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MV aktuell Diese Konsequenzen sollen aus dem Feuer von Lübtheen gezogen werden
Nachrichten MV aktuell Diese Konsequenzen sollen aus dem Feuer von Lübtheen gezogen werden
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22:00 30.07.2019
Alt Jabel: Ein Hubschrauber der Bundeswehr vom Typ NH90 mit einem Löschwasser-Behälter wirft im Wald in der Nähe von Alt Jabel über einer Brandstelle das Löschwasser ab (Luftaufnahme aus einem Hubschrauber). Quelle: Jens Büttner/zb/dpa
Lübtheen/Schwerin

Die verheerende Brandkatastrophe Anfang Juli auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen hat erste spürbare Konsequenzen im Brandschutz zur Folge. Wie Kreiswehrführer Uwe Pulss sagte, sorgt die Bundesforstverwaltung derzeit dafür, dass in dem rund 6000 Hektar großen Gebiet im Kreis Ludwigslust-Parchim ein Netz von Brandschneisen gelegt wird.

Die vegetationsfreien Zonen sollen ein Ausbreiten des Feuers erschweren und Löschkräften schneller Zugang zu Brandherden ermöglichen. „Da entwickelt sich was“, konstatierte Pulss. Unter anderem aus Naturschutzgründen war die Pflege der Brandschneisen nach dem Abzug der Bundeswehr 2013 weitgehend unterblieben.

Es gab keine Verletzten

Das hatte sich bei dem Großbrand, der am 30. Juni im Südwesten des Übungsplatzes ausgebrochen war und die Region eine Woche lang in Atem hielt, gerächt. Knapp 1000 Hektar Wald wurden durch das Feuer, das als größter Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte des Landes gilt, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Behörden vermuten Brandstiftung, haben die Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen.

Die hohe Belastung des Waldbodens mit Munition hatte die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren bei der Brandbekämpfung massiv eingeschränkt. So mussten Räumpanzer und Löschhubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei angefordert werden. Mehrere Orte wurden vorsorglich evakuiert. Doch konnten die Flammen von den Dörfern ferngehalten werden. Verletzte gab es nicht.

3000 Kräfte im Einstaz

Nach Einschätzung von Pulss lief die Koordination der unterschiedlichen Einsatzkräfte gut. „Wichtig war, dass der Landrat gleich den Katastrophenfall ausgerufen und beherzt die Führung übernommen hat“, betonte der Wehrführer.

Die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren, Bundeswehr, Polizei, THW und vielen Hilfskräften habe deshalb auch deutlich besser funktioniert als bei den großen Bränden, die 2018 im Landkreis wüteten. Laut Pulss waren bei der etwa einwöchigen Brandbekämpfung Anfang Juli zeitweilig 3000 Kräfte im Einsatz, zur Hälfte Feuerwehrleute aus vielen Teilen des Landes.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Munitionsfreie Schutzzonen um Dörfer errichten

Die Landesregierung drängt den Bund nun, die Beräumung der Fläche von Munitionsresten, die vor allem aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen, intensiver als bisher voranzutreiben. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte bei einem Besuch in Lübtheen auch Hilfe zugesagt. Erste Priorität hätten dabei belastete Zonen in unmittelbarer Nähe zu Ortschaften, sagte er. Ziel ist nun, um die Dörfer am Rand des Truppenübungsplatzes munitionsfreie Schutzzonen von jeweils 1000 Metern zu errichten.

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Die aktuell laufenden Arbeiten zur Schaffung der Brandschneisen haben sich nach den Worten von Pulss bereits als Glücksfall erwiesen. Denn Forstmitarbeiter hätten in der Vorwoche zwei neue Brände auf dem Truppenübungsplatz rasch entdeckt. „So konnten unsere Feuerwehren schnell reagieren und die Flammen löschen, noch bevor sie sich groß ausbreiten konnten“, sagte Pulss. Auch bei den jüngsten Waldbränden unweit von Kavelmoor schließen die Ermittler Brandstiftung nicht aus.

Auch andere Bundesländer haben Bedarf

Die Brandkatastrophe auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz habe allen vor Augen geführt, vor welchen Herausforderungen die Feuerwehren stehen, erklärte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Wenige Wochen nach dem Brand stellte er den Wehren in der Region Lübtheen zwei neue Löschfahrzeuge zur Verfügung. „Doch das kann nur der Anfang gewesen sein. Dringend erforderlich sind die versprochenen Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge“, sagte Pulss.

Das Land hatte noch während der Löscharbeiten Anfang Juli acht dieser besonders geschützten Spezialfahrzeuge bestellt. Doch werde die Lieferung dauern, weil auch andere Bundesländer Bedarf hätten, hieß es.

Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Bränden, die sich seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und passen Sie auf sich auf.

RND/dpa

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