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MV aktuell Das sind die dreistesten Betrugsfälle in MV
Nachrichten MV aktuell Das sind die dreistesten Betrugsfälle in MV
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14:51 12.07.2019
Ob als Liebhaber, Verwandte, Polizisten, Schulfreunde oder Dienstleister, die Zahl der Trickbetrüger geht nach einer Statistik des Landeskriminalamtes immer weiter nach oben. Vor allem beim Enkeltrick werden die Opfer abgezockt. Quelle: Thomas Mandt
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Rostock

Zwei Frauen aus der Region Rostock haben Liebesbetrügern zusammen mehr als 450 000 Euro überwiesen. Sie sind auf sogenannte Love-Scammer (zu Deutsch: Liebesbetrüger) hereingefallen, die ihnen die große Liebe im Internet versprachen, aber letztlich nur an ihr Geld wollten. Wie Harald Nowack von der Staatsanwaltschaft Rostock, welche die Ermittlungen leitet, sagt, haben die Frauen extra Kredite aufgenommen, um ihren virtuellen Partnern in einer Notsituation zu helfen. „Von dem Geld werden sie wohl nie wieder etwas sehen“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Laut Aussagen des Landeskriminalamtes in Rampe gibt es nur wenige Anzeigen von Love-Scamming in Mecklenburg-Vorpommern. Eine genaue Zahl kann Sprecher Matthias Rascher aber nicht nennen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Die Scham, sich in solchen Fällen zu melden, ist immer noch sehr hoch“, betont der Kriminalhauptkommissar.

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Die dreistesten Fälle im Überblick

Ob als Liebhaber, Verwandte, Polizisten, Schulfreunde oder Dienstleister, die Zahl der Trickbetrüger geht nach einer Statistik des Landeskriminalamtes immer weiter nach oben. Schon bis Ende Mai ergaunerten Kriminelle mit dem Enkeltrick in Mecklenburg-Vorpommern so viel Geld wie im gesamten vergangen Jahr. Nach dem aktuellsten Stand aus dem ersten Quartal 2019 schlugen 472 Mal Trickbetrüger zu. Obwohl nur 18 Fälle erfolgreich waren, wurden trotzdem 320 000 Euro ergaunert.

Hier die dreistesten Fälle aus diesem Jahr im Überblick:

Falsche Schwägerin luchst 45 000 Euro ab

Ein Malchiner Ehepaar (80 und 79 Jahre alt) fiel im Februar 2019 auf den bekannten Enkeltrick herein. Unbekannte gaben sich am Telefon als Schwägerin aus, die angeblich dringend Geld für einen Hauskauf benötigte. Sie selbst säße gerade beim Notar, so dass sie nicht schnell vorbeikommen könnte und stattdessen jemanden schicken würde. Die Senioren holten 37 000 Euro von der Sparkasse ab – trotz eindringlicher Warnung der Bankmitarbeiterin, die einen Betrug witterte – und übergaben insgesamt 45 000 Euro in einer Plastiktüte an eine fremde Frau.

Erspartes an falschen Anwalt überwiesen

Auf eine besonders perfide Weise wurde ebenfalls im Februar 2019 eine 82 Jahre alte Frau aus der Gemeinde Boock (Landkreis Vorpommern-Greifswald) um ihr gesamtes Erspartes gebracht. 40 000 Euro haben die unbekannten Täter von ihr erhalten, nachdem sich ein angeblicher Anwalt bei ihr meldete, der vorgab, für ihre Enkelin Geld für ein neues Auto abzuholen.

Angeblicher Notar überlistet Seniorenpaar

In Garz auf der Insel Rügen übergab im März 2019 zudem ein Seniorenehepaar Geld an einen „Mitarbeiter des Notariats“, der dieses an einen guten Bekannten für den Kauf einer Eigentumswohnung übergeben sollte. Trotz eindringlicher Warnung der Bankmitarbeiter hoben die Rentner 39 000 Euro ab.

Falsche Polizisten beschlagnahmen „Falschgeld“

Im Februar 2019 gaben sich in Schwerin Betrüger als Polizisten des LKA Berlin aus. Die falschen Beamten erzählten eine Legende von einer rumänischen Einbrecherbande, bei denen ein Zettel mit Namen der Opfer gefunden wurde. Die Schweriner seien darunter gewesen. Sie sollten bitte ihre Ersparnisse von der Bank holen. Dann wurden sie überzeugt, dass es sich bei Barmitteln um Falschgeld handeln könnte. Um das zu prüfen, übergaben die Opfer 22 000 Euro an der Haustür an die falschen Polizisten.

„Dachhaie“ fordern plötzlich Wucher-Preise

In Stralsund und Umgebung trieben Anfang Juni 2019 angebliche Handwerker ihr betrügerisches Unwesen. In Groß Kordshagen hatte ein 71-Jähriger mit einer Baufirma aus Polen einen Festpreis für die Reparatur am Dach seiner Garage vereinbart. Schließlich erschienen drei rumänische Handwerker und erledigten die Arbeiten. Im Anschluss verlangten sie allerdings fast den zehnfachen Betrag des ursprünglich vereinbarten Preises. Der 71-Jährige verständigte daraufhin die Polizei und erstattete Strafanzeige gegen die sogenannten Dachhaie. Gegen die drei Bauarbeiter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges und Wucher eingeleitet. Auch in Stralsund gab es bereits ähnliche Vorfälle.

Angebliche Anmeldung bei Seitensprung-Webseite

Im April 2019 erhielt eine 36-jährige Rostockerin eine Zahlungsaufforderung von 1015 Euro von einer Inkassofirma, weil sie angeblich einen Zweijahresvertrag für die Internetseite namens „Seitensprung.tv“ abgeschlossen hätte. Heraus kam jedoch, dass die Webseite „Probenheld.de“, auf der sie sich für kostenlose Produktproben registrieren lassen hat, unseriös ist. Bei Verbraucherschützern ist Probenheld bestens bekannt. Mal hätten die Nutzer angeblich teure Prepaid-Kreditkarten bestellt, mal eine Mitgliedschaft in dem Seitensprung-Portal, berichtet Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale Rostock. Die Rostockerin hat nicht gezahlt.

Nie im Internet gewesen und trotzdem Opfer

Dass man sogar Opfer von Cyber-Kriminellen werden kann, ohne jemals im Internet gewesen zu sein, zeigt ein anderer Rostocker Fall. Eine 82-Jährige bekam Rechnungen vom Fernbusanbieter Flixbus. Angeblich soll sie drei Fahrkarten für je 20 Euro gekauft, aber nicht bezahlt haben. Insgesamt sechs Briefe bekam sie, Rechnungen und Mahnungen von der Firma Ratepay, die Online-Zahlungen für Flixbus abwickelt. Mitsamt Mahngebühren kamen 120 Euro zusammen. Die Masche funktioniert so: Betrüger bestellen unter anderem Namen Tickets, stornieren die Fahrten. So kommen sie an Gutschriften, die sich weiterverkaufen lassen. Ein beliebiger Name mit Adresse, auf den sich leicht eine E-Mail-Adresse erstellen lässt, reicht offenbar aus. „Bei uns haben sich bisher zwei Geschädigte gemeldet“, sagt Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale.

Ann-Christin Schneider

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