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MV aktuell Menschen in MV leiden besonders häufig an Diabetes
Nachrichten MV aktuell Menschen in MV leiden besonders häufig an Diabetes
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20:48 21.11.2018
Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen am Klinikum Karlsburg, untersucht die Füße von Ruth Westphal (85) aus Meesiger (Mecklenburgische Seenplatte). Die Seniorin hat starke Schmerzen in den Füßen, sie leidet bereits 20 Jahre an Diabetes Typ 2. Quelle: Christian Rödel
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Karlsburg

Die Volkskrankheit Diabetes nimmt bundesweit dramatische Ausmaße an: Mehr als acht Millionen Bundesbürger leiden an der auch als Zuckerkrankheit bekannten Stoffwechselstörung. Besonders stark betroffen ist die Bevölkerung in MV. Etwa elf Prozent – gut 130 000 Menschen – waren hierzulande 2017 vor an Diabetes erkrankt. Tendenz steigend.

„Bundesweit geht man im Schnitt von neun bis zehn Prozent aus. Die im Nordosten stark ausgeprägten Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, starker Alkoholgenuss und Bewegungsmangel verschärfen diese Entwicklung“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg. Am Mittwoch ist das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg (KDK) gestartet, das neue Therapien und Diagnostikansätze gegen Diabetes entwickelt.

Mehr zum Thema: OZ-Kommentar – Raus aus der Zuckerfalle

Diese Kooperationsinitiative des Klinikums und des Greifswalder Leibniz-Institutes für Plasmaforschung und Technologie (INP) arbeitet an innovativen Methoden, die vor allem der verbesserten Wundheilung bei Diabetikern dienen. Damit knüpfe man an die „avantgardistische Diabetesforschung in den 50er und 60er Jahren in Karlsburg an“, erklärte Prof. Motz.

Diabetisches Fußsyndrom führt zu 40 000 Amputationen imm Jahr

Konkret tüfteln hier Mediziner, Forscher und Medizintechnikfirmen aus MV an einem Frühwarnsystem für Patienten, die ein Diabetisches Fußsyndrom entwickeln. Diese chronischen Geschwüre führen allein in Deutschland zu jährlich mehr als 40 000 Amputationen. „Eine Sensorsohle soll durch die Messung von Temperaturdifferenzen die Entstehung von Entzündungen signalisieren“, erläuterte Diplom-Ingenieur Christian Eschenburg, Projektleiter der Greifswalder Firma Orthopädie-Technik-Service aktiv.

Das KDK forscht zudem mit dem Schweriner Unternehmen Human Med am Einsatz von Fettstammzellen zur verbesserten Wundheilung. „Gute Erfahrungen liegen bei der Bekämpfung von Gelenkentzündungen vor“, sagte die Schweriner Projektleiterin Dr. Inge Matthiesen. Ebenfalls der Wundbehandlung und Vermeidung von Amputationen soll der Einsatz von Kalt-Plasma dienen. Daran arbeiten Spezialisten des INP mit den Ärzten. „Unsere Innovationen stellen auch eine gute Alternative im Bereich der Hygiene, insbesondere im Kampf gegen multiresistente Keime dar“, betonte INP-Chef Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann. Die Forschung unter einem Dach mit vielen Fachdisziplinen sei eine Herausforderung, aber auch eine Chance.

Gesundheitswirtschaft ist wichtiger Faktor in MV

„Investitionen zur Wertschöpfung zu bringen, ist ein Anliegen der Landesregierung“, erklärte Stefan Rudolph, Staatssekretär im Schweriner Wirtschaftsministerium. So wurde allein die Ausstattung der KDK-Labore mit 2,5 Millionen Euro durch Land und EU gefördert. „Jeder siebente produzierte Euro in MV ist an die Gesundheitswirtschaft gekoppelt, bundesweit ist etwa jeder achte. Zudem arbeitet hierzulande jeder fünfte Beschäftigte in dieser Branche“, so Rudolph. Die Gesundheitswirtschaft sei eine Lokomotive, die „unter Dampf steht“.

Volker Penne