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MV aktuell Der König auf der Werft: So könnte Rostock vom Besuch profitieren
Nachrichten MV aktuell Der König auf der Werft: So könnte Rostock vom Besuch profitieren
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20:37 21.05.2019
Die Delegation mit dem Königspaar macht einen Rundgang über das Werftgelände. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Maximá hat am Dienstag seinen Besuch in MV fortgesetzt – erst ging es auf die MV Werft in Warnemünde, dann nach Bollewick.

1. Worum ging es am zweiten Tag des Besuchs?

Nachdem am Montag Wissenschaft, Meeres- und Küstenschutz im Vordergrund der royalen Visite standen, ging es am Dienstag nun um die Wirtschaft. Begleitet wurden die Majestäten erneut von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihrem Mann Stefan, der niederländischen Infrastrukturministerin Cora van Nieuwenhuizen sowie MV-Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU).

2. Was genau haben sich die Majestäten auf der Werft angesehen?

Das Königspaar durfte in der großen Dockhalle der Werft den Bau von Segmente für die „Global Class“ inspizieren. Auf den Werften in Stralsund, Wismar und Rostock entstehen derzeit für „Dream Cruises“ die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt – 342 Meter lang und mit Platz für 9500 Passagiere. Auch in eine Musterkabine – made in Wismar – durften die Majestäten schon mal einen Blick werfen.

Schiffe, Leben auf dem Land und Medizin: Auch am zweiten Tag hat das Königspaar ein volles Programm. Wir zeigen die Bilder von Besuch auf der Werft in Rostock und dem Termin in Bollewick (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte).

3. Wofür hat sich das Königspaar besonders interessiert?

„Der König hat sehr fundierte und präzise Fragen gestellt“, berichtet Holger Karl, Produktionsleiter auf der Rostocker Werft. Karl hatte genau sechs Minuten Zeit, den royalen Gästen die Arbeiten auf dem größten Schiffbaubetrieb des Landes zu erläutern. „Willem-Alexander wollte wissen, welche Antriebs- und Maschinentechnologie wir nutzen, wie das Schiff ausgerüstet wird.“ Die Begegnung mit dem niederländischen Staatsoberhaupt – sie sei sehr unkompliziert gewesen: „Er war sehr nett und aufgeschlossen.“

4. Welche Themen gab es noch?

Die MV Werften könnten Vorbild für Schiffbauer in den Niederlanden werden – auf jeden Fall in puncto Ausbildung. 65 Auszubildende beschäftigen die Werften aktuell – und 20 duale Studenten. „Wir machen auf der Werft eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker, machen auch gleich unseren Meister. Paralell studieren wir in Wismar, Rostock oder Stralsund Maschinenbau und Ingenieurwesen“, erzählt „Werksstudent“ Fabian Jux. Er durfte den Oberhäuptern sich und seinen Werdegang vorstellen. Auch dafür habe sich der König sehr interessiert: „Diese Verbindung von praktischer und akademischer Ausbildung gibt es in den Niederlanden nicht.“ Jux’ Eindruck vom Königspaar: „Sie waren sehr entspannt. Ein besonderer Tag – auch für mich besonderer Tag.“

Fähnchen, roter Teppich und Selfies mit Schwesig: Das niederländische Königspaar verzückt seit Montag die Menschen in MV. Wir zeigen die ersten Bilder vom Flughafen Rostock-Laage, aus Schwerin und Warnemünde.

5. Was verbindet die Werft mit den Niederlanden?

„Eine ganz Menge. Wir haben schon heute viele Zulieferer aus dem Nachbarland“, sagt Stefan Sprunk, Sprecher der Werften. Am Dienstag beispielsweise unterzeichneten Werft-Chef Peter Fetten und Robert van Aarle, Vertriebschef der niederländischen Bolidt-Gruppe, einen Kooperationsvertrag. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der Nähe von Rotterdam wird für die Schiffe der „Global Class“ die künstlichen Teakholz-Belege für die Schiffsdecks liefern. Damit aber nicht genug: In der großen Schiffbau-Halle 11 in Warnemünde steht eine riesige Maschine – ebenfalls aus den Niederlanden. Die Anlage der Firma Grimbergen kann bis zu 100 Tonnen schwere Schiffssegmente bewegen und in jede Position drehen: „Das brauchen wir während der Ausrüstung“, so Stefan Sprunk.

6. Was genau machte die Wirtschaftsdelegation, die den König begleitete?

Die Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK) und der Branchenverband „Netherlands Maritime Techologies“ nutzten den Königsbesuch, um Unternehmen aus dem maritimen Sektor aus beiden Ländern zusammenzubringen und neue Kooperationen zu schließen. In einer Werfthalle trafen sich 30 niederländische und 60 deutsche Unternehmen, um über Kooperationen zu reden. Mit dabei unter anderem Baltic Taucher aus Rostock, Jakota Cruise System (Software-Hersteller für Reedereien und Häfen) ebenfalls aus der Hansestadt, die Propeller-Hersteller der Mecklenburger Metallguss aus Waren/Müritz und SMA Fertigungsgesellschaft Torgelow. Die Wirtschaftsdelegation aus den Niederlanden hatte zuvor auch die IHK und die Neptun-Werft in Warnemünde besucht.

7. Was haben Rostock und MV von einer Zusammenarbeit mit den Niederlanden?

„Wir brauchen die Zusammenarbeit auf der europäischen Ebene. Unsere Werften brauchen gute Zulieferer – auch aus den Niederlanden“, so Wirtschaftsminister Harry Glawe . Beide Länder –die Niederlande und MV – befänden sich im Wettbewerb mit China. „Wir haben einen Technologie-Vorsprung. Den müssen wir gemeinsam halten.“ Bas Ort vom Branchenverband „Netherlands Maritime Technology“ sagt: „Die maritime Wirtschaft in unseren beiden Ländern hat die selben Herausforderungen und Chancen. Wenn wir uns zusammentun, können wir sie meistern.“ Übrigens: Im Jahr 2018 waren „Wasserfahrzeuge“ das wichtigste Exportgut aus MV in die Niederlande: Der Nordosten Deutschlands exportierte Schiffe und Segelboote im Wert von 111 Millionen Euro in das Nachbarland. Auf Platz zwei der wichtigsten Exportgüter von MV ins Nachbarland liegen Fleischprodukte (40 Millionen Euro) und Käse (31 Millionen Euro). „Vor allem im maritimen Sektor sehen wir noch Potenzial für weiteres Wachstum für unsere Unternehmen“, so Peter Volkmann von der Rostocker IHK.

8. Hat das Königspaar auch private Beziehungen in die Region Rostock?

Ja, der Vater des niederländischen Königs ist in Bad Doberan zur Schule gegangen. Klaus von Amsberg, der spätere Prinz der Niederlande, stammt aus Hitzacker an der Elbe und besucht von 1933 bis 1936 das Gymnasium Friderico-Francisceum.

9. Gab es auch „Fehltritt“ beim Königsbesuch?

Nur einen kleinen Fauxpas gab es am Rande des königlichen Besuchs: Beim Wirtschaftsdinner im Warnemünder Kurhaus am Montagabend war in der Präsentation der niederländischen Gastgeber in großen orangen Letter „Bremer Handelskammer“ zu lesen. Den Fehler bemerkt das Protokoll aber schnell und korrigierte die Anzeige. Bremen hatte das Königspaar zuletzt besucht.

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Andreas Meyer

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