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MV aktuell „Schulhofgeflüster“ bis „Gingster Welle“: Das sind die besten Schülerzeitungen in MV
Nachrichten MV aktuell „Schulhofgeflüster“ bis „Gingster Welle“: Das sind die besten Schülerzeitungen in MV
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Redaktionsmitglieder der Schülerzeitung "Gingster Welle" von der Regionalen Schule mit Grundschule in Gingst auf Rügen: Maris Hoppe (12), Lisa Krasmann (16), Christoph Ahrens (10) und Julienne Köster (15, v.l.) Quelle: Klaus Amberger
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Neubrandenburg/Gingst

Sie heißen „Kleinkariert“ (Gymnasium Altenteptow), „Blind Date“ (Förderzentrum Sehen Neukloster) oder „Wasserschaden“ (Wasserturm-Schule Grevesmühlen). Manche gibt es erst seit ein paar Monaten, manche seit mehr als zwei Jahrzehnten. Einige sind dick, andere nur ein paar Blättchen. Sie erscheinen ein Mal im Jahr, alle paar Monate und manchmal nur als digitale Ausgabe: Schülerzeitungen.

In Neubrandenburg wurden am Dienstag die besten Blätter prämiert – beim Finale des 14. landesweiten Schülerzeitungswettbewerbs. Insgesamt gab es 27 Bewerber - und 7100 Euro Preisgeld. „Wir hatten uns auch wieder beworben“, sagt Lisa Grasmann (16), seit drei Jahren Mitautorin bei der „Gingster Welle“. Bereits im vergangenen Jahr gewann die Schülerzeitung der Regionalen Schule mit Grundschule in Gingst auf Rügen den ersten Preis – und beim bundesweiten Ausscheid landeten sie auf dem dritten Rang. Und am Dienstag? Erneut der erste Preis bei den Regionalschulen! Großer Jubel. Schulterklopfen. 450 Euro Preisgeld. Und vier Tickets für die Goalball-WM im Herbst in Rostock.

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Auch plattdeutsche Texte in der „Gingster Welle“

Die aktuelle „Gingster Welle“ zählt 52 Seiten: Kommentare, Debatten, Interviews, Berichte, Rätsel, viele Fotos. Und sogar plattdeutsche Texte. Lisa sagt, es sei nicht einfach, immer Themen zu finden, die für junge Leute interessant seien. Schließlich soll die Lektüre nicht langweilen. „Zurzeit beschäftigt mich vor allem die EU-Urheberrechtsreform.“ Ihr Kollege Christoph Ahrens ist zehn Jahre alt: „Wir treffen uns jeden zweiten Montag zur Redaktionssitzung“, berichtet der Schuljournalist. Der Klimawandel interessiert ihn derzeit besonders. Im kommenden Heft möchte er ein selbst geschriebenes Gedicht veröffentlichen. Ein Thema: „Schnee.“

Groß war der Jubel auch bei der Redaktion von „MAG.net“ von der Grundschule Marlower Loris: 1. Preis bei den Grundschulen! Insbesondere die schulischen Themen kämen gut an, berichtet Autorin Lora Hanke, die zusammen mit drei Kolleginnen die zehnköpfige Redaktion in Neubrandenburg vertrat: „Zum Beispiel Geschichten über Mobbing.“

130 Schülerzeitungen in MV

In Mecklenburg-Vorpommern erscheinen derzeit rund 130 Schülerzeitungen. An gut einem Viertel aller Schulen arbeiten Schüler-Redaktionen – an Grund-, Regional-, Förder- und Berufschulen sowie an Gymnasien. Die Zeitungen seien wichtig, besäßen einen hohen pädagogischen Stellenwert: „Schließlich werden Kompetenzen wie Kritikfähigkeit, Zeitmanagement oder Hartnäckigkeit gefördert“, sagt Nadine Berlenbach von der Landesinformationsstelle Schülerzeitung (LiSZ) in Schwerin. Man lerne nicht nur Rechtschreibung und Grammatik, sondern beschäftige sich auch mit Layout, Recherche oder wirtschaftlichen Themen wie Verkauf oder Druckkosten. Gleichzeitig erlebe der Nachwuchs den Wandel von der Papierzeitung zur digitalen Ausgabe. „Zurzeit sind schätzungsweise zehn Prozent der Schülerzeitungen digital“, sagt Nadine Berlenbach.

