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MV aktuell Hatschi! Pollen-Allergiker in MV leiden wie noch nie
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17:12 27.02.2019
Pollen aus den Haselkätzchen machen vielen Allergikern zu schaffen. Quelle: Arno Burgi/dpa
Rostock

Wer seinen Heuschnupfen über die Wintermonate verdrängt hatte, wurde längst wieder daran erinnert, dass Taschentuch und Nasenspray ab sofort wieder in Handtasche und Reisegepäck gehören – und das früher als üblich. Der Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes warnt vor einer mittleren Belastungsintensität bei Haselpollen. Die Pollen der Erle haben bereits die höchste Warnstufe erreicht. In diesem Jahr übrigens früher als im langjährigen Mittel. „Bei einer aktuellen Meldequote der phänologischen Beobachtungen von knapp 90 Prozent ist der Beginn der Haselblüte um zehn Tage früher“, sagt Christina Endler vom Deutschen Wetterdienst.

Dies könne man sogar beobachten, sagt Kai Gloyna, der beim Landesgesundheitsamt in Rostock die aktuellen Pollenflugvorhersagen erstellt. „Die Kätzchen der Haselsträucher sind groß, offen und hellgrün“, sagt er. „Und wenn man da mit dem Finger gegen schnipst, dann staubt das ordentlich.“ Zwei Millionen Pollenkörner werden aus einem einzigen Kätzchen freigesetzt. Dass die Haselpollen im Februar fliegen, sei aber gar nicht außergewöhnlich früh, sagt Kai Gloyna. „Die können auch im Dezember unterwegs sein.“ Meist sei es aber so, dass knackig kalte Temperaturen im Januar die Pollensaison etwas verzögern und das sei in diesem Winter einfach nicht passiert.

Pollen werden in Fallen gesammelt

Um Vorhersagen zu erstellen und Warnungen auszusprechen, wird die Konzentration der Pollen täglich gemessen. „Im Land verteilt gibt es sogenannte Pollenfallen“, sagt Kai Gloyna. In Mecklenburg-Vorpommern stehen sie in Rostock, Greifswald, Neustrelitz, Garz und Prerow. Auf einem mit Vaseline beschichteten Band werden die Pollen eines Tages gesammelt und anschließend unter dem Mikroskop ausgezählt.

Als einziges Institut veröffentlicht die Freie Universität Berlin ihre Messdaten. In einem Kubikmeter Luft befanden sich am 20. Februar 196 Haselpollen. Die Erlenpollen erreichten mit einer Konzentration von 2028 den höchsten Wert seit Messbeginn 1985. Der Spitzenwert aus dem vergangenen Jahr wurde damit fast verdoppelt. Der Erlenpollenflug habe in den vergangenen zwei, drei Jahren aus für ihn unerklärlichen Gründen stark zugenommen, sagt der Meteorologe Thomas Dümmel von der FU. In den vergangenen Jahren seien Spitzenwerte von 400 üblich gewesen. Als Grund wurde vermutet, dass die Kätzchen angesichts frühlingshafter Bedingungen nahezu zeitgleich heranreiften und die Pollen sich dann optimal verteilten.

Klimawandel hat Einfluss auf den Pollenflug

Ab 100 Pollen pro Kubikmeter Luft spricht man bei Hasel und Erle von einer hohen Belastung. Und die betrifft nicht wenige. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden 16,5 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer unter einer Pollenallergie. Vor allem die Pollen der Frühblüher, wie Hasel, Erle, Birke, und Esche, Gräser- und Roggenpollen sowie Kräuterpollen (Beifuß, Ambrosia) gehören zu den Hauptauslösern von Allergien.

Aber nicht nur der kaum vorhandene Winter hat die Pollen früher fliegen lassen. „Im Zuge des Klimawandels müssen wir uns darauf einstellen, dass viele Pollenarten früher fliegen werden“, sagt der Freiburger Medizin-Meteorologe Andreas Matzarakis. Die Vegetation komme generell früher in Gange. Der seit etwa 20 Jahren beobachtete Trend hin zu einer immer kürzeren wirklich pollenfreien Zeit im Winter setze sich damit fort, betont Torsten Zuberbier, Leiter des Allergie-Zentrums an der Berliner Charité.

Der aktuellste Pollenflugkalender mit den häufigsten Allergieauslösern. Quelle: Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst

Grundregeln sollten beachtet werden

Aber nicht nur das gute Wetter ist schuld, wenn jetzt wieder hier und da geniest wird. „Wenn die Luftströmung aus Ungarn kommt, dann kann es auch hier zu Spitzen bei Pflanzen kommen, die es über Jahre hinweg in Mecklenburg-Vorpommern nicht gegeben hat“, sagt Kai Gloyna. Dies betrifft unter anderem die Ambrosia, eine krautartige Pflanze, die vor allem im Südosten Europas zu Hause ist und hochallergene Pollen verbreitet.

Auf die Natur sollten Allergiker dennoch nicht verzichten, schließlich ist das sonnige Wetter auch gut fürs Gemüt. Abhilfe schaffen da natürlich Medikamente, die am besten jeden Morgen prophylaktisch eingenommen werden, da man sonst Gefahr läuft, Asthma zu entwickeln – und ein paar Grundregeln: Kleidung abklopfen, Haare ausbürsten, in der Stadt morgens lüften, auf dem Land lieber morgens, und einen Pollenfilter ins Auto einbauen.

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