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MV aktuell Chaos an Schule in Wismar: Mehr als 50 Prozent des Unterrichts nicht planmäßig
Nachrichten MV aktuell Chaos an Schule in Wismar: Mehr als 50 Prozent des Unterrichts nicht planmäßig
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06:29 24.06.2019
Die Goethe-Gesamtschule in Wismar: Lehrer beschreiben katastrophale Zustände beim Unterricht. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar/Schwerin

 Die dramatisch schlechte Situation an vielen Schulen im Land hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Lehrer der Integrierten GesamtschuleJohann Wolfgang von Goethe“ in Wismar haben sich jetzt mit einem Brandbrief an den Landtag gewandt.

Darin schildern sie katastrophale Bedingungen: Die Pädagogen seien aufgrund von Personalmangel überlastet, ausgelaugt, den Anforderungen des Unterrichts nicht mehr gewachsen. Mehr als 50 Prozent der Unterrichtsstunden könnten nicht entsprechend des Stundenplans abgesichert werden. Laut Kritikern ist das kein Einzelfall.

Schüler wissen erst morgens, welches Fach sie haben

Lehrer hissen die weiße Fahne: Ihre Aufgaben, Schüler möglichst gut zu unterrichten und dabei mit Eltern zusammenzuarbeiten, könnten sie unter den aktuellen Bedingungen nicht erfüllen, schildern die 40 Pädagogen der Gesamtschule. Die Liste der Kritik ist lang: Es fehle an Zeit für einzelne Schüler. Von den 489 Jungen und Mädchen hätten 115 Förderbedarf, Verhaltensauffälligkeiten nähmen zu. Folge: psychische Überlastung von Lehren, Inklusion problematisch. Fast alle Förderstunden müssten wegen Personalmangels „zweckentfremdet“ werden.

Durch hohen Lehrer-Krankenstand von 25 Prozent könne mehr als jede zweite Stunde nicht planmäßig stattfinden. Oftmals wüssten Schüler erst morgens, welches Fach sie haben. „Planvolles Unterrichten“ sei so „nicht möglich“. Wegen Lehrerknappheit seien Mathematikstunden reduziert worden. Insgesamt seien die Lehrer überlastet, die 7-Tage-Woche für die Mehrheit „der Regelfall“. Vor- und Nachbereitung von Unterricht oder Weiterbildung schluckten Abendstunden und Wochenenden.

Auch die Ausstattung der Schule sei schlecht. Zum Schreiben der Zeugnisse gebe es gerade mal drei Computer und einen Kopierer (ohne Farbe) für 22 Klassen. Unter diesen Umständen würden viele Lehrer vorzeitig in den Ruhestand gehen. Folge: noch mehr Lehrermangel.

Gewerkschaft: Probleme betreffen viele Schulen

Für die Lehrergewerkschaft GEW sind dies „systemisch bedingte Probleme“, vom Land verursacht. Die „schwerwiegende Lage der Schule“ stehe „beispielhaft für viele Schulen im Land“, so GEW-Landeschef Maik Walm. Die Lehrer hätten vielfach auf die Probleme hingewiesen – ohne Erfolg. Eine Ursache für das Dilemma: Das Land habe 2016 eine Strategie zur Inklusion von Schülern mit Förderbedarf beschlossen, bei den Rahmenbedingungen – von Personal bis baulichen Voraussetzungen - aber nicht geliefert. Die GEW fordert: Die Regierung müsse deutlich mehr Lehrer einstellen, um Mehrbelastung auszugleichen. Bis 2030 würden 8700 neue Lehrer gebraucht.

Simone Oldenburg (Linke) sieht das ähnlich: Es fehle an Lehrern und mehr vom Land zugewiesenen Stunden. Statt der 600 für das kommende Schuljahr müssten 1350 neue Lehrer eingestellt werden. „Die geschilderten Umstände sind bei weitem kein Einzelfall“, so Oldenburg. Die Arbeitsbelastung steige, die Klassen würden größer. „Dieser Zustand macht die Lehrkräfte krank und lässt sie aus den Schulen fliehen.“

Bildungsministerin: „Lehrermangel ist das Thema“

Zuständig für Personal und Bildung ist das Land. Die neue Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) kündigte kürzlich oberste Priorität für Schulen an: „Lehrermangel ist das Thema.“ Eine OZ-Anfrage zu dem aktuellen Fall blieb bisher unbeantwortet. Die technische Ausstattung der Wismarer Gesamtschule muss der Landkreis Nordwestmecklenburg gewährleisten. Der erklärt: Es werde angeschafft, was die Schule bestellt. Baulich soll es bald Verbesserung geben: Wegen Komplettsanierung soll die Schule für zwei Jahre in Container ziehen.

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