Kritisches Nachhaken fällt oft schwer

Lehrer André Farin betreut einen Teil der 16 Redakteure der Klassenstufen 2 bis 10 der Gingster Schulzeitung. „Ich beobachte bei den Schülerzeitungs-Reportern, dass der Respekt vor der journalistischen Arbeit wächst“, sagt der 48-Jährige. Ihm sei wichtig, dass es viele Meinungsäußerungen in der Schülerzeitung gebe. Schwer falle den Jugendlichen zunächst das kritische Nachhaken bei Themen, die bearbeitet werden. „Wer aber länger dabeibleibt, erreicht einen hohen Grad der Selbstständigkeit“, sagt der Rüganer. Diese Eigenschaft komme jedem ein Leben lang zu Gute.

Auch Lehrer sind wichtig

Nadine Berlenbach weiß, wie notwendig der Einsatz der Lehrer für das Projekt Schülerzeitung ist. „Wenn ein Lehrer oder Sozialarbeiter als Betreuer der Zeitung ausfällt, weggeht oder aufhört, dann wird oft auch die Schülerzeitung eingestellt.“ Zudem: Die Pädagogen betreuen die Zeitung in der Regel nebenbei, neben allen anderen Verpflichtungen. Ideal wäre es natürlich, wenn so eine Zeitung von der Schülerschaft selbst getragen werden könne, wie etwa der „Stichling“ von Gymnasium Bad Doberan. Der übrigens den ersten Preis bei den Gymnasien belegte.

Die 15-jährige Julienne Köster aus Gingst macht der „Schülerzeitungs-Job“ vor allem Spaß: „Ich darf viel machen, alles was mich bewegt, auch Büchervorstellungen“, sagt die Schülerin der 10. Klasse. Was bewegt sie derzeit? „Plastikmüll.“

Das sind die Preisträger

Sonderpreise:
Newcomer: Schulhofgeflüster“ (Grundschule Binz); Mutmacher:Wasserschaden“ (Reg. Schule Am Wasserturm Grevesmühlen); digital: „Der Schülerspiegel“ (Reg. Schule Windland Altenkirchen); Handwerkshelden: „Filofax“: „Wir bauen einen Bewegungsparcours“ (Schule am Stettiner Haff); „AWOlino“: „Das Leben als Konditorin“ (Freie Schule Wismar); „Wasserschaden“: „Helden des Alltags“ (Reg. Schule Am Wasserturm Grevesmühlen); Nachhaltigkeit: „Campus Times“ (Recknitz Campus Laage); „Wasserschaden“ (Reg. Schule Am Wasserturm Grevemühlen); „Der Schülerspiegel“ (Reg. Schule Windland Altenkirchen)

Motivationspreise: „Fritzi“: „Stadtradeln in Parchim“ (F.-Reuter-Schule Parchim); „Fritzes Schulbote“: „Stadtradeln“ (Grundschule F.-Reuter Ludwigslust); „Bärentatze“: „Hier und anderswo“ (Grundschule Lüssow); Blog „Schlossgeist“: Gesundheit und Umwelt (Schlossgymnasium Gützkow);

Sonderpreise Toleranz: „Scorpion“ (Werkstattschule HRO); „Wasserschaden“ (Reg. Schule Am Wasserturm Grevesmühlen); „Stichling“ (Gymn. Bad Doberan)

Grundschulen:
1. Preis: „MAG.net“ Grundschule Marlower Loris; 2.: „KidsBlitz“ (Grundschule West-Parchim), 3.:Schulhofgeflüster“ (Grundschule Binz); Förderpreis: „AWOlino“ (Freie Schule Wismar);

Förderschulen: 1. Preis: „Filofax“ (Schule am Stettiner Haff);

Regionalschulen:
1. Preis: „Gingster Welle“ (Reg. Schule Gingst); 2. Preise: „Knuutsch“: (W.-von-Siemens-Schule Schwerin) & „Wasserschaden“ (Reg. Schule Am Wasserturm Grevesmühlen); Förderpreis:„Der Schülerspiegel“ (Reg. Schule Windland Altenkirchen),

Gymnasien:
1. Preis: „Stichling“ ( Gymn. Bad Doberan); 2.: „Scorpion“ (Werkstattschule Rostock); 3.: „fsz-der durchblick“ (Freie Schule Zinnowitz)

Berufsbildende Schulen: „B-log-SWV“ (berufl. Schule für Wirtschaft und Verwaltung Schwerin)

Klaus Amberger und Thomas Luczak