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MV aktuell Grippewelle legt MV lahm: Fragen und Antworten
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12:12 22.02.2018
Ein Schnupfen hat auch was Gutes: Er ist ein Zeichen für einen Infekt, nicht für eine Grippe. Quelle: Foto: N. Armer/dpa
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Rostock

Die Grippewelle hat in Mecklenburg-Vorpommern ein erstes Todesopfer gefordert: Ein 83-jähriger Mann mit chronischen Vorerkrankungen starb im Zusammenhang mit einer Influenza-Infektion, teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Mittwoch mit. Aus Datenschutzgründen nennt die Behörde weder Wohnort noch Landkreis des Verstorbenen. Dass stark geschwächte Menschen an einer Grippe sterben, ist nichts Ungewöhnliches: Im Winter 2016/2017 gab es in MV zehn Grippe-Tote.

Mehr Neuansteckungen

669 neue Grippefälle in MV meldet das Lagus für die siebte Kalenderwoche, die am Montag endete. In der Woche davor waren es 486 Neuansteckungen. Die meisten Neu-Infektionen gibt es in der Region Rostock und dem Landkreis Vorpommern-Rügen, die wenigsten im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Wartezimmer der Ärzte sind voll: Der sogenannte Praxisindex des Robert-Koch-Instituts stieg in MV auf über 200. Das heißt: Die Zahl der Patienten mit Schnupfen, Grippe und Co. ist zurzeit mehr als doppelt so hoch wie sonst. Die mit Abstand größte Patientengruppe sind Kleinkinder bis vier Jahre.

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Echte Grippe oder Infekt?

Meist macht der Schnupfen den Unterschied: „Bei einer Grippe bleibt die Nase in der Regel frei“, sagt Prof. Andreas Podbielski, Virologe von der Uni-Klinik Rostock – anders als beim grippalen Infekt. Dafür plagen den „echten“ Grippekranken hohes Fieber, Kopfschmerz und starker Husten. Den Unterschied merkt man sofort, meint Prof. Stephan Felix von der Uni-Klinik Greifswald: „Eine Grippe haut einen um.“

Hilft Impfen?

Die EU-Kommissarin für Gesundheit, Vytenis Andriukaitis, ruft alle Bürger auf, sich impfen zu lassen. Mythen und Fehleinschätzungen über angebliche nutzlose Impfungen sollte man nicht glauben. In dieser Saison steht die Grippeimpfung besonders in der Kritik. 2017 kamen Zweifel am üblichen Dreifach-Impfstoff auf, dem ein wichiger Influenza-B-Typ fehlt. Den besseren Vierfach-Impfstoff übernehmen die gesetzlichen Kassen nicht. Ausgerechnet bei diesem Typ Influenza-B-Grippe gibt es nun einen massiven Anstieg, der Erreger ist für 76 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich. Das Robert-Koch-Institut rät dennoch jetzt noch zur Impfung: „Der Impfschutz ist nicht schlechter als in früheren Jahren“, sagt eine Sprecherin. Offenbar erhöhe das „falsche“ Serum trotzdem den Schutz. Schwangere, chronisch Kranke und Menschen über 60 sollten sich impfen lassen.

Wie man gesund bleibt

Mehrmals täglich Hände waschen und möglichst desinfizieren ist da A und O, meint Hygiene-Experte Podbielski von der Uni Rostock. Denn die Erreger lauern auf Türklinken, Tastaturen, Griffen und Telefonen und wandern über die Hände in die Schleimhäute und dann weiter in den Organismus. Da hilft nur Waschen und Desinfizieren. Doch das machen viele falsch, meint Podbielski. Bei der typischen Waschbewegung werden Fingerkuppen und Daumenoberseite oft gar nicht gereinigt. Außerdem wichtig: „Achten Sie auf die Hustenetikette“, meint der Professor. Nie in die Hand husten, sondern in ein Taschentuch oder in den Ellenbogen. Einen Meter Abstand halten, denn so weit fliegen die Tröpfchen.

Und wie wird man wieder gesund?

„Wer die Grippe hat, gehört ins Bett“, sagt Prof. Felix von der Greifswalder Uni-Klinik. Immer wieder gebe es Patienten, die sich nicht daran halten – der Landwirt, der seine Tiere versorgen muss oder Selbstständige, denen Termine im Nacken sitzen. Wer sich mit Paracetamol oder hoch dosiertem Aspirin aufputscht und trotz Grippe körperlich arbeitet, spielt mit seiner Gesundheit und schlimmstenfalls mit seinem Leben. Es können gefährliche Entzündungen entstehen. Dabei ist die Grippe an sich schon nicht ohne Risiko, so Felix. Er erinnert sich an Jahre, in denen junge, gesunde Menschen starben. Diesmal sind die auftretenden Viren zum Glück nicht ganz so bösartig. Und wenn alles gut geht, ist nach drei Wochen alles vorbei.

Alle Mitarbeiter krank: Mülltonnen bleiben stehen

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim bleiben wegen der Erkältungswelle die Mülltonnen stehen. Aufgrund eines „sehr hohen Krankenstandes“ können die mit der Entsorgung beauftragten Firmen nicht mehr arbeiten wie gewohnt, sagt ein Kreissprecher. Die tagesaktuelle Leerung der Tonnen für Hausmüll, Bioabfall und Verpackung sei derzeit deswegen nicht mehr möglich. Die Anwohner sollen nun Säcke und Tonnen einfach an der Straße stehen lassen.

Gerald Kleine Wördemann

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