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MV aktuell Darf Opas Urne bald nach Hause?
Nachrichten MV aktuell Darf Opas Urne bald nach Hause?
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18:16 25.06.2019
Opas Urne für zu Hause? Bestatter Torsten Lange spricht sich für eine Übergangsfrist aus, in der Angehörige die sterblichen Überreste Verstorbener aufbewahren dürfen. Später sollten die Urnen aber öffentlich bestattet werden. Quelle: Danny Gohlke/dpa
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Rostock

Kaffeekränzchen in Familie – auch der verstorbene Opa ist dabei, in der Urne auf dem Kaminsims. Diese Vorstellung vom Umgang mit Überresten Verstorbener spaltet die Menschen im Land. Eine Expertenkommission im Landtag soll strittige Fragen für eine Novelle des Bestattungsgesetzes klären. Beim Thema Friedhofspflicht gehen die Positionen weit auseinander. Darf auch außerhalb des Friedhofs bestattet werden – und wenn ja, nach welchen Regeln?

Verbraucherschützer: Wille des Verstorbenen soll entscheiden

Torsten Schmitt zitiert zum Thema gern Umfrageergebnisse. Eine Mehrheit der Bevölkerung habe kein Problem damit, wenn der Nachbar auf dem Grundstück eine Urne beigesetzt hat, sehe den Friedhofszwang als veraltet an, finde es nicht pietätlos, wenn aus der Asche Verstorbener ein Diamant als Erinnerung geformt (nur im Ausland möglich) wird. Schmitt vertritt über den Verein Aeternitas Verbraucher, Betroffene, die Lockerung im Bestattungswesen wollen. „Die Aufbewahrung und Beisetzung einer Urne im Privatbereich sollte grundsätzlich dann zugelassen werden, wenn dies dem Willen des Verstorbenen entspricht“, sagt er und verkörpert in der Experten-Kommission quasi den einen Pol der Debatte. Andere Länder machten es vor: In Bremen sei Bestattung im eigenen Garten unter Bedingungen möglich, in Nordrhein-Westfalen dürfe Asche außerhalb des Friedhofs verstreut oder vergraben werden, wenn eine Behörde dies genehmigt und öffentlicher Zugang gewährleistet ist.

Pastor: Alle Angehörigen sollten einen Trauer-Ort haben

Der Wismarer Propst Marcus Antonioli plädiert für einen öffentlichen Trauer-Ort, den alle erreichen. Quelle: Olivia Groche

Kirchenvertreter in MV sehen das anders. Für einen öffentlichen Ort des Trauerns spricht sich Marcus Antonioli, Propst in Wismar, aus. „Man muss auch mit Verstorbenen respektvoll umgehen.“ Er sei dagegen, jemanden zu einem Bestattungsort zu zwingen, weist aber auf Probleme einer möglichen Liberalisierung hin. Ein Beispiel aus der Praxis: In einer zerstrittenen Familie stirbt eine ältere Frau – später kann nur ein Teil der Familie auf dem Grundstück am Grab trauern. „Es ist wichtig, dass alle Angehörigen einen Ort haben“, so Antonioli. Aus seiner Sicht sollte jeder die Möglichkeit einer Grabstelle mit Namen in der Öffentlichkeit haben – unabhängig vom Geldbeutel.

In der Politik bleiben die Fronten zum Thema bestehen. Gegen Urnenbestattung auf Privatgrundstücken spricht sich Sebastian Ehlers (CDU) aus. So würden möglicherweise einige Trauernde vom Zugang abgehalten, auch die Toten-Ruhe sei „nicht hinreichend gesichert“. Ehlers ist wichtig, „dass die Würde des Menschen eben nicht mit dem Tod endet“. Jens-Holger Schneider (AfD) warnt vor einer „Aufbewahrung der Asche des Verstorbenen im Bücherregal“ oder „Kompostierung im Garten“. Eva-Maria Kröger (Linke) spricht sich dagegen für eine Öffnung des Friedhofszwangs aus und beruft sich auf Umfragen und Zuschriften. Bestattung auf privatem Grund sei für sie denkbar – oder zumindest befristete Aufbewahrung im Haus.

OZ-Umfrage: Die Urne für zu Hause - soll der Friedhofswang in MV gelockert werden?

„Kompromiss“: Urne eine Zeit zu Hause aufbewahren

Genau dies schlagen Bestatter vor. „Als eine Art Kompromiss“, erklärt Torsten Lange, Vorsitzender des Bestatterfachverbandes MV, aus Warin: Die Asche Verstorbener könnte „für eine gewisse Frist“, womöglich Jahre, bei unmittelbaren Angehörigen bleiben. „Sie sollte dann aber an einem öffentlichen Ort bestattet werden.“

Oder nur einen Teil der Asche für die Angehörigen?

Gesetz legt Bestattung auf Friedhof fest

Eine Expertenkommission zur Modernisierung des Bestattungsgesetzes in MV berät seit November 2018 im Landtag. Vorsitzender des 20-köpfigen Gremiums ist der Greifswalder Rechtsprofessor Heinrich Lang. In ihr sind neben Landtagsabgeordneten auch Vertreter der beiden Kirchen sowie der Juden und Muslime, des Städte- und Gemeindetages, Rechtsmediziner, der Bestatterfachverband sowie Verbraucherschützer vertreten. Themen: Friedhofspflicht, Bestattungswesen, Leichenschau. Ende 2019 soll ein Bericht vorliegen.

Rund 20000 Menschen sterben jedes Jahr in MV, vier von fünf Verstorbenen werden auf Friedhöfen beerdigt. Laut Landesgesetz müssen Verstorbene auf einem Friedhof, in einem Friedwald oder auf See bestattet werden – Ausnahmen nur bei „wichtigem Grund“.

Kommt es doch zum Streit um Opas Asche, müsse ein Gericht ran, sagt Torsten Schmitt, Aeternitas. Im Streitfall zwischen Angehörigen könnte ein Totensorgeberechtigter die Urne aufbewahren. Schon jetzt gebe es mit See- und anonymer Bestattung Formen, bei denen öffentlicher Zugang nicht möglich ist. Denkbar sei auch, einen Teil der Asche den Verwandten zu überlassen – für Miniatur-Urnen oder Amulette, so Schmitt. Auch hier sollte „der Wille des Verstorbenen“ zählen. Pastor Marcus Antonioli findet den Gedanken schwierig, dass „ein Rechtsakt klären muss, ob jemand eine Blume auf ein Grab legen darf“.

Bestatter fordert Meisterpflicht für seine Branche

Im Herbst wird sich die Kommission im Landtag intensiv mit dem Thema Friedhofspflicht befassen, bis Dezember soll eine Lösung her. Bestatter Lange fordert, dass es auch zu klaren Regeln in seiner Branche kommt. Bisher könne jeder ohne Anforderungen Bestatter werden; Lange spricht sich für eine Meisterpflicht aus. Prof. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer MV, ist wichtig: Die Kostenerstattung für die von Ärzten durchgeführte Leichenschau müsse neu geregelt werden, künftig über die Krankenkassen. Bisher würden Ärzte für den teils großen Aufwand zu gering bezahlt. Eine Mehrheit zeichne sich in der Kommission für Regelungen religiöser Minderheiten ab; so werde eine Bestattung im Leichentuch – ohne Sarg – befürwortet.

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Frank Pubantz

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