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MV aktuell Christian-Müther-Stiftung: Ein Segeltörn mit berührendem Hintergrund
Nachrichten MV aktuell Christian-Müther-Stiftung: Ein Segeltörn mit berührendem Hintergrund
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11:51 16.07.2019
Müther-Segeln Quelle: CJD Nord Fachklinik für Kinder und Jugendliche Garz / Rügen
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Stralsund/Greifswald

Ein schwerer Schicksalsschlag führte zur ersten Christian-Müther-Gedächtnisfahrt 1990: Vor 30 Jahren verloren Astrid von Zydowitz-Müther und ihr Mann, der bekannte Architekt und Bauunternehmer Ulrich Müther, ihren einzigen Sohn Christian kurz vor dessen 28. Geburtstag. Der junge Arzt war seit seiner Kindheit an Asthma erkrankt und starb 1989 an einem schweren Anfall. Am Mittwoch beginnt zu seinem Andenken der 30. und zugleich letzte dreitägige Segeltörn mit asthmakranken Kindern.

In drei Tagen von Stralsund nach Greifswald

Bereits am Dienstag laufen die alten Traditionsschiffe, die an der Christian-Müther-Gedächtnisfahrt teilnehmen, in den Tonnenhafen auf dem Dänholm in Stralsund ein. In diesem Jahr sind 16 Schiffe angemeldet, auf denen täglich insgesamt 60 bis 70 asthma- und bronchialerkrankte Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren mitfahren werden. Mittwoch um 9.30 Uhr beginnt dann der erste Törn, der die Segler nach Lauterbach auf Rügen führt, wo eine Feierstunde stattfindet. Am nächsten Tag ist eine Ausfahrt zur Insel Ruden geplant, ehe am Freitag abschließend über den Greifswalder Bodden gesegelt wird. Mit dem Einlauf in den Greifswalder Museumshafen endet der dreitägige Törn.

Spezialist für lungenkranke Kinder gesucht

„Asthma ist nicht heilbar, aber gut behandelbar – das sah vor 30 Jahren noch anders aus. Wir wollen den Kindern mit der Ausfahrt eine Freude machen. An Bord mithelfen und auch ans Steuerrad zu dürfen ist eine gute Ablenkung“, erklärt Dr. Ernst-Hinrich Balke, ehemaliger Kinderarzt der Universitätspoliklinik Greifswald und Vorstandsmitglied der Stiftung. Er und die Klinik unterstützen die Stiftung, die 1994 gegründet wurde, bereits von Anfang an. Ulrich Müther sei auf der Suche nach einem Spezialisten für lungenkranke Kinder in einer Sprechstunde zu ihm gekommen: „Diesem Mann konnte man sich einfach nicht entziehen. Er hat mich sofort von seiner Idee begeistert.“

„Mein Mann war nicht aufzuhalten“

Kurz nach dem Tod seines Sohnes setzte Müther alle Hebel in Bewegung, um die erste Gedächtnisfahrt ins Leben zu rufen. „Ich habe mich zunächst gegen diese Idee gewehrt. Nach dem Tod unseres Sohnes musste ich erst wieder lernen, Freude für die Kinder empfinden zu können. Aber mein Mann war ja nicht aufzuhalten“, sagt Astrid von Zydowitz-Müther lächelnd und hat dabei Tränen in den Augen. Dennoch war sie von der ersten Fahrt an dabei. Sie ist selbst Seglerin und sowohl ihr Mann als auch ihr Sohn waren begeisterte Segler und setzten sich für den Erhalt von Traditionsseglern ein. Deshalb restaurierte die Stiftung auch eine Tjalk, einen historischen holländischen einmastigen Segelschifftyp, und gab ihm den Namen „Christian Müther“. Das Schiff gehört heute dem Museumshafen Greifswald und nimmt jedes Jahr an der Gedächtnisfahrt teil.

Ärztliche Unterstützung ist enorm wichtig

Am 8. Juni 1990 begann die erste Tour mit acht Schiffen und 30 Kindern. In den Folgejahren gesellten sich Schiffe aus Dänemark, Holland, Kiel, Hamburg und Bremen zu der Flotte. „Auch mich hat Ulrich Müther mit seiner Art schnell ins Boot geholt“, berichtet Falk Meyer, Vorstandsmitglied und ehemaliger Chef vom Schifffahrtsamt. Ebenso ist die CJD Kinderfachklinik Garz, aus der unter anderem etliche Kinder an der Fahrt teilnehmen, Teil der Stiftung. „Ohne die Unterstützung vieler wäre die logistische, organisatorische und finanzielle Umsetzung des Projekts nie möglich gewesen“, bekräftigt Zydowitz-Müther.

Ebenso darf ärztliche Unterstützung an Bord nicht fehlen. Die Kliniken Greifswald und Garz stellen daher Personal zur Verfügung. Auch die Besatzungen sind geschult, um im Notfall richtig reagieren zu können. „Absolute Sicherheit muss gegeben sein“, betont Regina Bindernagel, Stiftungsmitglied und Leiterin der Kinderfachklinik Garz. Alle Kinder müssen einen Kurs zum Umgang mit Asthma besucht und ihre Medikamente dabeihaben. Etliche Studenten und andere Freiwillige sind zusätzlich als Aufsichtspersonen an Bord.

Ulrich Müther prägte Architektur

Ulrich Müther sei ein sozialer Mensch in allen Lebenslagen gewesen und fähig, Menschen von etwas zu begeistern, wie alle Vorstandsmitglieder bestätigen. Der 2007 in Binz verstorbene Architekt zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der ostdeutschen Nachkriegsarchitektur. Seine Spezialität seit den 60er Jahren waren die sogenannten Hyparschalen, doppelt gekrümmte Beton-Schalentragwerke. Er zeigte damit, wie elegant und schwungvoll Beton sein kann und setzte dem vorherrschenden Plattenbau etwas entgegen. 74 Bauwerke Müthers wurden in der DDR, aber auch im Ausland errichtet. Der Warnemünder „Teepott“ sowie der ehemalige Rettungsturm in Binz sind zwei besonders bekannte Beispiele in MV.

Ein schöner Abschluss nach 30 Jahren

Im Wismarer Müther-Archiv der Hochschule wird der Nachlass seit 2006 bewahrt. „Ich habe alle Akten und Originalzeichnungen an das Archiv gegeben und halte mich auch über alles auf dem Laufenden“, berichtet Zydowitz-Müther. Mit Hilfe einer Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft werden die Unterlagen erschlossen und wissenschaftlich bearbeitet.

„Wir sind alt geworden“, meint die Vorstandsvorsitzende Zydowitz-Müther. Die 30. Christian-Müther-Gedächtnisfahrt soll deshalb ein schöner Abschluss sein. Am Freitag soll der Abend im Rahmen des Greifswalder Fischerfests gemütlich ausklingen. „Wir werden im Sinne der Stiftung weitermachen“, teilt Binderlage mit. Zwar seien keine großen Segeltörns möglich, aber Wasseraktivitäten mit asthmakranken Kindern werde es weiterhin geben.

Maria Baumgärtel

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