Contra-Kommentar zur Impfung von Stefan Kerth: Was für ein Versäumnis
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MV aktuell Vorab-Impfung von Landrat Kerth: Kleiner Piks, großer Schaden
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Contra-Kommentar zur Impfung von Stefan Kerth: Was für ein Versäumnis

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15:02 24.02.2021
Landrat Stefan Kerth hat sich bereits am 12. Januar gegen das Coronavirus impfen lassen.
Landrat Stefan Kerth hat sich bereits am 12. Januar gegen das Coronavirus impfen lassen. Quelle: Felix Kästle/dpa (Symbolbild)
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Stralsund

Vorpommern-Rügens Landrat Stefan Kerth (SPD) ist unter 50, wirkt meistens topfit und arbeitet weder im Pflegeheim noch im Krankenhaus. Trotzdem hat er sich bereits am 12. Januar impfen lassen. Warum bloß?

Ein Piks und der Ruf ist beschädigt. Zigtausende Bürger, für die er sich täglich einsetzt, wären vor ihm an der Reihe gewesen. Sie sind jetzt vermutlich überrascht, enttäuscht und empört. Völlig zurecht.

Beim Einrichten von Impfzentren muss man sich doch im Vorfeld die Frage stellen, wer übrig bleibende Spritzen bekommen soll. Kerth sagt, eine solche Prioritätenliste werde gerade erstellt – sechs Wochen nach Eröffnung des Stralsunder Impfzentrums, sechs Wochen nach seiner eigenen Spontan-Impfung. Was für ein Versäumnis!

Die OZ hatte dem Landratsamt bereits vor einem Monat die Frage gestellt, ob Verwaltungsmitarbeiter beim Verimpfen übriger Dosen bevorzugt werden. Damals die klare Antwort: Nein. Auch der Pressesprecher wusste eigener Aussage nach nichts von der Impfung des Landrats.

Nun soll es so gewesen sein, dass Kerth am Tag der Eröffnung des Impfzentrums bis zum Feierabend dort war und noch dringend vier Spritzen gesetzt werden sollten, um sie nicht wegschmeißen zu müssen. Kerth hätte auch offensiv damit umgehen können, von wegen: „Seht her, ich gehe voran und lasse mich impfen.“ Bei einer ausbaufähigen Impfbereitschaft in der Bevölkerung wären bekannte Vorbilder sogar sehr nützlich. Es aber zu verheimlichen, lässt die Sache in einem anderen Licht erscheinen. Einem besonders schlechten.

Von Kai Lachmann