Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Dankes-Feier für die Waldbrandhelfer: „Wir sind alle Helden“
Nachrichten MV aktuell Dankes-Feier für die Waldbrandhelfer: „Wir sind alle Helden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:09 08.09.2019
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) macht ein Selfie mit einigen Helfern bei der Dankesfeier für die Waldbrand-Helfer von Lübtheen. Quelle: dpa
Anzeige
Lübtheen

Den beißenden Rauch, den penetranten Geruch und die bis auf 80 Meter an ihre Wohnhäuser heranrückenden Flammen – all das möchten Nicole Dostahl, Christian Beyer und Jörg Moormann aus Trebs und Jessenitz-Werk nicht noch einmal erleben.

Sie gehören zu den etwa 650 Einwohnern, die während des Großbrandes im Sommer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ihre Wohnungen verlassen mussten.

Medaille des Landes zum Dank

Am Sonnabend standen auch sie in bester Stimmung auf dem Festplatz der Kleinstadt nahe der Elbe. Dorthin hatten Landesregierung und Landkreis zur großen Dankeschön-Veranstaltung unter dem Motto „Wir sind alle Helden“ Helfer und Bürger eingeladen. Mehr als 1000 Besucher kamen insgesamt zum Auftakt des Programms auf den Festplatz der Kleinstadt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) würdigte den großartigen Einsatz der Helfer und zeichnete einige stellvertretend für alle mit der Waldbrand-Medaille des Landes aus. Die ersten 500 von insgesamt 5000 Helfern, unter anderem von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr, Polizei, DRK und ASB, erhielten eine extra aus diesem Anlass geschaffene Medaille. Sie trägt die Aufschrift: „Waldbrand Lübtheen 30.06.-08.07. 2019“.

Das sind die ausgezeichneten Helden von Lübtheen

Dankes-Feier für die Waldbrandhelfer: „Wir sind alle Helden“

Helfer Helge Raffelt: „Ich war beeindruckt“

Nando Müller: „Als wir Explosionen hörten, wurde uns mulmig“

Soldat Björn Jarr schwärmt vom „Wir-Gefühl“

Michael Klamann wird „diese Tage nie mehr vergessen“

Stefan Geier hat „so einen Brand in 34 Jahren nicht erlebt“

1200 Hektar standen in Flammen

Als Erstem wurde sie dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Stefan Geier verliehen. Er, sowie weitere 35 Geehrte, erhielten außerdem Ulmen-Setzlinge, die im Waldgebiet um Lübtheen gepflanzt werden sollen. Sie sollen, gemeinsam mit vielen anderen neuen Laubbäumen dazu beitragen, dass sich künftige Brände nicht so rasant ausbreiten können, da Laubbäume nicht so schnell in Flammen stehen, wie Nadelgehölze.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Gemeinsam sei es gelungen, das Feuer zunächst einzudämmen und dann ganz zu löschen, sagte Schwesig. „Die gelebte Solidarität in der Region und weit darüber hinaus hat mich besonders beeindruckt. Das war ein starkes Signal. In schwierigen Zeiten stehen die Menschen zusammen“, erklärte die Ministerpräsidentin. Nach ihren Angaben erfassten die Flammen Ende Juni 1200 Hektar.

Schutzstreifen für künftige Brände

„Uns ist es ein Bedürfnis, den vielen Einsatzkräften von Herzen zu danken. Vor allem Landrat Stefan Sternberg gilt unsere besondere Anerkennung, der schnell, besonnen und konsequent handelte und sofort die notwendigen Maßnahmen einleitete“, sagte derweil Anwohnerin Nicole Dostahl.

Arsenal des Schreckens

Manuela Schwesig schätzte ein, dass die Helfer an den neun Brandtagen bei der Bekämpfung des Feuers fast Übermenschliches geleistet hätten. Wie sie ankündigte, werde die Munitionsbergung auf dem betroffenen Areal dank Unterstützung durch den Bund wesentlich schneller vorangehen, als bisher gedacht. Auch sollen die Wohnsiedlungen durch die Anlage von breiten Schutzstreifen vor dem Übergreifen von Waldbränden bewahrt bleiben.

Viele Bäume werden noch absterben

Wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) erwähnte, seien hohe mittelalte und alte Kiefernbestände in besonderem Maße von dem Großfeuer betroffen gewesen. „Da wir es überwiegend mit einem Bodenfeuer zu tun hatten, sind vor allem Wurzelbereich und Rinde in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Forstleute gehen deshalb davon aus, dass fast alle Bäume in den nächsten Jahren noch absterben werden“, erklärte er. Da es sich um ein Schutzgebiet handle, werde die Wiederbewaldung überwiegend durch die natürliche Rückkehr von Pflanzen und Tieren erfolgen. Experten rechnen dem Minister zufolge damit, dass sich der Großteil des Brandgebiets innerhalb eines Jahrzehnts regenerieren wird.

310 000 Euro für die Feuerwehr

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) übergab dem Landkreis am Rande der Feier den Zuwendungsbescheid über 310 000 Euro. Das Geld ist für die Neustrukturierung der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) bestimmt. Insbesondere sollen weitere sogenannte Tauschräume eingerichtet werden, in denen die freiwilligen Feuerwehren verbrauchtes Material und Geräte nach Einsätzen austauschen oder ergänzen können.

Verdacht der Brandstiftung nicht bestätigt

Ende Juni waren Waldflächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Brand geraten. Der Landkreis löste am 30. Juni Katastrophenalarm aus. Anfang Juli waren rund 5000 Einsatzkräfte bei den Löscharbeiten zugange. Das Feuer gilt als der bisher größte Waldbrand in der Geschichte des Landes. Vier Ortschaften mit insgesamt 650 Einwohnern wurden vorsorglich evakuiert. Am 8. Juli kam die Entwarnung. Der Verdacht auf Brandstiftung bestätigte sich nicht. Die Staatsanwaltschaft Schwerin stellte die Ermittlungen ein.

Der 1. Einsatz der Medical Task Force MV

Lesen Sie mehr zum Thema:

Die Helden von Lübtheen: Dieser Mecklenburger geht durchs FeuerWaldbrand in Lübtheender Liveticker zum NachlesenSatellitenfoto: Waldbrand in Lübtheen ist aus dem Weltall zu sehen

Von Werner Geske und Birgit Sander

Als der Brandmeister die Nachricht vom Großfeuer erhielt, legte er die Arbeit in seiner Tischlerei nieder und eilte zu Hilfe.

08.09.2019

Michael Klamann (39) ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Alt Jabel. In den ersten zwei Tagen nach Ausbruch des Feuers hat er nicht geschlafen.

08.09.2019

Der Bundeswehr-Soldat half vor allem bei der Unterstützung der Einsatzkräfte. Der Zusammenhalt unter den verschiedenen Organisationen und Helfern beim Waldbrand hat ihn geprägt.

08.09.2019