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MV aktuell Bahn-Vorstand Pofalla: Züge werden pünktlicher und preiswerter
Nachrichten MV aktuell Bahn-Vorstand Pofalla: Züge werden pünktlicher und preiswerter
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06:00 09.11.2018
Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur der Deutschen Bahn. Quelle: DB AG / Max Lautenschlaeger
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Rostock

Seit dem 1. November baut die Deutsche Bahn in Warnemünde das bundesweit erste größere digitale Stellwerk. Die Technik soll das Fahren mit der Bahn in der Zukunft revolutionieren. Die OZ sprach mit Ronald Pofalla, Bahn-Vorstand Infrastruktur, über Lücken im Schienennetz, Pünktlichkeit und wie er Menschen im Flächenland MV weg vom Auto und hin zum Bahnfahren bringen will.

Im heißen Sommer 2018 blieben auch im Norden viele Züge stehen oder verspäteten sich. Wie kann die Bahn es schaffen, endlich pünktlicher zu werden?

Wir arbeiten an vielen verschiedenen Stellen mit Hochdruck daran, pünktlicher zu werden und einen besseren Service für unsere Kunden in den Zügen und Bahnhöfen zu bieten. Dafür nehmen wir auch in den kommenden Monaten viel Geld zusätzlich in die Hand. Gleichzeitig ist die Modernisierung der Infrastruktur aber auch ein langfristiges Programm – da brauchen wir leider noch etwas Geduld.

Was muss sich in der Infrastruktur verändern?

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern, in denen wir keine Überlastung auf dem Schienennetz haben. Das ist in Bundesländern mit großen Bahn-Knoten wie im Ruhrgebiet oder München anders. Dort steigen immer mehr Fahrgäste auf die Bahn um. Gleichzeitig müssen wir an vielen Stellen bauen und zum Beispiel in unsere Hochgeschwindigkeitsstrecken – nach 30 Jahren Dauerbetrieb unter Hochlast – viel investieren. Mecklenburg-Vorpommern gehört dafür zu den ersten Bundesländern, in denen wir jetzt digitale Technologien im Bahnbetrieb einführen und auf die Digitale Schiene Deutschland „einbiegen“.

Erklären Sie bitte kurz, wie die Digitale Schiene funktionieren soll? Wo liegen die Vorteile?

Heute haben wir 67 000 Signale an der Strecke. Diese Signale gehören mit der Digitalisierung der Vergangenheit an. Wir werden Züge digital per Funk steuern und flexibler auf Abstand fahren. Auch die 400 000 Kilometer Signalkabel werden überflüssig. Hier kommt ein modernes Glasfasernetz zum Einsatz. Wir können Züge künftig in einer viel engeren Taktung fahren lassen. Wir gehen von bis zu 20 Prozent mehr Kapazität über das gesamte Netz aus. Vergleichbar mit einem Computer setzen wir bei der Bahn auch ein neues Betriebssystem ein: ETCS – European Train Control System.

Es ist ein langfristiges Projekt, wann kann es Ihrer Meinung nach abgeschlossen sein: In drei, fünf oder zehn Jahren?

Wir sind uns als Bahnsektor einig, dass Deutschland bei diesen neuen Technologien und Standards eine führende Rolle spielen kann – in Europa und auch weltweit. Also gehen wir es beherzt an. Es gibt ein Gutachten des Bundes, das die Digitalisierung des Bahnbetriebes klar empfiehlt. Die Digitalisierung der Schiene ist im Koalitionsvertrag verankert, und wir sind auch schon mittendrin im digitalen Ausbauprogramm. Perspektivisch planen wir die Digitalisierung aller ca. 33 000 Kilometer Schienennetz in Deutschland.

Was bringt das System ETCS und wie verändert es den Fern- und Güterverkehr?

Die Digitalisierung stärkt alle Vorteile der Eisenbahn. Kein Transportsystem kann so viele Menschen und große Gütermengen bewegen, braucht dafür gleichzeitig wenig Platz und ist dabei klimafreundlich. Die neuen Technologien machen die Schiene pünktlicher, zuverlässiger, kostengünstiger und international standardisiert. Züge werden so auch leichter über Landesgrenzen fahren können.

Wie viele Kilometer wurden bereits digitalisiert, wo ist es in MV geplant?

Wir fahren seit Dezember 2017 auf der Strecke BerlinMünchen auf einem Abschnitt mit ETCS. Bis 2023 wollen wir bundesweit bereits 2500 Kilometer Netz mit ETCS ausstatten. Mit der Bundesregierung sprechen wir derzeit über weitere Projekte. Für Mecklenburg-Vorpommern ist geplant, bis 2022 die rund 180 Kilometer von Rostock nach Berlin auszurüsten. Ganz vorne ist das Land auch bei der digitalen Stellwerkstechnologie, dem zweiten Baustein für die Bahn der Zukunft: In Rostock-Warnemünde errichten wir gerade das zweite Digitale Stellwerk (DSTW) der Republik.

Was bedeutet und verändert das?

Über das neue DSTW wird ab Mai 2020 auf der gesamten, 13 Kilometer langen Strecke zwischen Bramow und Warnemünde jeder Zug digital gesteuert, also die S-Bahnen und auch die knapp 100 für die Kreuzfahrer. Warnemünde ist das erste größere digitale Stellwerk bei der Bahn.

MV ist ein Land der Pendler. Die meisten fahren mit dem Auto zur Arbeit – auch weil es zu wenige Zugverbindungen gibt. Wird es durch die digitale Schiene mehr Zugverbindungen in MV geben?

Davon gehe ich aus. Die Chancen des Güterverkehrs werden zunehmen, und auch der Personenverkehr. Wir wollen zum Beispiel im Nahverkehr mehr Züge anbieten können, den Umstieg vom Auto auf die Bahn leichter machen. Die neue Digitaltechnik macht das Netz günstiger. Damit werden auch die Fahrten für die Kunden günstiger. Und der Zug wird für ländliche Regionen attraktiver.

Wird es bald autonom fahrende Züge geben oder ist das noch in ferner Zukunft?

ETCS und Digitale Stellwerke sind die Basis auch für das automatisierte Fahren. Das wird jedoch noch viele Jahre dauern. Mit der jetzt verbauten Technik können wir noch kein autonomes Fahren von Zügen organisieren. Bei allen unseren Automatisierungsprojekten werden wir weiterhin Personal an Bord haben.

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