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MV aktuell Das ist ja die Höhe: MVs Fernsehtürme im Wandel der Zeit
Nachrichten MV aktuell Das ist ja die Höhe: MVs Fernsehtürme im Wandel der Zeit
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22:00 16.10.2019
Der Schweriner Fernsehturm prägt seit über 50 Jahren das Bild der Landeshauptstadt.
Der Schweriner Fernsehturm prägt seit über 50 Jahren das Bild der Landeshauptstadt. Quelle: Cornelius Kettler
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Rostock

Eines der berühmtesten Wahrzeichen Deutschlands feierte jüngst sein 50-jähriges Jubiläum: der Berliner Fernsehturm. Er wurde Ende der 1960er-Jahre in der damaligen DDR gebaut und 1969 fertiggestellt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurden in jener Zeit einige Exemplare errichtet. Ihre große Bedeutung haben sie über all die Jahre nicht verloren.

Fernsehtürme verliehen den Städten einst Prestige

Als die Türme gebaut wurden, dienten sie vor allem dem Ausbau des Funknetzes für Radio und Fernsehen, erklärt Benedikt Albers von der Deutschen Funkturm GmbH. Das Unternehmen besitzt und verwaltet bundesweit rund 550 Fernsehtürme, die wegen ihrer Betonbauweise dem Berliner Turm ähneln. Vier davon stehen in Mecklenburg-Vorpommern. Neben ihrer infrastrukturellen Funktion besaßen die Sender eine touristische und politische Bedeutung. „Besonders in den großen Städten sollten die Fernsehtürme das Stadtbild prägen und ihnen Prestige verleihen“, sagt der Experte.

Schweriner Turm gehörte zu den höchsten der Welt

Vergleichbar mit dem Berliner Fernsehturm sei in MV derjenige in Schwerin. Er ging schon 1964 in Betrieb und ist damit noch älter. Mit einer Höhe von 136 Metern war er anfangs der achthöchste Fernsehturm der Welt. Wer die Aussichtsplattform in knapp 100 Metern Höhe erreichen will, muss 483 Stufen hinaufsteigen – oder den Fahrstuhl benutzen. Dort oben bietet sich noch heute ein weiter Blick über den Schweriner See und die umliegende Landschaft. Seinen Namen erhielt der „Fernseh-Turm“ weniger durch seine Sendefunktion als durch diese gute Aussicht. Der Turm und seine Umgebung prägten auch die Literatur: Günter Grass nutze den Ort als Schauplatz in seinen Geschichten.

Fernsehtürme in MV Quelle: Benjamin Barz

Stadt will Turm künftig wieder zugänglich machen

Die Begehung des Turms sowie ein Besuch im darin liegenden Café waren von Beginn an bei Einheimischen und Touristen beliebt. Der Millionste Gast wurde sechs Jahre nach der Eröffnung gezählt. Vor knapp zwei Jahren wurden die Besucherbereiche geschlossen – seither stehen sie leer. Nach eigenen Angaben bemühen sich die Stadt Schwerin und die Deutsche Funkturm GmbH, sie möglichst bald wieder zugänglich zu machen. 2021 werden die Räumlichkeiten anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Dreesch“ zu einem Mitmachmuseum als Sammelstelle für Zeitdokumente wie Erinnerungsstücke oder Fotos umfunktioniert.

Fernmeldeturm Rostock diente auch der Volkspolizei

Die Hansestadt Rostock weist heute gleich zwei große Sendetürme auf. Der 140 Meter hohe Fernmeldeturm im Stadtteil Stadtweide ist das ältere Exemplar und wurde 1969 von der Deutschen Post der DDR errichtet. Damals galt er als wichtigster Sendestandort Rostocks. Auch die Volkspolizei nutzte den Turm, um zum Beispiel über das Funknetz eine Sprechverbindung zwischen einem Streifenwagen in Rostock und einer Dienststelle in Dresden herstellen zu können.

