Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Charme-Offensive für mehr Einwohner: So baggert MV die Berliner an
Nachrichten MV aktuell Charme-Offensive für mehr Einwohner: So baggert MV die Berliner an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:57 18.09.2019
Ab nach MV! Bürgermeister von 15 Städten, darunter das Ostseebad Heringsdorf, werben offensiv um Einwohner Berlins. Quelle: Hannes Ewert
Anzeige
Greifswald/Schwerin

Berlin-Offensive: 15 Bürgermeister aus MV rollen den roten Teppich für Einwohner der Bundeshauptstadt aus. Da Berlin mit 3,7 Millionen Menschen fast aus den Nähten platzt, Wohnraum knapp und teuer ist, appellieren die Bürgermeister von Greifswald bis Pasewalk: Kommt doch zu uns! Unterstützung gibt es von der Landesregierung. Damit nimmt die Debatte um Berliner Umsiedler in MV neue Fahrt auf.

„Lasst uns Berlin größer denken!“

Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken will Heringsdorf „als Ort zum Leben erst mal in das Bewusstsein der Menschen rücken“. Quelle: Cornelia Meerkatz

„Lasst uns Berlin größer denken!“, steht über einem Schreiben, das 15 Bürgermeister aus dem Kreis Vorpommern-Greifswald unterzeichnet haben. Darunter sind Stefan Fassbinder (Greifswald), Stefan Weigler (Wolgast), Laura Isabelle Marisken (Heringsdorf), Jochen Storrer (Usedom), Michael Galander (Anklam) oder Sandra Nachtweih (Pasewalk).

Sie wollen Berliner in Wohnungsnot Richtung Küste locken. Warum ständig im Stau und schlechte Luft atmen?, fragen sie. „Wenn das Gute doch so nah ist!“

Das Schreiben ist eine Einladung an Großstädter, Stress und Hektik hinter sich zu lassen. Werbung für MV, wo es „Entwicklungsräume, einen unverstellten Blick auf atemberaubende Landschaften, Wohnraum, Grundstücke“ gebe. „Und das zu attraktiven Preisen.“

Die Bürgermeister betonen die seit Jahrhunderten anhaltende Beziehung vieler Berliner bis nach Usedom: „Ihr seid schon so lange unsere Gäste. Bleibt einfach länger!“ Möglich sei dies in einer digitalisierten Arbeitswelt.

Lesen Sie auch den Kommentar: Beim Werben um neue Einwohner auf dem Teppich bleiben

Dass sich auch eine Tourismus-Hochburg wie Heringsdorf an der Kampagne beteiligt, erklärt Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken so: Es gebe Mangel an Fachpersonal. Man wolle „insbesondere junge Menschen und Familien von Heringsdorf als Wohn- und Arbeitsort überzeugen“. Parallel müsse mehr bezahlbarer Wohnraum her. Ihr Ziel sei es, Heringsdorf „als Ort zum Leben erst mal in das Bewusstsein der Menschen zu rücken“.

Schwesig wirbt mit Natur und Kita-Plätzen

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) unterstützt die Initiative der Städte. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Berliner entscheiden, zu uns nach MV zu kommen“, sagt sie. Das Land habe viel zu bieten: unberührte Natur, für Eltern kostenfreie Kita-Plätze.

Schwesig wirbt mit Welcome-Centern, die Neu-Bürgern bei der Suche nach Arbeit oder dem richtigen Verein helfen. Und preist die Voraussetzungen für Wirtschaftsansiedlungen: „Bei uns gibt es gut erschlossene Gewerbeflächen, hoch motivierte Fachkräfte und eine Betreuung von Investoren aus einer Hand.“

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) wird gar euphorisch, wenn er von „einer der schönsten Regionen Europas“ spricht: „In Vorpommern gibt es reichlich, was in Berlin ein immer knapperes Gut wird.“ Dazu zählten „flächendeckende Glasfasernetze, 5G-Mobilfunkstandard, attraktive Schulangebote und ein gut funktionierender ÖPNV“ – wenngleich manches davon noch Zukunftsmusik oder Ansichtssache ist.

