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MV aktuell Schlechte Bezahlung für Callcenter-Mitarbeiter in MV: Branche unter Druck
Nachrichten MV aktuell Schlechte Bezahlung für Callcenter-Mitarbeiter in MV: Branche unter Druck
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06:39 10.07.2019
Henning Foerster (Linke) setzt sich für bessere Gehälter in Callcentern ein. 73 Prozent der Beschäftigten arbeiten in MV für Niedriglonhn, kritisiert der Politiker, die Landesregierung unternehme nichts dagegen. Quelle: Cornelius Kettler
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Rostock

Bescheidener Lohn für gute Arbeit: Trotz Fachkräftemangel und steigender Anforderungen verdienen viele Callcenter-Mitarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern kaum mehr als den Mindestlohn. 73 Prozent Callcenter-Mitarbeiter in MV leben von einem Gehalt, das nach deutschlandweiten Maßstäben als Niedriglohn gilt, so der Landtagsabgeordnete Henning Foerster (Linke). Fast jeder Zweite (46 Prozent) bleibt sogar unter der noch einmal niedrigeren ostdeutschen Niedriglohnschwelle von 1733 Euro brutto im Monat. Die Zahlen stammen aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage von Förster.

Landesregierung ignoriert Problem

„Der Durchschnittslohn liegt bei rund 1600 Euro brutto im Monat. Manche erreichen mit Zulagen knapp die 2000-Euro-Marke“, sagt Stefan Gillwald, Callcenter-Experte bei der Gewerkschaft Verdi in Rostock. Damit liegen die Telefon-Dienstleister weit unter dem landesüblichen Durchschnittseinkommen von 2400 Euro im Monat.

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Politiker Foerster wirft der Landesregierung vor, die schlechte Bezahlung der Branche seit Jahren zu ignorieren: „Mehr Interesse für die Belange der Beschäftigten jenseits von Sonntagsreden wäre zwingend notwendig.“ In Zeiten des Fachkräftemangels schade es dem Land, wenn sein Image als Niedriglohnland klaglos hingenommen wird.

Vorteil Hochdeutsch

Die Branche zählt landesweit rund 12 400 Beschäftigte. Konzerne wie der Autovermieter Sixt und die Telefonunternehmen Telefonica (O2) sowie Deutsche Telekom setzen auf das akzentfreie Hochdeutsch des Nordostens und betreiben eigene Servicecenter in Rostock und Schwerin. Dazu kommen unzählige Drittanbieter, die für eine Vielzahl an Auftraggebern Kundenanfragen bearbeiten. Zu den größten dieses Bereichs zählen in MV die Firmen Majorel (ehemals Arvato), Capita und Transcom.

25 Programme beherrschen

Zugleich wachsen die Anforderungen an die Beschäftigten. „Manche Callcenter-Agenten müssen 25 oder 30 Computer-Programme beherrschen“, sagt Gewerkschafter Gillwald. Tarifverträge für die Mitarbeiter sind laut Verdi die Ausnahme. Betriebsräte sind ebenfalls nicht selbstverständlich.

Kündigungen in Rostock

In Rostock kündigte Transcom vor Kurzem 15 Beschäftigten nach einem Auftraggeberwechsel, weil sie eine interne Versetzung abgelehnt hatten. Zugleich sucht das Unternehmen 50 Mitarbeiter. Zu Arbeitsbedingungen und Bezahlung äußert sich das Unternehmen nicht. „Transcom hält sich generell aus politischen Diskussionen oder Positionen heraus“, teilt Manager Marcus Golonka mit.

Sechs Cent über dem Mindestlohn

Der starke Wettbewerb um Aufträge erschwere eine bessere Bezahlung , sagt Kathrin Jeromin, Geschäftsführerin von Avedo in Neubrandenburg und Vorsitzende des landesweiten Branchenverbands TMI. In ihrem Unternehmen bedeutet das: 9,25 Euro Stundenlohn, sechs Cent über dem gesetzlichem Minimum. Darüber hinaus kann es Zulagen für besondere Leistungen geben. „Die Branche wächst noch“, sagt Jeromin, viele Unternehmen fragen nach Kundenservice-Dienstleistungen nach. Eingebrochen sind dagegen die Bewerberzahlen. Grund ist die geringe Arbeitslosigkeit. Jeromin: „Viele, die früher zu uns gekommen wären, gehen jetzt in die Hotellerie oder in andere Dienstleistungsberufe.“

Gerald Kleine Wördemann

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