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Corona-Krise am Freitag in MV: Appelle, Kneipenverbot und drohende Ausgangssperre

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21:28 20.03.2020
Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss richtet sich mit einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung: „Bitte bleiben Sie zu Hause.“ Quelle: Christoph Wohlleben
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Rostock

Schon wieder fast ein Drittel mehr: Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in MV steigt weiter an. 167 bestätigte Fälle meldet am Freitag des Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) – 34 mehr als noch am Vortag. Zehn Personen müssen mittlerweile in Kliniken behandelt werden.Tendenz auch hier steigend.

Minister, Ärzte und Landräte wenden sich deshalb mit einem eindringlichen Appell an die Menschen im Land. Im Netz werden Fotos und Videos geteilt mit der Aufforderung: Bleibt zu Hause! „Dieses Wochenende ist entscheidend“, mahnt Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU). „Sollten sich die Menschen nicht an die Regeln halten, wird es eine weitere Verschärfung geben.“

Sein Kabinettskollege Till Backhaus (SPD) unterstreicht den Ernst der Lage: „Wir brauchen die Quarantäne“, so der Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister. Er verspricht: Auch im Falle einer Ausgangssperre wird es keine Versorgungsengpässe geben. Backhaus: „Hamstern ist unsozial.“

Schwesig: Gaststätten jetzt ganz zu

Um das Verbreiten des Virus weiter einzudämmen, kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Freitagabend an, Gaststätten die Öffnung jetzt komplett zu untersagen. Die Regelung gilt ab Sonnabend 18 Uhr. Bisher durften die Restaurants tagsüber noch öffnen.

Am Sonntag wollen Bundesregierung und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Auch Ausgangssperren stehen dann zur Debatte. Bayern hatte als erstes Bundesland bereits am Freitag seinen Bürgern auferlegt, ihre Häuser und Wohnungen nicht mehr zu verlassen.

Rostock bereitet Ausgangssperre vor

Die größte Stadt des Landes hat bereits alles für das Verhängen einer Ausgangssperre vorbereitet: „Die Pläne sind fertig. Wir müssen nur den Hebel umlegen“, so Rostocks Oberbürgermeister Madsen. Ob dieser Schritt umgesetzt wird oder nicht – das hänge von den Bürgern selbst ab: „Viele Menschen verhalten sich bereits vernünftig. Aber wer immer noch meint, das seien eigentlich nur Extra-Ferien, der gefährdet das Leben anderer.“ Und da werde die Hansestadt durchgreifen. Das Wochenende sei die letzte Bewährungsprobe für die Rostocker.

Landräte: „Sie gefährden Menschenleben!“

Auch Sebastian Constien (SPD), Landrat im Landkreis Rostock, mahnt: „Wir müssen alle verstehen, dass wir die Schutzmaßnahmen strikt einzuhalten haben! Es geht nicht nur um den eigenen Schutz, sondern vor allem den unserer Mitmenschen. Widerwillen und Rücksichtslosigkeit haben da keinen Platz.“

Michael Sack (CDU), Landrat in Vorpommern-Greifswald, formuliert es noch drastischer: „Ich frage mich ernsthaft, ob diejenigen Menschen, die in dieser Situation derart sorg- und verantwortungslos handeln, dabei die Gesundheit ihrer Eltern, Großeltern und jüngeren Geschwister im Blick haben.“ Er bitte dringend darum, „jetzt nicht egoistisch, sondern solidarisch und verantwortungsbewusst zu handeln“: „Wen das nicht überzeugt, sollte sich Bilder aus Italien ansehen.“

OZ-Umfrage: Sollte wegen Corona auch in MV eine Ausgangssperre verhängt werden?

„Wir befinden uns erst am Anfang der Krise“, sagt Kerstin Weiss (SPD), Landrätin in Nordwestmecklenburg. „Alle Einschränkungen, die es in den letzten Tagen gab, haben nur ein Ziel: Unser aller Gesundheit zu schützen.“ Das Wochenende stehe vor der Tür. „Jetzt seine Freizeit zu nutzen, um sich zu treffen oder unter Menschen zu gehen, ist genau das Falsche.“ An die Jugendlichen, die immer noch in Gruppen auf den Straßen unterwegs sind: „Jetzt sind Computerspiele erlaubt!“

Uni-Vorstand: „Nicht die Zeit für Kaffeekränzchen“

Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Uni-Medizin in Rostock, nimmt vor allem die Senioren selbst in die Pflicht: „Jetzt ist nicht die Zeit für gesellige Kaffeerunden! Wir alle wollen Ältere und Schwache schützen. Die müssen es aber auch selbst tun.“ Die kommenden Tage habe MV noch die Chance, das Allerschlimmste vielleicht zu verhindern: „Eine Ausgangssperre wird keinen Spaß machen – auch den Jüngeren nicht.“

MV Werften stellen Betrieb ein

Unterdessen haben die MV Werften am Freitag einen drastischen Schritt in der Krise verkündet: Um die Mitarbeiter zu schützen, werden die Werften in Stralsund, Rostock und Wismar für vier Wochen in die Zwangspause gehen. Die 3000 Mitarbeiter bauen Überstunden ab, nehmen Urlaub oder gehen in Kurzarbeit. „Die Entscheidung ist notwendig geworden, da es aufgrund der Corona-Epidemie massive Einschränkungen im Betriebsablauf gibt“, so Werften-Chef Peter Fetten.

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