Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Das kritisieren Touristen am Urlaubsland MV
Nachrichten MV aktuell Das kritisieren Touristen am Urlaubsland MV
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 13.09.2019
Widmen sich dem Tourismus im Land MV: Karsten Heinsohn, Wolfgang Waldmüller, Hanna Schürzinger, Manfred Zeiner und Michael Ermrich (v. l.). Quelle: Claudia Labude-Gericke
Anzeige
Tribsees

Mecklenburg-Vorpommern bleibt eine Top-Urlaubsadresse. Das Küstenland ist bei den Feriengästen auch weiterhin beliebt und wird gern weiterempfohlen. Das zeigt das Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes.

Auf dem Gut Landsdorf in Tribsees sind am Freitag Zahlen für das erste Halbjahr vorgestellt worden, die einen Zuwachs bei den Übernachtungen anzeigen. Knapp 13,5 Millionen Übernachtungen stehen in der Bilanz, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 14,5 Prozent bedeutet.

Lesen Sie mehr:
Ruf nach Abschaffung der Tages-Kurtaxe wird lauter

„Die auffällig hohen Zuwächse sind aber auch der Statistik geschuldet“, sagt Manfred Zeiner von DWIF-Consulting, der die Zahlen präsentierte. Seit August 2018 integriert das Statistische Landesamt auch Betriebe, die vorher als Privatvermieter gelistet und kein Teil des Berichts waren. Rechne man diesen Effekt heraus, bliebe immer noch ein leichtes Plus von 1,7 Prozent bei den Übernachtungen. Deutschlandweit stiegen die Zahlen im Vergleich zu 2018 um 3,7 Prozent.

Besonders zugelegt hätten dabei die Mecklenburgische Schweiz samt Seenplatte, aber auch die Mecklenburgische Ostseeküste. „Und die fetten Monate Juli und August kommen ja erst noch dazu – abgerechnet wird am Schluss“, motivierte Zeiner die anwesenden Touristiker angesichts der Ergebnisse.

Negativbewertungen: Zimmer zu alt und zu teuer

MV wäre bereits auf einem sehr hohen Level, und es sei schon eine Leistung, das zu halten. Damit es aber so bleibt, sind laut Meinung des Experten einige Investitionen nötig. Denn bei der Zufriedenheit der Gäste rutschte das Land vom bundesweiten Platz 2 auf den fünften Rang ab. Deutliche Kritik in Form von Negativbewertungen äußern Urlauber bei den Zimmern sowie den Kosten. „Der Preis ist subjektiv empfunden zu hoch bei stagnierender Qualität der Unterkünfte“, deutet Zeiner die Zahlen, die einen „Frühwarnindikator“ abgeben, wo etwas getan werden müsste.

Größter Kritikpunkt ist die Internetversorgung

Schlusslicht sei mit Abstand die Internetversorgung im Land. „Es ist gut, dass das Tourismusbarometer uns zeigt, wo noch Nachholbedarf besteht. Aber bei der Digitalisierung sind wir auf einem guten Weg“, sagt Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes MV, der in diesem Zusammenhang die 234 geplanten WLAN-Hotspots im Land erwähnt.

Gäste legen Wert auf Nachhaltigkeit

Was den Urlaubern immer wichtiger wird, ist Nachhaltigkeit. „Die Gäste wollen das gute Gefühl, nicht mit schlechtem Gewissen verreisen zu müssen“, weiß Manfred Zeiner. Untrennbar damit verbunden sei deshalb das Thema Verkehr. „Etwa 75 Prozent aller CO2-Emissionen liegen im Deutschland-Tourismus“, sagt der Experte. Mobilität sei deshalb die zentrale Stellschraube für Klimaschutz.

Nach Umfragen der Experten wären 95 Prozent der Gäste bereit, 50 Cent pro Übernachtung mehr zu bezahlen, wenn dafür der Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut und kostenlos würde. Bei den im Land erreichten Übernachtungszahlen käme da schon eine ordentliche Summe zusammen.

Aber gerade, weil das Angebot fehlt, würden immer noch 79 Prozent der Urlauber in den ländlichen Regionen des Landes mit dem Auto anreisen. „Nicht, weil sie unbedingt wollen, sondern weil es schlicht an Angeboten fehlt.“

Es sei falsch, dass das Thema Mobilität bei den Touristikern aktuell noch keine hohe Priorität hätte, sagte Zeiner und hob gleichzeitig Mobilitätsprojekte für spezielle Tickets an der Müritz sowie auf Rügen als Positivbeispiele hervor.

Arbeitskräfte werden knapp im Tourismus

Was die Branche ebenfalls schwer trifft, ist der Fachkräftemangel. So könnte die Hälfte aller Betriebe in MV offene Stellen länger nicht besetzen. „Das führt bereits zu Qualitätseinbußen oder zu Einschränkungen des Angebots“, so Zeiner. Auch jeder vierte Ausbildungsplatz im Tourismus bleibt ungenutzt. Und das, obwohl jeder zehnte Betrieb im Land weiter wachsen will.

Lesen Sie mehr:

Ein Koch aus MV erzählt: „Von diesem Lohn kannst du keine Familie gründen“

Die Experten schlagen deshalb Alarm. Es sei dringend notwendig, die Attraktivität der Branche zu steigern und auch die Zufriedenheit der Beschäftigten zu erhöhen. Das Grand Hotel Heiligendamm sei dabei beispielhaft. In der Residenz würden bis 2020 insgesamt 63 Mietwohnungen für Mitarbeiter gebaut. „So etwas hat bereits in Destinationen wie Tirol funktioniert und ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Zeiner. Auch die Initiative des Dehoga MV, die auf Jugendliche in der Berufsorientierung abzielt, sei ein wichtiger Baustein.

Was die Situation der Arbeitskräfte betrifft, sei es Zeiner zufolge bereits „fünf nach Zwölf“. Unternehmen, Kammern, Ministerien und Fachverbände sollten deshalb ein Arbeitspaket Gastgewerbe ins Leben rufen, um gegenzusteuern, bevor sich die Lage weiter verschlechtere und das auch Auswirkungen auf die Übernachtungszahlen hätte.

Mehr zur Autorin

Von Claudia Labude-Gericke

Sie wollten schon immer mal hinter die Türen eines großen Hotels blicken? Dann kommen Sie mit der OZ auf eine spannende Entdeckungsreise. Wir vergeben zwölf Check-in-Tickets. Bewerben Sie sich.

13.09.2019

Das Agrarpaket der Bundesregierung lässt dunkle Wolken über der Mela aufziehen. Betriebe befürchten ein Hofsterben. Till Backhaus fordert einen radikalen Kurswechsel – auch bei den Konsumenten.

13.09.2019
Seewirtschaft Nach Feuerkatastrophe auf US-Schiff Wie sicher sind Fahrgastschiffe in MV?

Verheerendes Unglück vor Kalifornien mit 34 Toten entfacht Debatte um Brandschutz auf See auch in MV. Fahrgastreedereien an der Ostsee legen viel Wert auf Sicherheit. Besatzungen proben den Ernstfall. Die Feuerwehr ist gewappnet.

13.09.2019