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MV aktuell MV-Werften-Chef: Können so günstig produzieren wie Chinesen
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20:18 01.03.2019
Auf der Warnemünder MV Werft hängt eine Sektion für das Mittelschiff des „Global“-Kreuzfahrtriesen am Kran. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Die MV Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund sehen sich für mögliche Billig-Konkurrenz gerüstet. Dank umfangreicher Automatisierung und optimierten Abläufen werden die Werften in der Lage sein, trotz deutscher Tarifgehälter zu „Preisen wie in China“ zu produzieren, kündigte Vorstandschef Peter Fetten am Freitag in Rostock an. Anlass war die Übernahme der Betriebe durch die asiatische Genting-Gruppe vor genau drei Jahren. „Wir entwickeln uns rasant“, sagte Fetten. In drei bis vier Jahren könne das Unternehmen zur Weltspitze gehören.

Staat will für 750 Millionen Euro bürgen

Eine Art Geburtstagsgeschenk steuerte Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bei. Land und Bund haben offenbar nach langem Ringen den Weg für Bürgschaften von einer dreiviertel Milliarde Euro geebnet. Der Schweriner Finanzausschuss soll Ende März über die Freigabe entscheiden, der Haushaltsausschuss des Bundestags wird im April informiert, teilte Glawe nach Gesprächen mit dem Bund mit. Land und Bund wollen Schiffsneubauten der MV Werften mit jeweils 375 Millionen Euro absichern.

Die MV Werften haben am Mittwoch ihre neue, 400 Meter lange Produktionshalle 11 in Rostock-Warnemünde in Betrieb genommen – und die modernste Schweißanlage der Welt.

Baubeginn des zweiten „Global“-Schiffs in Stralsund

250 Millionen Euro investierte der chinesisch-malayische Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting investierte seit der Übernahme. In Rostock entstand unter anderem eine neue Schiffbauhalle mit einer automatischen Schweißanlage, in Wismar ein Werk für den Bau der Kabinen für Kreuzfahrtschiffe, die Stralsunder Werft erhielt eine neue Panelanlage und entspreche so wieder europäischem Standard, so Fetten. Die früheren Werftenbesitzer hätten „nichts investiert und alles rausgezogen, was ging“. Der Bau des zweiten Kreuzfahrtschiffs der „Global-Klasse“ soll im Frühsommer in Stralsund beginnen. Dann soll am Sund der Rohbau des Luxus-Expeditions-Kreuzfahrtschiff „Endeavor“ abgeschlossen sein.

Die größten Kreuzliner der Welt entstehen derzeit in MV. Bis zu 12 000 Menschen sollen Platz haben auf den Schiffen der Global Class, die der Genting-Konzern in Rostock-Warnemünde und Wismar baut.

Eigene „MV Werften Akademie“ geplant

2900 Beschäftige arbeiten auf den Werften und in der Kabinenfertigung, doppelt so viele vor drei Jahren. 6000 Bewerbungen gingen 2018 ein, so viele wie noch nie. Mit über 200 Auszubildenden bildeten die MV Werften mehr Schiffbauer als als alle anderen Bundesländer zusammen. Schiffbau sei in MV kulturell tief verwurzelt, deshalb „sind wir hier genau richtig angesiedelt“, sagte Fetten. Personalchef Björn Cleven kündigte die Gründung einer „MV Werften Akademie“ an. Genting habe alles umgesetzt, was bei der Übernahme versprochen wurde, lobte Minister Glawe. Die Beschäftigung auf der Werft sei bis 2026 abgesichert. Glawe: „Die maritime Branche ist der Durchstarter des Jahres.“

Jeder dritte Zulieferer kommt aus der Region

Das Unternehmen hat laut Vorstandsmitglied Axel Rothe den Anteil der Zulieferer an der Wertschöpfung fast verdoppelt. Komplette Sektionen für das erste „Global“-Schiff, dass mit mehr als 11 000 Menschen an Bord das größte je gebaute Passagierschiff der Welt sein wird, kommen zum Beispiel aus Klaipeda (Litauen) und dem polnischen Danzig. Zulieferer aus MV haben mit 34 Prozent den mit Abstand größten Anteil. Werften-Chef Fetten nannte das Genting-Engagement in MV „sehr nachhaltig“. Weltweit würden die Werftkapazitäten für die Erneuerung der überalterten Passagierschiffflotten knapp. In MV habe sich Genting „seine Bauflächen für die nächsten Jahrzehnte gesichert“. Chinesische Werften seien keine Konkurrenz für die europäische Schiffbauindustrie.

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Gerald Kleine Wördemann

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