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Corona in MV: Wann Experte Kaderali mit Anstieg der Fälle rechnet

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13:15 01.01.2022
Lars Kaderali, Bioinformatiker der Universitätsmedizin in Greifswald, rechnet mit steigenden Coronazahlen in MV.
Lars Kaderali, Bioinformatiker der Universitätsmedizin in Greifswald, rechnet mit steigenden Coronazahlen in MV. Quelle: Stefan Sauer, dpa
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Greifswald

Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali erwartet ab der zweiten Januarwoche einen deutlichen Anstieg der gemeldeten Corona-Infektionen. Nach Silvester werde es wahrscheinlich Meldeverzüge geben. „Eine Woche später ungefähr wird man dann plötzlich die Zahlen steigen sehen“, sagte er. Grund sei die Ausbreitung der ansteckenderen Omikron-Variante des Coronavirus.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner war laut Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) im Nordosten schon vor den Weihnachtsfeiertagen und auch danach gesunken. Allerdings wurden nach Angaben des Lagus in der 51. Kalenderwoche – also vor und während Weihnachten – deutlich weniger PCR-Tests als in der Vorwoche registriert, während der Anteil der positiven Tests weitgehend stabil blieb.

Omikron wird Krankenhausbelastung enorm vergrößern

Angesichts der sich aufbauenden Omikron-Welle sei es fatal, dass man derzeit ein Stück weit im „Blindflug“ sei, sagte Kaderali, der auch dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung angehört. Die Modellierung sei schwierig. Er sagte, „dass man wirklich ein sehr, sehr optimistisches Szenario einstellen muss, um nicht in eine Situation zu kommen, wo wir eine hohe Krankenhausauslastung bekommen.“ Das liege auch daran, dass die Intensivstationen jetzt schon wirklich voll seien. „Die Luft nach oben sozusagen, die ist wirklich dünn.“

Er glaube, dass die Hospitalisierung bei Omikron tatsächlich geringer ausfalle. „Aber das ist nur einschränkend beruhigend, eben weil die Krankenhäuser schon voll sind, und weil wir es mit einem Virus zu tun haben, das eben enorm infektiös ist und dadurch einfach sehr, sehr viele Leute ansteckt.“ Dadurch werde binnen Tagen der vermeintliche Vorteil wieder ausgeglichen, weil durch die Masse an Infektionen wieder viele Menschen im Krankenhaus landen. „Wir brauchen, wenn wir das eindämmen wollen, wahrscheinlich noch mehr“, sagte Kaderali mit Blick auf die bisherigen politischen Maßnahmen. „Die Frage ist schlicht und einfach, wie viel mehr.“

Expertenrat der Bundesregierung ist kein Stammtisch

Er habe schon den Eindruck, dass nach der Stellungnahme des Expertenrates zu Omikron „die Politik etwas aufgewacht ist“. Die Arbeit des interdisziplinären Gremiums beschrieb Kaderali als sehr gut und nüchtern. „Man muss sich das auch anders vorstellen als so eine Stammtischdiskussion. Das ist immer sehr faktenbasiert.“ Viel Arbeit bestehe darin, Studien und Daten aus anderen Ländern zu sichten und diese einzuordnen. „Das ist kein Meinungsaustausch.“

Der Corona-Expertenrat zur Beratung der Bundesregierung hatte Mitte Dezember seine Arbeit aufgenommen. Die Zusammensetzung ist breitgefächert und deckt etwa die Virologie, die Kinder- und Jugendmedizin, die Medizinethik, Intensivmedizin oder Bildungsforschung ab. Aus Mecklenburg-Vorpommern ist auch der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), mit dabei.

Von Christopher Hirsch, dpa