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MV aktuell „Das dritte Geschlecht ist ein Witz“ – Rücktrittsforderungen gegen Staatsanwalt Ott
Nachrichten MV aktuell „Das dritte Geschlecht ist ein Witz“ – Rücktrittsforderungen gegen Staatsanwalt Ott
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18:14 06.03.2019
Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Sascha Ott steht für seine Äußerungen zum dritten Geschlecht in der Kritik. Quelle: dpa
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Rostock/Greifswald

Rücktrittsforderungen gegen den stellvertretenden Oberstaatsanwalt Sascha Ott: Der CDU-Politiker hatte im sozialen Netzwerk Facebook das dritte Geschlecht als „Irrglaube“ und „Witz“ bezeichnet. Dort verteidigte er zunächst den Karnevals-Toilettenwitz von CDU-Bundesvorsitzender Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich zuvor über das dritte Geschlecht lustig machte und dafür viel Kritik einstecken musste.

Sascha Ott stellt sich klar hinter AKK: Humorlos wie der Islamische Staat seien Kritiker aus den Reihen der Linken und Grünen. Sie würden sich gern tolerant geben – soweit es in ihr Weltbild passe. Ott geht aber noch weiter, er sagt: „Mit gutem Recht kann man über den Irrglauben vom ’Dritten Geschlecht’ Witze machen – es ist nämlich ein Witz. Und wir sollten dafür sorgen, dass es auch so bleibt.“

Rostocker CSD-Verein: Äußerungen sind „hochgradig unangemessen“

Diese Äußerungen bringen vor allem den Verein Christopher Street Day Rostock (CSD) auf die Palme. Für einen Vertreter der Landesjustiz sei das hochgradig unangemessen. Max Rentner, Sprecher des Vereins sagt dazu: „Er unterminiert die Entscheidung des Verfassungsgerichtes in einer Weise, wie sie unseres Erachtens einem Staatsanwalt nicht zusteht. Das Signal an intersexuelle Menschen, gerade aus diesem Amt, halten wir für fatal.“ Gemeint ist, dass das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr entschieden hat, ein drittes Geschlecht für den Eintrag im Geburtenregister zuzulassen.

Unterstützung bekommt der CSD von der Linken-Landtagsabgeordneten Eva-Maria Kröger und den Jusos Rostock, die ebenfalls den Rücktritt des Staatsanwalts fordern. „Es ist nicht das erste Mal, dass er so daneben tritt, das ist seines Amtes unwürdig“, findet Kröger. Schon zuvor äußerte sich Ott ablehnend gegenüber dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Entscheidung des Gerichts, intersexuellen Menschen neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Option einzuräumen, nannte er „verrückt“. Tom Lüth, Kreisvorsitzender der Jungsozialisten bezeichnet die Aussagen von Ott als „in höchstem Maße bedenklich“. Betroffene Personen könnten offenbar von ihm als Oberstaatsanwalt keine objektive Behandlung erwarten.

Ott schockiert über Hasskommentare im Internet

Sascha Ott reagierte am Mittwoch betroffen und emotional auf die Anschuldigungen und Forderungen. „Das ist natürlich völliger Unsinn, ich kann sehr professionell zwischen meiner politischen Auffassung und meiner Aufgabe als Staatsanwalt unterscheiden. Es tut mir weh, wenn mir das nicht zugetraut wird“, sagt er. Zudem hätten ihn die vielen bösartigen Hasskommentaren wie „intolerante Drecksau – verrecke!“ unter seinem Facebook-Beitrag sehr überrascht. Das zeige, dass diese Kritiker intolerant seien. Schließlich habe er erstens nur seine Meinung gesagt und zweitens die Freiheiten beim Karneval verteidigt. „Man kann doch zum Karneval über alles Witze machen, wo sind wir nur hingeraten?“, fragt Ott.

Der Vorsitzende des Konservativen Kreises der CDU in MV betonte, er habe niemanden beleidigen wollen. Für ihn gebe es in Einklang mit seiner christlichen Weltanschauung kein drittes Geschlecht. „Aber es gibt Menschen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen und die sich deshalb für eine Geschlechtsumwandlung entscheiden. Ich toleriere und akzeptiere Intersexuelle sowie Schwule und Lesben. Deshalb muss ich mir das aber nicht zu eigen machen. Genauso lasse ich mir aber nicht verbieten, was ich zu denken und zu sagen habe“, betont der CDU-Politiker.

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