Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Deutschland-Index: So digital ist MV – und hier gibt es Nachholbedarf
Nachrichten MV aktuell Deutschland-Index: So digital ist MV – und hier gibt es Nachholbedarf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 20.03.2019
Digitaler Nachwuchs: Schüler arbeiten in einem Klassenraum einer Grundschule an Computern. Quelle: Frisco Gentsch/dpa
Anzeige
Rostock

Die gute Nachricht: Mecklenburg-Vorpommern holt auf in Sachen Digitalisierung: Kein anderes Bundesland hat in den vergangenen zwei Jahren stärker zugelegt beim Ausbau von Breitbandversorgung und Mobilfunk. Außerdem verzeichnet der Nordosten zusammen mit Sachsen-Anhalt einen positiven Trend bei der Gründung von Digitalfirmen. Bundesweit geht die Zahl neuer Start-Ups aus der IT-Branche dagegen zurück.

Das sind zwei Ergebnisse aus einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts für offene Kommunikationssysteme. Geht es zum die Startchancen für die digitale Zukunft macht MV zwar Fortschritte, bleibt insgesamt aber ein Kellerkind – wie die meisten Flächenländer. Das ist die schlechte Nachricht. Im Ländervergleich landet der Nordosten auf dem drittletzten Platz, hinter Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sachsen hat es dagegen in die Spitzengruppe geschafft, hinter Berlin und Hamburg.

Facebook-Nutzung sinkt in MV

Die Berliner Wissenschaftler haben für ihren „Deutschland-Index der Digitalisierung 2019“ riesige Datenberge angehäuft und miteinander verglichen. Zum Beispiel: Wie oft wird im Internet gesurft, wie ist die Infrastruktur dafür beschaffen, wie viel Forschungsgeld fließt in Digitalprojekte, welche viele Dienste bieten Ämter bereits digital an, und viele mehr. Nicht nur die Bundesländer unterscheiden sich, noch stärker ausgeprägt ist das digitale Gefälle zwischen Land und Stadt.

Mobil mit dem Smartphone wird das Internet in MV bundesweit am wenigsten genutzt. Was allerdings auch mit dem schwachen Netzausbau zusammenhängen dürfte, bei dem der Nordosten am zweitschlechtesten abschneidet. „Unterwegs auf dem Land gibt es oft keine Verbindung“, sagt Andreas Müller, Geschäftsführer der IT-Initiative MV. Das sei ein Standortvorteil beim Kampf um begehrte Fachkräfte, die ja auch nach Feierabend ins Netz wollen. Bundesweit abgeflaut ist der Facebook-Boom: Die Nutzung sozialer Medien ging in den vergangenen zwei Jahren sogar zurück, in MV um neun Prozent.

Erfolgreiche Start-Ups wandern ab

Die Zahl der jährlichen IT-Neugründungen stieg in MV von 2015 zu 2016 um elf Prozent auf 194. „Seit drei, vier Jahren passiert etwas“, sagt Müller. Der Mut, eine Firma zu gründen, habe grundsätzlich zugenommen. Es gebe einen Mentalitätswandel, „inzwischen gilt es als legitim, dass man auch scheitern kann“. Wenn sich Start-Ups gefestigt und eine gewisse Größe erreicht haben, wandern sie nicht selten ab in Richtung Hamburg oder Berlin. Die viel größeren Gründerszenen dort böten mehr Möglichkeit zum Austausch, zudem ließen sich dort leichter Fachkräfte finden, so Müller. Beim Gehalt für gute IT-Kräfte hat MV dagegen Boden gutgemacht: Knapp 4600 Euro brutto bezahlt die Informations- und Kommunikationsbranche im Nordosten durchschnittlich für eine Vollzeitzeitstelle. Das ist zwar weit weg von Hessen (6000 Euro) und Baden-Württemberg (5800), aber auch deutlich mehr als in Thüringen (3700) oder Sachsen (4200).

Rückgang beim digitalen Bürgerservice

Rückläufig entwickeln sich dagegen die digitalen Bürgerdienste. Die Zahl der Einwohner, die per Internet mit einer Behörde kommunizierten, ging ebenso zurück wie die online eingereichten Formulare. Das ist keine Überraschung, findet Klaus-Michael Glaser, zuständiger Referent beim Städte- und Gemeindetag MV. „Es gibt noch viel zu wenige Anwendungen für digitale Bürgerdienste“, sagt er. Einen ersten Schritt, das zu ändern, macht Christian Pegel (SPD), Landesminister für Digitalisierung, mit der neuen „MV-Plattform“, die demnächst mit ausgewählten Diensten an den Start gehen soll. Die Zeit drängt: Bis 2022 müssen Verwaltungen ihre Dienste auch digital anbieten. So verlangt es das 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz. Das könnte eng werden, warnt Glaser, denn zurzeit herrsche in vielen Bereichen Stillstand. MV hat sich im Planungsausschuss der Länder bereit erklärt, bundesweite Online-Lösungen für den wichtigen Baubereich zu entwickeln – vom Bauantrag bis zum Wohngeld. Laut Städte- und Gemeindetag gibt es hier kaum Fortschritt.

So digital ist Deutschland

So digital sind die Bundesländer aufgestellt:

1.

Berlin

102,5

2.

Hamburg

88,5

3.

Bremen

79,8

4.

Sachsen

75,4

5.

Nordrhein-Westfalen

69

6.

Hessen

68,1

7.

Baden-Württemberg

67,4

8.

Bayern

67,1

9.

Saarland

65,3

10.

Schleswig-Holstein

63

11.

Rheinland-Pfalz

61,9

12.

Brandenburg

60,2

13.

Niedersachsen

59,9

14.

Mecklenburg-Vorpommern

50,8

15.

Sachsen-Anhalt

50,6

16.

Thüringen

50,2

Die Zahlen zeigen den Indexwert beim Deutschland-Index 2019 für den Stand der Digitalisierung an. Eine hohe Zahl steht unter anderem für: Viele IT-Firmen, gute Internet-Infrastruktur, digitale Dienstleistungen von Behörden, viele Förder- und Forschungsmittel für digitale Projekte. Die Studie stammt vom Berliner Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme. Die Ergebnisse können im Internet in einer Datenbank aufgerufen werden: www.oeffentliche-it.de/digitalindex

Pegels Ministerium arbeitet zurzeit an einer aktualisierten Digitalisierungsstrategie, teilt Sprecherin Renate Gundlach mit. Die Strategie soll unter anderem dabei helfen, die Kommunen besser miteinander zu vernetzen und bei der Verlagerung ihrer Dienste ins Netz zu unterstützen. „Das macht aber nur in Zusammenarbeit mit allen Akteuren Sinn und benötigt deshalb Zeit“, sagt Gundlach.

Gerald Kleine Wördemann