Landrat Sack: Nach guten Lösungen für beide Seiten suchen

Michael Sack (CDU), Landrat von Vorpommern-Greifswald, will „zehntausenden Berlinerinnen und Berlinern gezielt Entfaltungsräume geben“. Er setze auf die Entwicklung der Region zwischen Stettin und Berlin. „Wir haben die einmalige Chance, die Wachstumsimpulse zu vereinen, weil wir genau in der Mitte liegen.“ 130, 170 Kilometer Distanz seien heutzutage kein Problem mehr. Man sei bereit, „mit Berlin alle Optionen zu besprechen und nach besten Lösungen für beide Seiten zu suchen“.

Die Aktion ist eine Antwort auf die Suche Berlins nach Platz für seine rasant wachsende Einwohnerzahl. Bei einem Wettbewerb des Bundes Deutscher Architekten (BDA) sorgte die Vision einer „Seaside Berlin“ für Aufsehen. Architekten beschrieben eine neue Stadt an der Ostseeküste, zu der Menschen per Hochgeschwindigkeitsbahn in kurzer Zeit reisen.

Schwesig nimmt den Gedanken auf: Die Landesregierung habe sich für den Ausbau der Bahnstrecke BerlinPasewalkStralsund starkgemacht. Unterstützung gebe es aus Schwerin auch für die Idee, die Karniner Brücke als Eisenbahnverbindung wiederzuerrichten. „Damit würde sich die Fahrzeit von Berlin auf die Insel Usedom erheblich verkürzen“, so Schwesig.

Berliner noch reserviert

Die Antwort Berlins auf die Charme-Offensive aus MV klingt reserviert. Eine Sprecherin hebt die Vorteile der Großstadt, das Lebensgefühl hervor. „Offizielle Gespräche gab es unserer Kenntnis nach bisher nicht.“ Überdies unternehme der Senat einiges, um Mietpreise zu begrenzen.

15 Städte gegen Einwohnerschwund

Die Bürgermeister von 15 Städten haben die Werbung um Berlins Einwohner unterzeichnet. Das sind: Stefan Fassbinder (Greifswald), Michael Galander (Anklam), Sandra Nachtweih (Pasewalk), Stefan Weigler (Wolgast), Jürgen Kliewe (Ueckermünde), Kerstin Pukallus (Torgelow), Dietmar Jesse (Eggesin), Jutta Dinse (Gützkow), Laura Isabelle Marisken (Heringsdorf), Arno Karp (Jarmen), Fred Gransow (Lassan), Christin Witt (Loitz), Antje Zibell (Penkun), Heike Hammermeister-Friese (Strasburg), Jochen Storrer (Usedom).

Eine aktuelle Prognose der Landesregierung geht von einem Einwohnerschwund im Kreis Vorpommern-Greifswald bis 2040 um 12,2 Prozent aus.

Mehr zum Thema:

Immobilien-Trends: Das sind Rostocks beste Lagen

Preisexplosion bei Grundstücken in MV: So teuer ist Bauland an der Ostsee

Hotel-Boom in MV: Wie viele Urlauber verträgt unser Land?

Von Frank Pubantz

In MV war es am Dienstag windig – auch in der Nacht zu Mittwoch kann es vereinzelt noch zu Sturmböen kommen. In Rostock wurde am Abend das Dach eines Haus weggeweht, ein Segelschiff ist gekentert und ein Mopedfahrer wurde von seinem Fahrzeug geweht.

18.09.2019

Über ihre Schicksale haben Miriam und Israel Bruderman am Dienstag mit Schülern, Lehrern und Gästen in der Europaschule Rövershagen gesprochen. Im Mittelpunkt stand ihr Überleben als Juden während der Nazi-Zeit. Miriams Familie halfen viele Deutsche.

18.09.2019

Bundesweit sorgen mehrere Fälle von Babys, die mit fehlgebildeten Händen zur Welt kamen, für Aufsehen. Offenbar sind die aber kein Einzelfall – auch nicht in MV: Lucy aus Wismar meistert bereits seit acht Jahren ihr Leben mit einer „großen“ und einer „kleinen“ Hand. Die Geschichte einer kleinen Kämpferin.

17.09.2019