foodsharing-Programme – die OZ hat einige Beispiele zusammengestellt.

Pangea-Festival mit Rückgabe-System für Kleidung

Am vergangenen Wochenende lockte dasPangea Festival mehr als 10 000 Besucher nach Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten, deutlich mehr als in den Vorjahren. Mehr Besucher bedeuten aber auch mehr Müll und CO2, daher entwickelten die Veranstalter ihr Umweltkonzept weiter. In Kooperation mit dem neuen Partner, dem Online-Modeportal About You, wurde unter anderem ein Rückgabe-System für Kleidung eingerichtet: Um sich für das Festival passend zu stylen, konnten die Teilnehmer bis zu vier Kleidungsstücke täglich ausleihen und auch wieder zurückgeben. „Keine neue Kleidung produzieren lassen, sondern vor allem Second-Hand- und Vintage- Kleidung nutzen“, lautet dabei das Motto.

Zum größten Müllproblem des Festivals gehört das Camping-Equipment, das auf dem Gelände zurückgelassen wird. Darum haben die Veranstalter eine Tauschbörse organisiert, wobei die Besucher am Ende des Festivals ihre Campingausrüstung und Lebensmittel, die sie nicht mehr benötigen, abgeben oder eintauschen konnten. Noch Brauchbares werde an Einrichtungen für Obdachlose und Flüchtlinge gespendet. Alle Lebensmittelverpackungen auf dem Festival waren kompostierbar oder wiederverwendbar.

Bilder vom Pangea Festival:

Vom 22. bis 25. August findet das About You Pangea Festival auf dem ehemaligen Militärgelände Pütnitz statt. Die Veranstalter erwarten 14 000 Besucher.

Fusion Festival: Müll sorgt für Kopfschütteln

Die Organisatoren des Fusion-Festivals, bei demEnde Juni rund 70 000 Gäste in Lärz feierten und tanzten, waren von Umweltschützern letztes Jahr harsch kritisiert worden. In diesem Jahr zeigten sie sich selbst betroffen: „Die Beseitigung des Mülls verursacht bei unseren Helfern nach dem Festival nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch bei uns teilweise nur Kopfschütteln“, steht auf der Website des Vereins Kulturkosmos. Um die Gäste zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, wurde auf jedes Ticket ein Müllpfand von zehn Euro erhoben. Dafür bekamen alle Besucher einen Müllsack, der später gefüllt und mit einer Müllpfandmarke abgegeben werden konnte.

Auch Glitter und Konfetti, die auf Festivals sehr beliebt sind, werden als Problem für die Umwelt betrachtet und sind zudem „richtig ätzend beim Aufräumen“, heißt es weiter. Herkömmliches Konfetti besteht oft aus Mikroplastik. Die Fusion-Besucher wurden daher gebeten, darauf zu verzichten. Als Alternative bietet sich biologisch abbaubares Konfetti und aus Pflanzen produzierter nachhaltiger Glitter an.

Bilder von der Fusion:

Auf einem ehemaligen russischen Militärflugplatz in Lärz fand 2019 wieder das viertägige „Fusion“-Festival statt. Hier zeigen wir die Bilder.

Airbeat One Festival: Neuer Müll-Rekord

Mit rund 195 000 Gästen war das Airbeat One in Neustadt-Glewe Mitte Juli das größte Festival für elektronische Tanzmusik in Norddeutschland. 65 000 Besucher pro Tag verursachten auch eine Rekordmenge an Müll. Die Veranstalter richteten daher auf dem Gelände ein System der Mülltrennung ein. „Ab nächstem Jahr soll es flächendeckend umgesetzt werden“, sagt Oliver Franke, Pressesprecher des Festivals. Der Zaun um das Festivalgelände blieb bis zum Ende der Aufräumarbeiten stehen, so dass der Wind keinen Müll in den Wald tragen konnte.

Zudem wurden Getränke nur noch in Mehrwegbechern ausgegeben. Überlegt wird auch, wie der riesige Wasserverbrauch beim Airbeat One verringert werden kann. „Wir wollen die Besucher aber zu nichts zwingen, sondern appellieren an ihre Vernunft uns dabei zu helfen, Müll zu trennen und Müll zu vermeiden”, betont Franke. „Wir glauben, dass jeder sich seiner Verantwortung bewusst ist und wollen das mit noch mehr Aufklärung fördern.”

Bilder vom Airbeat One:

Musik, Fahrgeschäfte, Regen und ausgelassene Stimmung. Eindrücke vom Festival.

Festspiele MV: Drei Reisebusse für die Musiker

Nicht nur bei den Musikfestivals für das junge Publikum machen sich die Veranstalter Gedanken über die Umwelt: „Die Umweltverträglichkeit ist etwas, das innerhalb der Firma viel besprochen wird”, sagt Christian Kahlstorff, Sprecher der Festspiele MV. Ein Problem: Um ganze Orchester und ihre Instrumente bis in die letzten Winkel des Bundeslandes zu bringen sei ein riesiger logistischer Aufwand nötig – was wiederum einen hohen CO2-Ausstoß verursacht. So waren beim Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Ende Juli in Redefin drei Reisebusse mit Musikern und mehrere Lastwagen für die Instrumente im Einsatz.

Erste Schritte seien bereits eingeleitet: Beim Künstler-Catering wurde in dieser Saison auf Mehrweg-Plastikbecher umgestellt. Für die Besucher sei dies bislang erst bei den kleineren Konzerten möglich. „Sie sind überrascht und wundern sich erstmal. Aber wenn man es ihnen erklärt, sind sie durchweg begeistert“, so Kahlstorff. Ein weiterer Ansatz seien Kompost-Toiletten, die ohne Wasserspülung und Chemie funktionieren. Sie sollen nächstes Jahr zunächst beim Detect Classic Festival eingesetzt werden, das sich speziell an junge Leute richtet.

Von Vera Petukhova

Seit Montagmittag wurde eine 17-Jährige aus Schwerin vermisst. Am Dienstag wurde sie wieder aufgefunden.

27.08.2019

Der Landkreis Rostock hat das Badeverbot am Göldenitzer See verlängert – das Wasser ist mit Blaualgen verseucht. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales warnt zudem vor dem Baden in weiteren Seen.

26.08.2019
MV aktuell 30 Jahre Mauerfall: Karl-Ernst Eppler Ein Seemann wagt den demokratischen Aufbruch

Karl-Ernst Eppler (80) gründet 1989 den Demokratischen Aufbruch in Rostock. Bald hat er mit den Stasivorwürfen gegen seinen DDR-weiten Parteichef Wolfgang Schnur zu tun.

26.08.2019