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Das sind die Tiere und Pflanzen des Jahres – und wie es ihnen in MV geht

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17:48 12.01.2020
Guten Appetit! Von vielen Gärtnern gefürchtet, doch streng geschützt: Der Maulwurf ist Tier des Jahres 2020. Quelle: Arco Images NPL
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Rostock

Er ist der Schrecken vieler Gärtner. Wenn die dunklen Erdhaufen aus der mühsam gestriegelten Rasenfläche ploppen, stehen vielen Gartenfreunden die Haare zu Berge. Dennoch – oder gerade wegen seines unvorteilhaften Rufs – hat die Deutsche Wildtierstiftung den Maulwurf zum Tier des Jahres 2020 ernannt. Der heimliche Wühler ist damit eines von mehr als 30 Naturwesen, vom Baum übers Reptil bis zum Vogel, die in diesem Jahr diesen Titel tragen. Die OZ stellt einige der von Naturfreunden und -verbänden gewählten Jahreswesen vor, die der Naturschutzbund (Nabu) Mecklenburg-Vorpommern auflistet.

Maulwürfe sind streng geschützt

Maulwurf: Mit der Wahl zum Tier des Jahres sollen Wildtiere in den Fokus gerückt werden, „über die es auch in den 2020ern noch Geheimnisse zu lüften gilt“, erklärt Jenifer Calvi aus der Pressestelle der Deutschen Wildtier-Stiftung (Hamburg). Der Maulwurf sei ein Nützling, ein unermüdlicher Schädlingsvertilger und Mäusevertreiber. Dennoch würde es noch immer Menschen geben, die dem streng geschützten Tier mit Giften und Gasen den Garaus machten. Dafür drohten „Geldstrafen bis zu 50 000 Euro“.

Für das Tier des Jahres gibt es allerdings keine Regionaldaten. „Die wenigstens Menschen haben schon einmal den fleißigen Stollengräber aktiv bei der Arbeit gesehen“, sagt Jenifer Calvi: „Noch nicht einmal gezählt wurde er – wir wissen darum nicht, wie viele Maulwürfe es etwa in Mecklenburg-Vorpommern gibt.“

Robinien werden seit 1840 hierzulande angepflanzt

Robinie: Den Titel Baum des Jahres trägt die Robinie, auch Falsche Akazie oder Silberregen genannt. Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Robinien werden etwa seit dem Jahr 1840 auf Sandböden im heutigen MV angepflanzt und sind im ganzen Land verbreitet, erklärt Heike Ringel vom Landesfachausschuss Botanik beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Das Straßenbauamt schätze Robinien als „zukünftig sehr geeignet für die Alleenbepflanzung“ ein.

Zauneidechsen färben sich smaragdgrün

Zauneidechse: Das Reptil des Jahres, die bis zu 20 Zentimeter lange Zauneidechse, kommt in MV unregelmäßig vor. Aufgrund der intensiven Landnutzung von Wald- und Ackerflächen sei sie hierzulande vor allem auf Bahnanlagen, Militärflächen, Freileitungstrassen und Industriebrachen zu finden, erklärt der Nabu-Experte für Reptilien, Falk Ortlieb: „Aber auch diese Flächen stehen durch den Boom im Bausektor unter Druck.“ Die Männchen dieser streng geschützten Reptilien färben sich zur Paarungszeit leuchtend smaragdgrün.

Fieberklee ist durch Entwässerung bedroht

Fieberklee: Die auch Bitterklee genannte Sumpf- oder Wasserpflanze, die Blume des Jahres, ist laut Botanikerin Heike Ringel im Bestand gefährdet und im sogenannten Florenschutzkonzept MV verankert. Das Land habe „eine Verantwortung für den Erhalt der Lebensräume dieser Art“, etwa Moore und Torfstiche. Der zur Verlandung beitragende Fieberklee sei „durch Entwässerung und starken Grundwasserabfall weiterhin bedroht“, betont die Botanikerin.

