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MV aktuell Debatte nach Kita-Schließung in Rostock: Große Personalprobleme bei Erziehern in MV
Nachrichten MV aktuell Debatte nach Kita-Schließung in Rostock: Große Personalprobleme bei Erziehern in MV
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18:30 26.09.2019
Per Zettel werden die Eltern über die Schließung der Kita-Gruppen in einer Rostocker Einrichtung informiert. Quelle: privat
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Rostock

Nach der überraschenden Schließung einer Kita in Rostock, weil alle Erzieher krank waren, gewinnt die Debatte um die Betreuungsqualität in Mecklenburg-Vorpommern erneut an Fahrt.

Nach wie vor sei bei den unter Dreijährigen nur eine Erzieherin für sechs Kinder zuständig und damit die Betreuungsqualität im Vergleich zu anderen Bundesländern mangelhaft, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Große Unterschiede auch innerhalb von MV

Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge sei dies bundesweit der zweitschlechteste Wert nach Sachsen. Als Ideal werde im Krippenbereich ein Betreuungsschlüssel von eins zu drei angesehen. Bei den Kindergartenkindern in MV hat sich der Personalschlüssel unterdessen von 1 zu 14,9 (2013) auf 1 zu 13,2 (2018) leicht verbessert. „Dennoch muss eine Fachkraft in MV rein rechnerisch mehr als sechs Kindergartenkinder mehr betreuen als in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit der günstigsten Personalausstattung“, urteilen die Experten.

Auch innerhalb des Nordostens gibt es Unterschiede: Während im Landkreis Vorpommern-Rügen der Personalschlüssel in Kindergartengruppen bei 1 zu 11,7 liegt, schafft der Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald nur ein Verhältnis von 1 zu 14,1. Nach Berechnungen der Stiftung seien für einen kindgerechten Personalschlüssel in MV rechnerisch 6816 zusätzliche Vollzeit-Fachkräfte erforderlich.

Im Rostocker Stadtteil Dierkow hatte am Montag eine Kita von heute auf morgen zugemacht. Nach einer Krankheitswelle sei kein Personal mehr anwesend gewesen, hieß es zur Begründung. Die Eltern sind darüber erst am Morgen mit einem handgeschriebenen Zettel an der Tür informiert worden. Die Stadtverwaltung hatte im Anschluss eingeräumt, über den Fall informiert gewesen zu sein. „Deshalb hatten wir als Amt auch keinen Handlungsbedarf,“ sagte der zuständige Senator im Rostocker Rathaus, Steffen Bockhahn (Linke).

Personal könnte nach Ruhestandswelle noch weniger werden

Wie sich aus einer Antwort auf eine entsprechende kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag ablesen lässt, rechnet selbst die Landesregierung offensichtlich nicht damit, dass sich die Verhältnisse in den Kitas rasch verbessern, weil überproportional viele Erzieher in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. „Aufgrund der demografischen Struktur bei den pädagogischen Fachkräften sieht die Landesregierung primär die Notwendigkeit, zunächst den Ersatzbedarf zur Gewährleistung des bestehenden Fachkraft-Kind-Verhältnisses zu sichern“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Linken.

Klartext: Selbst den aktuell knappen Personalschlüssel zu halten, wird demnach in Schwerin als große Herausforderung verstanden. Gut 1,1 Millionen Euro sollen nun in eine Fach­­kräfte­offen­sive fließen.

Schwesig gibt Kostenfreiheit den Vorzug

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte im Laufe der wiederholten Diskussionen um die schlechte Betreuungsqualität in den Kitas, die zwischenzeitlich auch von ihrem Koalitionspartner CDU angezettelt worden waren, stets betont, dass für sie die Kostenfreiheit der Kitaplätze Priorität habe. Und die ist von Schwesig und der SPD-Fraktion nach dem dazugehörigen Beschluss im Landtag Anfang September mit einer großen Marzipantorte medienwirksam gefeiert worden.

Zudem wird innerhalb der Landesregierung gern betont, dass der Anteil der pädagogischen Fachkräfte am bestehenden Personal in MV ausgesprochen hoch sei, während die Kinder in Baden-Württemberg mit deutlich mehr Praktikanten und ungelernten Kräften Vorlieb nehmen müssten.

Kritik daran kommt auch aus der Fraktion Freie Wähler/Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (BMV) im Landtag: „Wir bleiben bei unseren Aussagen, dass durch die Beitragsfreiheit kein einziger Erzieher neu eingestellt oder gar der Betreuungsschlüssel verbessert wird“, betont die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Christel Weißig. Grund dafür sei, dass Schwesig knapp 38 Millionen Euro, die das Land aus Mitteln des Gute-Kita-Gesetzes der Bundesregierung erhalten hat, vor allem in die Beitragsfreiheit gesteckt habe.

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