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MV aktuell Meinungen zum Dürre-Sommer: „Menschengemachter Klimawandel“
Nachrichten MV aktuell Meinungen zum Dürre-Sommer: „Menschengemachter Klimawandel“
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20:24 24.04.2019
Die anhaltende Trockenheit sorgt derzeit besonders in Nord- und Ostdeutschland für staubige Luft und Sandstürme. Besonders Ackerflächen sind betroffen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Rostock

Steht ein erneuter Dürre-Sommer bevor? Nach einer Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist die Gefahr deutlich größer als im Vorjahr. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, sagt der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach. Besonders Land- und Forstwirtschaft seien von einer erneuten Trockenperiode bedroht.

„Aussage des DWD wenig gehaltvoll“

Zur Meldung des DWD erklärt der Diplom Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal „wetter.net“: „Die Aussage, dass es trocken wird, wenn es nicht regnet, ist wenig gehaltvoll.“ Bedeutend sei eher die Frage, ob es denn weiterhin zu trocken bleiben wird. Genaue Prognosen seien soweit im Voraus aber nicht möglich. Lediglich könne man anhand von Monatstrends Tendenzen von Temperatur und Niederschlag abschätzen.

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Auch der NDR-Meteorologe Stefan Kreibohm sagt: „Noch ein so trockener Sommer wäre natürlich katastrophal. Aber ob es bald regnet oder nicht, kann man noch gar nicht genau wissen.“ Fakt sei jedoch, dass der Boden derzeit eindeutig zu wenig Feuchtigkeit enthalte.

Landwirte starten mit trockenen Böden

„Wir starten mit trockenen Böden in das neue Landwirtschaftsjahr“, bestätigt Ann-Kristin Hanell, Sprecherin des Bauernverbandes MV. Sie seien trockener als üblich, und das obwohl die Regenmenge von Januar bis März im Durchschnitt lag. Landwirte konnten schon im Herbst feststellen, dass einige Pflanzen tiefere Wurzeln gebildet haben. Aber auch die unteren Bodenschichten seien so trocken, dass diese dort kaum auf Wasserreserven treffen.

„Wenn den Pflanzen nicht genügend Wasser zur Verfügung steht, geht das mit Ernteverlusten einher“, erklärt Hanell. „Die Landwirte sind dem Wetter ausgeliefert.“ Zwar könnten sie das Risiko durch den Anbau verschiedener Sorten minimieren und die Bodenbearbeitung an aktuelle Gegebenheiten anpassen. Dennoch könne man nicht langfristig vorhersehen, wie sich das Wetter entwickelt.

Hunderte Liter Wasser fehlen

Meteorologe Kreibohm erklärt das Ausmaß der Trockenheit: „In einigen Landesteilen fehlen 250 bis 300 Liter Wasser pro Quadratmeter, um überhaupt auf den Durchschnittswert zu kommen. Es würde gar nicht reichen, wenn es nur normal regnet.“ Für gewöhnlich regne es 550 bis 650 Liter pro Quadratmeter im Jahr. Dementsprechend müsste es in 2019 an einigen Orten knapp die Hälfte des Jahresniederschlags zusätzlich regnen, um die Wasserreserven im Boden wieder aufzufüllen.

Die Ursachen für die Trockenheit sind laut Kreibohm nicht eindeutig. In der Klimaforschung gehe man von einem Zusammenhang zwischen einem kalten Nordatlantik und einem trockenen Sommer in Europa aus. „Der Nordatlantik ist die einzige Region, die sich durch den Klimawandel abkühlt, anstatt erwärmt“, sagt er. Schon im letzten Jahr habe man dort einen Temperaturabfall festgestellt. Ob dies zum Dauerzustand werde, sei ungewiss.

OZ-Leser diskutieren kontrovers

Auch OZ-Leser diskutieren das Problem der Trockenheit. Christian Witt ist der Meinung: „Wir sollten uns nicht über Ursache oder Bedeutung streiten, sondern alles tun, um unsere Umwelt zu schützen.“ Er schlägt vor, Straßenbäume zu gießen, Mischwälder zu pflanzen und besonders vorsichtig mit Feuer umzugehen. Andi Schlicht ergänzt, dass auch das Auto stehen gelassen werden sollte.

Thomas Beckhoff sagt: „Fakt ist, dass es momentan zu trocken ist. Aber wie es mittelfristig weiter geht, kann niemand vorhersagen und das ist auch gut so.“ Seriöse Prognosen könnten nur für vier bis fünf Tage erstellt werden. Horst Girke macht in erster Linie die Natur verantwortlich: „Wenn es so kommt, wie es angeblich kommen soll, dann wird es niemand verhindern können. Die Natur macht, was sie will, und das ist auch gut so.“ Ingo Ronny Sellin-Wortmann erwidert darauf: „Das ist nicht naturgemacht, sondern menschengemachter Klimawandel.“

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Rabea Osol