Ölkäfer brauchen Bienen zur Verbreitung

Schwarzblauer Ölkäfer: Das Insekt des Jahres ist in MV „nicht selten“, sagt der Nabu-Entomologe Holger Ringel. Allerdings sei die Population der Art früher wohl größer gewesen. Die bis zu 3,5 Zentimer großen Schwarzblauen Ölkäfer benötigten zur Verbreitung die Larven von Solitärbienen, deren Lebensräume – offener, besonnter Boden, in denen die Bienen ihre Brutgänge graben – jedoch zurückgehen. Die Larven der Ölkäfer lauern auf Grashalmen oder Blüten auf die Bienen, an denen sie sich festkrallen und auf diese Weise in den Erdbau der Bienen gelangen.

Das sind Naturwesen des Jahres 2020

Nasen schwimmen nur in der Elbe

Nase: Den Titel Fisch des Jahres trägt die Nase. Der karpfenartige Fisch ähnelt einer Plötze, hat aber eine auffallend konische Kopfform. In MV gebe es „historisch und aktuell keine stabilen Vorkommen“, sagt der Nabu-Ichthyologe Helmut Winkler. Allenfalls in der Elbe sei mit wandernden Einzeltieren zu rechnen. Die etwa 30 Zentimeter langen Nasen würden laut Winkler wegen ihrer vielen Gräten nicht gezielt befischt. Dem Landesamt für Fischerei (Lallf) zufolge ist der Fisch zudem in MV ganzjährig geschützt.

Turteltauben werden immer seltener

Turteltaube: Bestandszählungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft MV zufolge gingen die Bestände der Turteltauben im Nordosten von maximal 15 000 Brutpaaren Anfang der 1980er-Jahre auf 1700 Brutpaare bis zum Jahr 2009 zurück. Schätzungen zufolge gibt es mittlerweile sogar nur noch etwa 500 Brutpaare der Vögel, die als Glücks- und Liebessymbol gelten. Vor allem „die Intensivierung der Landwirtschaft“ mache ihnen zu schaffen, sagt der Nabu-Ornithologe Benjamin Weigelt. Größere Bestände des Vogels des Jahres kommen demnach bei Karlsburg (Vorpommern-Greifswald) vor, kleinere Bestände u. a. bei Löcknitz, Lübtheen und Parchim.

Stinkmorcheln locken Fliegen an

Gemeine Stinkmorchel: Der Pilz des Jahres braucht keine bestimmten Bäume oder Böden, er komme daher im Nordosten überall vor, erklärt Petra Bonin, Pilzsachverständige des Landes MV. Durch den markanten Aasgeruch lockt die Stinkmorchel Fliegen an, die dadurch die Sporen der Pilze verbreiten. Eßbar seien wegen des Gestanks nur die als Hexeneier bezeichneten eiförmigen Knollen. „Sie schmecken herb wie Rettich“, sagt Petra Bonin. Der wissenschaftliche Name Phallus impudicus (unzüchtiger Penis) verweist auf die charakteristische Form der Stinkmorchel.

Knabenkraut war einst weit verbreitet

Breitblättriges Knabenkraut: Die oft purpurrot blühende Orchidee des Jahres war einst in MV weit verbreitet, sei aktuell aber „sehr stark zurückgegangen“, erklärt Botanikerin Heike Ringel. Vielfach seien ihre Habitate, die Feuchtwiesen, durch Entwässerung, Trockenlegung und Nährstoffeinträge zerstört. Den wie Fingern geformten Wurzelknollen des Knabenkrauts wurden früher übersinnliche Kräfte zugeschrieben.

Ivenacker Eichen sind Waldgebiet des Jahres

Ivenacker Eichen: Die Stieleichen gehören zu den ältesten ihrer Art in Europa und sollen 500 bis 1000 Jahre alt sein. Der rund 164 Hektar große Wald war das erste Naturmonument in Deutschland und wurde nun zum Waldgebiet des Jahres bestimmt. Bereits vor gut 1000 Jahren wurde das Gelände von Slawen als Waldweide genutzt.

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