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MV aktuell Drama um Lila Bäcker in MV: Jetzt schaltet sich die Politik ein
Nachrichten MV aktuell Drama um Lila Bäcker in MV: Jetzt schaltet sich die Politik ein
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05:00 04.05.2019
Das Geschäft mit Kaffee und Brötchen läuft beim Lila Bäcker nicht mehr so gut. Offenbar soll in den kommenden Tagen entschieden werden, wie es bei der angeschlagenen Kette weitergeht. (Symbolfoto) Quelle: Jens Büttner/dpa
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In das Drama um die Rettung der insolventen Bäckerei-Kette Lila Bäcker schaltet sich jetzt auch die Politik ein. Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) appelliert an die Beteiligten, sich zu einigen. „Entscheidend ist, dass am Ende aus der Insolvenz heraus eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens gefunden wird“, sagt Glawe. An erster Stelle stehe der „Erhalt der Arbeitsplätze und der verbliebenen Standorte“.

Bereits am kommenden Dienstag könnte eine weichenstellende Entscheidung fallen. Der Gläubigerausschuss soll nach OZ-Informationen an diesem Tag über einen Verkauf der Kette an Investoren um den Lila-Bäcker-Gründer Volker Schülke von der Insel Usedom entscheiden.

Der 56-Jährige gelte als Wunschkandidat der Gläubiger, heißt es aus gut informierten Kreisen. Zu dem Unternehmen gehörten zuletzt mehr als 2000 Beschäftigte in rund 400 Filialen und Bäckereien in MV, Berlin sowie Brandenburg. Auch die Gewerkschaften trauen dem Sammler von Kampfflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Sanierung des angeschlagenen Unternehmens zu.

Verwalter widerspricht: Es gibt noch mehrere Interessenten

Öffentlich gibt sich Schülke zugeknöpft. „Ich sage dazu nichts“, sagt er am Telefon, bevor er sich freundlich ins Wochenende verabschiedet. Ralf Rattunde, gerichtlich bestellter Verwalter, widerspricht, dass es bereits eine Vorentscheidung gebe. Noch sei nichts entschieden, es werde noch mit mehreren Interessenten verhandelt.

Ein Verkauf der lila Läden an Schülke hätte in der Tat etwas Pikantes. Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Schwerin ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn und weitere Beteiligte, darunter eine frühere Co-Geschäftsführerin aus Berlin.

Als Chef der Unser-Heimatbäcker-Holding GmbH, dem Dach von Lila Bäcker, sollen die Verdächtigten Firmengelder veruntreut haben. Unter anderem geht es um angeblich verschwundene Sozialversicherungsbeiträge.

Die Ermittler durchsuchten Wohnungen und Büros, unter anderem bei Schülke in Heringsdorf. Ob es am Ende für eine Anklage reicht, ist noch offen. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Stefan Urbanek, Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft.

Usedomer baute Back-Imperium auf

Schülke schied am 8. Februar 2018 als Geschäftsführer der Heimatbäcker-Holding aus. Am Tag zuvor hatten die Gesellschafter, die Deutsche Beteiligungs AG aus Frankfurt/Main, ihren Kandidaten Stefan Blaschak auf den Posten gehievt. Die Eigentümer drängten Schülke im Streit um die Schieflage aus der von ihm gegründeten Firma. Die Untreueanzeige, die die Ermittlungen der Schweriner Staatsanwaltschaft auslöste, kam von der neuen Leitung.

Der gebürtige Usedomer baute in den vergangenen 20 Jahren sein Back-Imperium auf, indem er eine Bäckerei-Kette nach der anderen aufkaufte und reihenweise Produktionsbetriebe dichtmachte. Im April 2018 stufte das Fachportal „Food-Service“ Lila Bäcker auf Rang 6 der zehn größten Filialbäckereien Deutschlands.

Gewerkschaft attackiert neuen Chef

Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten, Genuss (NGG) wirft Geschäftsführer Blaschak vor, die Krise noch verschärft zu haben. Dazu hätten Fehlentscheidungen wie die Schließung des Backbetriebs in Gägelow bei Wismar beigetragen, der 120 Jobs zum Opfer fielen.

Blaschak kenne sich nicht in der Backbranche aus, kritisiert der Gewerkschafter. Der amtierende Lila-Bäcker-Chef macht dagegen seinen Vorgänger Schülke für die Krise verantwortlich. Unter dessen Missmanagement leide das Unternehmen noch, verbreitet Blaschak. Eine Folge davon sei das Insolvenzverfahren in Eigenregie.

Dem Vernehmen nach gab es Verhandlungen mit drei Bietern um eine Übernahme der Kette. Mindestens einer davon soll eine Zerschlagung zur Voraussetzung gemacht haben, was im Gläubigerausschuss keine Mehrheit gefunden haben soll.

Wie auch immer das Drama endet: Harte Schnitte scheinen sicher. Noch-Chef Blaschak schloss Ende April innerhalb weniger Tage eine Groß-Konditorei und -Bäckerei in Dahlewitz bei Berlin. Die entsetzten Mitarbeiter erfuhren das aus der Zeitung, Betriebsräte und Gewerkschafter schäumten. Außerdem sollen 76 der mehr als 400 Filialen geschlossen werden, mehr als die Hälfte davon in MV.

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Gerald Kleine Wördemann

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