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MV aktuell Dem Diplom in MV droht das Aus
Nachrichten MV aktuell Dem Diplom in MV droht das Aus
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20:00 29.01.2019
Hörsaal der Universität Greifswald: Das Interesse am Diplom-Abschluss sinkt. Quelle: dpa
Schwerin

Dem Diplom-Abschluss an Hochschulen des Landes droht nun doch das Aus. Nach jahrelangem Ringen um einen Sonderweg macht die Landesregierung einen Rückzieher. Bisher wollten SPD und CDU die Akkreditierungspflicht, eine Überprüfung vereinbarter Qualitätskriterien, aus dem Landeshochschulgesetz streichen, um das Diplom zu retten. Nach Protest aus Wirtschaft und Gewerkschaften ist das jetzt offenbar vom Tisch.

Auslöser für das Umschwenken seien Proteste aus der Wirtschaft und von Gewerkschaften, erklärt Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). „Diese Hinweise nehme ich ernst.“ Wie es konkret weiter geht, stehe derzeit noch nicht fest. Im Ministerium werde nun geprüft, ob und wie das Diplom optional dennoch zu retten wäre. Bislang hatte das Ministerium genau das ausgeschlossen. Die meisten Bundesländer lehnen den Sonderweg Diplom ab; im Staatsvertrag findet er nicht statt.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD): „Zur Abschaffung der Akkreditierungspflicht haben wir viele kritische Hinweise erhalten. Diese Hinweise nehme ich ernst.“ Quelle: CORNELIUS KETTLER

In der Koalition hat man das Thema wohl schon abgehakt. „Die Qualität der Ausbildung und die Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse sind wichtiger als das Diplom“, erklärt Jochen Schulte, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag. Es sei wichtig, dass Studenten mit ihren erbrachten Leistungen bundesweit punkten können, das gelte nun einmal für Bachelor- und Masterabschlüsse, wie sie europaweit seit 20 Jahren besiegelt sind. „Das Diplom genießt nach wie vor einen guten Ruf, für unsere Hochschulen ist das ein Wettbewerbsvorteil“, findet CDU-Fraktionschef Vincent Kokert. Aber: „Niemand braucht einen Abschluss, der schön klingt, aber nichts taugt.“

Kritiker begrüßen den Gesinnungswandel in der Politik. Die Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV) warnte vor einem „Studium light“; Studenten könnten Probleme bei einem Wechsel in andere Bundesländer haben, weil dort andere Standards gelten. Eine Abschaffung der Akkreditierungspflicht wäre „ein fatales Signal in die bundesweite Hochschullandschaft“ gewesen, erklärt VUMV-Geschäftsführer Sven Müller. Er fordert stattdessen in MV mehr Qualität in der Lehre. Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord, erklärt: Einen Alleingang MVs habe man immer abgelehnt, „denn das würde den Studierenden die Mobilität innerhalb Deutschlands und Europas erschweren“.

Die Resonanz fürs Diplom sinkt. Laut Ministerium haben 2016 landesweit 400 Absolventen diesen Abschluss gemacht, ein Jahr später waren es 323. Die Zahl der Masterabschlüsse dagegen stieg von 2043 auf 2098. Prof. Johanna Weber, Rektorin der Universität Greifswald, bestätigt: Es gebe „nur noch einen Diplomstudiengang, der zunehmend geringere Nachfrage verzeichnet“. Sie begrüße, dass die Akkreditierungspflicht erhalten bleiben soll. Ein Wegfall „würde dem Ansehen der Hochschulen des Landes schaden“. Die Uni Rostock habe sich für die Wahl zwischen Master- und Diplomabschlüssen ausgesprochen, so Rektor Prof. Wolfgang Schareck. „Dies wurde unverständlicherweise von Akkreditierern nicht akzeptiert.“

Starker Fürsprecher des Diplom-Abschlusses bleibt der Verein Deutscher Ingenieure in MV. Der Titel Diplom-Ingenieur beschreibe als „Marke“ die „Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft“, so Landesvorsitzender Mario Kokowsky. Er sprach sich für eine parallele Zulassung der Studiengänge aus. Danach sieht es in der Koalition nicht aus. Kritik kommt aus der CDU: Das SPD-Ministerium habe solange gebraucht, bis sich kaum noch jemand für das Diplom interessiert.

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