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MV aktuell Dem Nordosten droht ein kultureller Kahlschlag
Nachrichten MV aktuell Dem Nordosten droht ein kultureller Kahlschlag
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23:04 20.06.2014
Das neue gemeinsame Staatstheater soll den Sparplänen zufolge vier Standorte haben: Stralsund (Oper), Greifswald (Schauspiel/Ballett), Neubrandenburg (Konzert) und Neustrelitz (Musical/Operette). Hier im Bild: das Theater Vorpommern in Stralsund. Quelle: Stefan Sauer / Dpa
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Schwerin

Vorpommern und das östliche Mecklenburg stehen vor einem Kahlschlag in der Kulturlandschaft. Von den insgesamt 485 Jobs am Theater Vorpommern sowie der Theater und Orchester GmbH in Neubrandenburg und Neustrelitz sollen während der nächsten sechs Jahre 102 Stellen gestrichen werden.

Damit würden 5,8 Millionen Euro an Personalkosten eingespart. Zudem sollen sich die beiden eigenständigen Häuser zu einem gemeinsamen Staatstheater mit den Sparten Musiktheater, Konzert, Schauspiel, Ballett und Tanztheater zusammenschließen.

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Dies geht aus einem Gutachten zur Umsetzung der Theaterreform im östlichen Landesteil von Mecklenburg-Vorpommern hervor, das Kultusminister Mathias Bordkorb (SPD) bei der Münchner Unternehmensberatung Metrum in Auftrag gegeben hat.

61 Arbeitsplätze auf der Streichliste sollen den Gutachtern von Metrum zufolge „möglichst sozialverträglich durch Nicht-Besetzung nach Renteneintritt wegfallen. 41 Stellen müssten im Rahmen von Abfindungsangeboten oder betriebsbedingten Kündigungen abgebaut werden.“ Für entsprechende Abfindungszahlungen will das Land 2,3 Millionen Euro bereitstellen.

Das neue gemeinsame Staatstheater soll den Sparplänen zufolge vier Standorte haben: Stralsund (Oper), Greifswald (Schauspiel/Ballett), Neubrandenburg (Konzert) und Neustrelitz (Musical/Operette).

Die zwei vorhandenen Orchester müssten ebenfalls fusionieren, wobei 17 Musiker ihren Job verlieren würden. Von 98 verbleibenden Orchestermusikern sollen dann 60 in Neubrandenburg und 38 in Stralsund stationiert sein, um dort überwiegend an kleineren Opernproduktionen mitzuwirken. Sitz des Intendanten des neuen Staatstheaters wird dem Vernehmen nach Greifswald sein. Bei der Landesbühne Anklam will sich das Land ganz aus der Finanzierung zurückziehen und sie zu einem Theater in Trägerschaft des Kreises Vorpommern-Greifswald machen.

Ulrike Berger, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, kritisierte die Sparpläne. „Es ist mehr als fragwürdig, wie eine Reduzierung um mehr als 100 Stellen zu einer Verbesserung des künstlerischen Angebots führen soll.“ Jetzt müssen die theatertragenden Kreise und Städte Stellung nehmen.


PDF-Download: Auszüge aus dem Gutachten zur Theaterreform



Benjamin Fischer