Ehemalige Plattform bot Sicht bis nach Dänemark

In den 1970er-Jahren hatte auch die Öffentlichkeit Zutritt zum Fernmeldeturm. In circa 100 Metern Höhe befand sich einst eine Aussichtsplattform, von wo aus Besucher bei guten Wetterverhältnissen bis zur dänischen Küste sehen konnten. Im Juli 1973 wurde die Plattform eröffnet. Bereits bis Ende desselben Jahres besuchten 14 000 Gäste den Turm. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das Objekt saniert, von der Aussichtsplattform blieb nichts übrig.

Galerie: So war es früher um die Türme bestellt

Vom Fundament bis zur Spitze: Bilder aus einem halben Jahrhundert Geschichte der Fernsehtürme des Landes

Sender in Marlow ist nur ein Serienmodell

Ab 1970 versorgte ein weiterer Sendeturm von Marlow bei Ribnitz-Damgarten aus das Gebiet mit Rundfunk. Er war jedoch nie für die Öffentlichkeit zugänglich. Laut Funkexperte Albers weist er auch keinerlei bauliche Besonderheiten auf. Der Sender wurde nämlich als eines von vielen Serienmodellen gebaut. Nur größere Städte hätten ihre Exemplare im Sinne der Attraktion individuell gestaltet.

Sendemast in Rostock ist zweithöchstes Gebäude in MV

Im August 2014 wurde die Ausstrahlung der Radio- und Fernsehsender von diesem Standort sowie vom Fernmeldeturm Rostock-Stadtweide auf den damals neu erbauten Sender Rostock-Toitenwinkel verlegt. Sein Empfangsgebiet reicht von Güstrow im Süden bis zum Ostseebad Wustrow auf dem Fischland. Mit seinen 245 Metern ist der Sendemast das höchste Bauwerk Rostocks sowie das zweithöchste in MV. Ihn überragt nur der zum Schweriner Fernsehturm gehörige Sendemast mit 273 Metern. Die zwei alten Sender dienen heute hauptsächlich dem Mobilfunk.

Fernsehturm bei Schlemmin war einst Ausflugsziel

In der Gemeinde Bernitt im Landkreis Rostock steht der 94 Meter hohe Fernsehturm Schlemmin. Auch er stammt aus den 1960er Jahren, ging 1967 in Betrieb. Anfangs maß er nur 60 Meter. 1992 erhielt er jedoch eine neue Spitze, die ihn um mehr als 30 Meter wachsen ließ. Sehr beliebt bei Besuchern waren die ehemalige Aussichtsplattform sowie eine Gaststätte am Fuß des Gebäudes. Beide Bereiche wurden bei dem Umbau 1992 geschlossen. Seither dient das Bauwerk ausschließlich als Sendeturm.

„Viel mehr als nur Fernsehtürme“

Heutzutage, da der Medienkonsum vieler Menschen über Internetangebote wie Amazon Prime oder Netflix befriedigt wird, mögen sich einige fragen: Braucht man Fernsehtürme überhaupt noch? Benedikt Albers’ Antwort darauf lautet: „auf jeden Fall“. Was viele nicht wüssten: Die Sender dienen heute hauptsächlich der Ausstrahlung von Radio, aber auch der Mobilfunkversorgung. „Die Bezeichnung ‚Fernsehturm‘ wird ihnen eigentlich gar nicht gerecht. Sie sind viel mehr als das.“

5G-Ausbau: Fernsehtürmen bieten Vorteil

So eigneten sich die Türme mit ihrer Bauweise zum Beispiel besonders gut, um darin künftig Rechenzentren für den neuen Mobilfunkstandard 5G einzurichten. „Und das, obwohl in den Sechzigern noch niemand von Mobilfunk gesprochen hat“, sagt Albers. Für Funkdienste jeder Art sei vor allem eine gewisse Höhe nötig, die die Sender auf jeden Fall bieten. Deshalb ist der Experte sicher: „Die Technik kommt und geht, aber die Türme verlieren trotzdem nie ihre Bedeutung.“

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Von Rabea Osol