Corona-Bußgeld in MV: Leser diskutieren über 25 000-Euro-Strafe für Rentner-Paar
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MV aktuell „Sauerei“ oder rechtmäßig? Das sagen OZ-Leser zum 25 000-Euro-Corona-Bußgeld in MV
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Corona-Bußgeld in MV: Leser diskutieren über 25 000-Euro-Strafe für Rentner-Paar

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16:01 27.07.2020
Das Seniorenpaar Lydia und Peter Schultz vom Niederrhein soll bis zu 25 000 Euro Bußgeld zahlen. Quelle: Christian Rödel
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Rostock

Weil sie während der Pandemie an ihrem Zweitwohnsitz in Garz auf Rügen weilten, soll das Rentner-Ehepaar Lydia und Peter Schultz bis zu 25 000 Euro Strafe zahlen. Der Landkreis Vorpommern-Rügen will es so.

Diese Nachricht hat eine breite, zudem kontrovers geführte Debatte unter OZ-Lesern ausgelöst. Zum Hintergrund: Die beiden wohnen in Kerken am Niederrhein. Hier ist ihr Erstwohnsitz. Doch ihr Haus im Westen von Nordrhein-Westfalen wurde zu der Zeit umgebaut, die Hotels waren geschlossen. Dazu kommt, dass die beiden lange vor dem Lockdown nach MV gereist seien, so Lydia Schultz.

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„Dem Ansehen ist auf jeden Fall geschadet“

Peter Heuser meint dazu: „Wer hier einen zweiten Wohnsitz hat, sollte auch jederzeit diesen aufsuchen können. Der Staat verdient daran. Hier wird wieder mit scharfer Munition auf unbescholtene Bürger geschossen. Im Staat läuft etwas gewaltig schief.“ Auch sagt Heuser: „Die Handlungsweise der Behörde mag juristisch korrekt sein, aber menschlich ist es sehr fragwürdig. Dem Ansehen ist auf jeden Fall geschadet.“ Daggi Matze erkenne nichts Verwerfliches an der Sache. Die Leserin fragt: „Waren sie die ganze Zeit am Zweitwohnsitz? Wem haben sie geschadet?“ Gabriele Wagener setzt hinzu: „Ist schon sehr interessant, wie schnell man fürs Geldeintreiben Gesetze erlassen kann.“ Claudia Pantermehl wirft die Frage auf: „Und was hat das gebracht? Jetzt geht es wieder hoch mit den Coronazahlen. Nur Geld abzocken von den Bürgern. Was das wohl soll. Ich finde es eine Sauerei.“

Anja Kruemelchan Behnke betont indes: „Ich wüsste nicht, wo sich MV da unbeliebt gemacht hätte. Es gibt und gab Regeln und an die haben sich nun mal alle zu halten und wer das nicht tut, der braucht sich hinterher nicht wundern.“ Matthias Löbsack kommentiert das Geschehen in folgender Weise: „Ja, ihr Haus am Niederrhein wurde umgebaut. Dann hätte man sich doch direkt an die Behörde wenden können. Denen das Ganze schildern können und dann auf eine Ausnahmegenehmigung pochen können. Aber: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Des Weiteren ist es allen anderen Bürgern gegenüber, die auf ihren Zweitwohnsitz verzichtet haben, unfair. Das Gesetz ist für alle gleich.“

„Wer das Gesetz herausfordert, muss damit rechnen“

Auch Sebastian Bo gibt zu bedenken: „Die Regeln sind bekannt und gelten für alle Bürger gleichermaßen. Urlaub ist kein Menschenrecht. Und auch die Nutzung von Eigentum (Ferienwohnungen) kann gesetzlichen und behördlichen Be- sowie Einschränkungen unterliegen. Das ist selbstverständlich. Ein Recht, Eigentum bestimmungsgemäß zu nutzen, gibt es nicht. Sonst könnte man sich auch ein Auto oder Flugzeug kaufen und es ohne entsprechende Lizenzen fahren beziehungsweise fliegen.“ Manina Olschewski verstehe, dass „man sich darüber ärgern“ könne. „Doch das tun Falschparker, Rotlichtfahrer, oder Raser eben auch. Die Höhe ist heftig, aber eben auch bekannt gewesen. Wer das Gesetz herausfordert, muss damit rechnen.“

Von Juliane Lange