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MV aktuell Bilder zeigen: So viel Schilf musste für Caffiers Ferienhaus weichen
Nachrichten MV aktuell Bilder zeigen: So viel Schilf musste für Caffiers Ferienhaus weichen
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18:51 16.11.2018
Die umstrittenen Ferienhäuser in Neppermin (Usedom), darunter das von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) Quelle: Tilo Wallrodt
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Neppermin

Neue Details zu den umstrittenen Wochenendgrundstücken in Neppermin auf Usedom, darunter das von Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Entgegen früherer Aussagen von Amt Usedom-Süd und Kreisverwaltung sind angeordnete Ausgleichsmaßnahmen für Naturschutz bis heute nicht erfolgt. Pflanzungen – Bäume und eine Hecke – sollen jetzt „bis spätestens 30.04.2019 realisiert werden“, teilt der Landkreis auf eine Anfrage der SPD-Kreistagsfraktion mit. Ein Soll werde im Jahre 2019 renaturiert. Das alles über zehn Jahre nach kritisierten Vorgängen in Neppermin und aktuellem öffentlichen Druck. Noch vor wenigen Wochen erklärte René Bergmann, Verwaltungschef Usedom-Süd, alles sei „im Gemeindegebiet umgesetzt worden“. Zusatz: „meines Wissens“. Jetzt also die Kehrtwende.

Baufeld mit Schilfgürtel in Neppermin im Jahr 2001 Quelle: Google Earth

Auch der Benzer Bürgermeister Karl-Heinz Schröder (CDU) bricht sein monatelanges Schweigen. Über einen Anwalt lässt er erklären: Die Ausgleichsmaßnahmen sollen bis Ende April 2019 „abgeschlossen sein“. Erstmals bestätigt Schröder damit nach Anfrage „Eingriffe in den Röhrichtbestand“.

Dass es die in massiver Weise gegeben hat, belegen Planungsunterlagen: In drei Schritten des Bebauungsplans wurden bis zu 800 Quadratmeter Schilf am Nepperminer Achterwasser zerstört. Nicht 80, wie Jörg Hasselmann (CDU), Vize-Landrat von Vorpommern-Greifswald, kürzlich erklärte. Er sagte auch, das Umweltamt des Kreises habe keinen Abriss der Häuser gefordert, da dies „unverhältnismäßig“ gewesen wäre.

Das Ausmaß der Schilf-Beseitigung dokumentieren Bilder des Internet-Riesen Google Earth, der in gewissen Zeitabständen jeden Fleck auf der Erde festhält. So zeigt ein Bild von 2001 einen großen Schilfgürtel am Nepperminer Ufer, 2009 ist fast die Hälfte davon verschwunden, denn zwischenzeitlich hatte die Gemeinde Boden aufschütten lassen. Straßenaushub mit unerlaubten Anteilen, unterstellen Kritiker, was Fotos von damals bestärken. Auf diese Weise habe die Gemeinde Benz quasi ein neues Stück Vorpommern erschaffen – auf Kosten des Röhrichtbestandes.

Baufeld mit Erdanschüttung in Neppermin 2009 Quelle: Google Earth

Bürgermeister Karl-Heinz Schröder weist den Vorwurf von Verunreinigungen im Erdaushub nun zurück. Anwaltsdeutsch: „Soweit es … zum Einbau ungeeigneten Bodens kam, schritt die Gemeinde bauordnungsrechtlich ein und ließ den Boden austauschen“.

Kaum zu glauben, kontern wiederum Schröders Kritiker. Einen Beleg liefert der Bürgermeister nicht. Dafür lässt er einen Hinweis folgen: Naturschutzverbände hätten seinerzeit „keinerlei Widerspruch gegen die ausliegenden Pläne“ vorgetragen. Der B-Plan, damit auch Caffiers und der Hausbau seiner eigenen Frau seien „rechtens“. Das Gros der Flächen hätten die Häuslebauer damals vom Bund über das Wasser- und Schifffahrtsamt, nur einen Teil von der Gemeinde Benz gekauft.

Baufeld mit Wochenendhäusern in Neppermin 2015 Quelle: Google Earth

Die Benzer Gemeindevertreter stellen sich hinter Schröders Version. Die B-Pläne in Neppermin und auch in Balm, wo unter anderem Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph (CDU) ein Wochenendhaus errichten ließ, seien „in jahrelangen formellen Verfahren ... aufgestellt … und in Kraft getreten“. In Balm sei kein Röhricht zerstört worden. Interne Behördenschreiben widersprechen dem allerdings. Bemerkenswert: Teile der Argumentation der Gemeindevertreter decken sich Wort für Wort mit der gesonderten Post des Anwalts von Bürgermeister Schröder. Auch Caffier hat erklärte, alles sei rechtens gewesen.

Kritiker haken weiter nach. Die Usedom-SPD wolle am Sonnabend auf dem Kreisparteitag einen Beschluss mit der Forderung nach Aufklärung durchsetzen, erklärt Günther Jikeli. Auch beim Amt Usedom-Süd sei Akteneinsicht beantragt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in MV fordert einen Abriss aller Wochenendhäuser, bei deren Bau Naturschutz vernachlässigt oder gar übergangen wurde. Die jahrelang nicht erfolgten Ausgleichsmaßnahmen seien „nur ein Mosaikstein in diesem Skandal“, so Geschäftsführerin Corinna Cwielag.

Frank Pubantz

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