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05:00 30.05.2019
5000 Aale für den Holzendorfer See. Fischer Klaus-Dieter Dehmel und seine Frau Jeannette bauen den Fischbestand so seit Jahren wieder auf. Quelle: Frank Pubantz
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Dabel

Langsam neigt sich der Bottich ins Wasser, viele kleine schlängelnde Körper entwischen Richtung Natur. Rund 5000 Aale verteilen sich im klaren Holzendorfer See. Fast scheint es, als ob sie Freudensprünge machen. 50 Kilo Aal haben Fischer Klaus-Dieter Dehmel (60) und seine Frau Jeannette (44) in Dabel (Kreis Ludwigslust-Parchim) ausgesetzt. „Der Fischer un sin Fru“, sagt sie scherzend. Fürs Foto hat sie Tracht und Schärpe angelegt. Jetzt sieht sie lächelnd zu, wie sich die kleinen Schatten im Wasser verteilen.

Backhaus ließ seit 2019 fast 9 Millionen Mini-Aale einsetzen

Seit zehn Jahren lässt Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einem abgestimmten Plan Mini-Aale in Gewässern des Landes aussetzen. Pro Jahr zwischen fünf und sieben Tonnen – in Warnow, Peene, Salzhaff oder Achterwasser. Denn der begehrte Speisefisch ist bedroht. Umwelteinflüsse, industrielle Fischerei oder verbaute Flussläufe hätten dafür gesorgt, dass der Aal-Bestand im Nordosten auf 20 bis 30 Prozent gegenüber den 1980er Jahren sank, erklärt Dr. Malte Dorow von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei. Er blickt zufrieden auf den Holzendorfer See, denn der Aal hat ein Comeback. Durch das kontrollierte Einsetzen von Jungtieren sei der Bestand im Bereich von Warnow und Peene wieder auf rund 40 Prozent gestiegen. So könne er sich hoffentlich bald selbst reproduzieren.

Fischer Dehmel spürt den Erfolg schon jetzt. „Der Aalfang wird besser“, sagt er. Wichtig beim „Brotfisch“, wie er Fischers und Anglers Begierde nennt. Auch Malte Dorow sieht positive Effekte: „Der Aal erholt sich.“

Fischer sieht den Kormoran als „Hauptfeind“

Der Aufwand dafür ist groß. Aale stammen aus der Sargasso-See im Atlantik. An der französischen Küste würden sie im Januar und Februar als Glasaale gefangen, dann in Holland aufgepäppelt. Die natürliche Weise reiche nicht aus, um den Bestand wieder zu steigern. Zu hoch seien die Verluste bis Deutschland. Also sorgt ein EU-Programm dafür, dass die Aale erst im Frühjahr nach MV kommen, wenn sie größer und kräftiger sind. 49 bis 80 Prozent EU-Förderung gebe es dafür. Mit im Boot sitzt auch der Landesanglerverband. Seit 2009 seien fast 62 Tonnen Aal in die Gewässer im Land gebracht worden, sagt Edgar Offel, Sprecher im Umweltministerium. 8,6 Millionen Tiere.

„Der Aal erholt sich.“ Dr. Malte Dorow, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei. Quelle: Frank Pubantz

Ob der Aal in MV wieder heimisch wird, hänge auch maßgeblich von der Kormoran-Population ab. Die schwarzen Vögel bezeichnet Fischer Dehmel als den „Hauptfeind“. Ein anderes Problem sind die sauberen Seen im Land, erklärt Experte Dorow. So komisch das klingt. Waren zu DDR-Zeiten die Gewässer mit Nährstoffen aus Kläranlagen oder aus der Landwirtschaft überdüngt und trüb, wuchs die Aal-Population. Heute sorgten zudem eingewanderte Muschelarten in manchen Seen dafür, dass das Wasser klarer wird. Klares Wasser sei wegen der vielen Räuber gefährlich für kleine Aale.

Sorge bereiten auch andere Fischarten. Dorsch und Hering in Küstengewässern würden „kritisch betrachtet“, so Offel. Die Bestände gehen weiter zurück, Plattfisch dagegen – Flunder, Scholle, Kliesche – gebe es genug. In Binnengewässern sinke auch der Bestand an Zandern. Auch hier liege es am zunehmend klaren Wasser. „Der Zander bevorzugt trübe Gewässer“, so Offel. Fischbesatz, wie das künstliche Hinzufügen von Fischen heißt, gebe es auch beim Ostseeschnäpel und bei der Meeresforelle.

Immer mehr Einheimische und Touristen angeln in MV

Die vielen Angler im Nordosten wird die Erholung des Aal-Bestandes freuen. Im Vorjahr zählte das Umweltministerium knapp 97 000 Fischereischeine, die Erlaubnis zum Angeln. Hinzu kommen 20 000 zeitlich befristete Fischereischeine, die zum Beispiel Touristen erwerben können, um Hecht und Zander im Land der Seen nachstellen zu können. Tendenz steigend.

Fischer Klaus-Dieter Dehmel glaubt nicht, dass er je wieder so viel Aal wie vor 30  Jahren fangen wird. Der aktuelle Trend beim Aal mache ihn aber optimistisch für die Zukunft.

Wo ein Tier oder ein Pflänzlein steht, da taucht ganz sicher auch Till Backhaus (SPD) auf. Naturnah zeigt sich der Umwelt- und Agrarminister gern vor Kameras – gern auch mit Dame. Eine Bild-Auswahl vergangener Jahre.

Frank Pubantz

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