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MV aktuell Ehrenamtskarte für MV droht ein Flop zu werden
Nachrichten MV aktuell Ehrenamtskarte für MV droht ein Flop zu werden
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17:09 13.09.2019
Ehrenamtsköchinnen um Klaus Witkowski in Wismar. Für engagierte Menschen ist die geplante Ehrenamtskarte in MV gedacht. Noch gibt es aber einige Baustellen. Quelle: Nicole Hollatz
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Rostock

Rund 600 000 Menschen in MV engagieren sich in ihrer Freizeit für andere – eine Ehrenamtskarte als Anerkennung, von der Landesregierung für 2020 angekündigt, hängt noch in der Luft. Grund: Weder Finanzierung noch Inhalte sind bisher klar. Hinter den Kulissen rumort es.

Im Januar stellte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) ein Konzept vor. Die Idee: Jeder ab 14 Jahren, der 250 Stunden pro Jahr und mindestens seit drei Jahren (Jugendliche: ein Jahr) ehrenamtlich tätig ist, soll als Anerkennung über die landesweite Ehrenamtskarte diverse Vergünstigungen bei Kultur- oder Freizeitangeboten – Museen, Theater, Spaßbäder – erhalten.

MV wäre eines der letzten Bundesländer, das eine Ehrenamtskarte einführt. Dabei gibt es mehrere Baustellen. Thema Finanzierung: Die SPD habe Geld für Mitmachzentralen aus dem Strategiefonds gegeben. Bei der CDU – bisher Fehlanzeige, so heißt es. Das Sozialministerium beziffert die Gesamtkosten bis 2023 auf 2,35 Millionen Euro.

Landkreise fordern Klarheit bei Inhalt und Finanzierung

Landkreise und kreisfreie Städte sollen einen Teil der Kosten und die Koordination der Vergabe von Ehrenamtskarten übernehmen – schlägt das Land vor. Landräte sehen das anders. Tenor: Land beschließt, die Basis soll es machen. „Wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen“, sagt Stefan Sternberg (SPD), Ludwigslust-Parchim. Das betreffe auch die Frage, wer welche Angebote in das Karten-Konzept packt. Michael Sack (CDU) hat ein weiteres Problem: Der Kreis Vorpommern-Greifswald verfügt bereits über eine Ehrenamtskarte – wie Rostock, Schwerin oder Grimmen. Regionale Partner, die Vergünstigungen bieten, könnten bei landesweitem Bedarf überfordert sein.

Streitpunkt mit dem Land sei auch, ob und wie öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) – kostenlos oder vergünstigt – Bonus sein könnte. Außerdem seien Finanzierung und Stellen-Aufbau unklar. Die Kreise sollen dies über ihre Mitmachzentralen lösen. Sack: „Ich habe keine Stellen im Haushalt.“ Bei Mehrbedarf müsste er woanders streichen.

SPD-Politiker: „Mir dauert das alles zu lange“

Auch im Landtag gibt es Knatsch. „Mir dauert das alles zu lange“, sagt SPD-Sozialexperte Jörg Heydorn. „Wenn man mit einem solchen Konzept vorprescht, muss man auch irgendwann liefern. Die Finanzierung muss endlich geklärt werden.“ Sein Vorschlag: Das Land sollte mit einem Kreis oder einer Stadt einfach anfangen. „Mir geht es vor allem um die Förderung der Mitmachzentralen“, so Heydorn. Viele Initiativen warteten bereits ungeduldig.

Kommentar zum Thema

Das bestätigt Friederike Güldemann vom Bürgerhafen Greifswald. „Wir sind völlig in der Schwebe.“ Regionale Partner der Karte brauchten Sicherheit. Von Ehrenamtlern wisse sie: ÖPNV sollte unbedingt drin sein. „Sonst brauchen wir keine weitere Karte.“

Ministerin Drese gegen vergünstigten Nahverkehr fürs Ehrenamt

Hannes Möller, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes: „Ich begrüße die Idee sehr, habe aber gegenüber dem Sozialministerium erklärt: Wenn sie so etwas machen, machen sie es richtig.“ Quelle: Cornelius Kettler

Kostenlosen ÖPNV will aber die CDU nicht, so Landeschef Vincent Kokert. „Wir können nicht sagen: Es fließen Milch und Honig, alles bezahlt der Staat. Denn am Ende werden alle damit belastet.“ Zu den Differenzen erklärt Kokert: „Ich habe geglaubt, es geht leichter.“ Torsten Renz schlägt vor: Die Finanzierung der Ehrenamtskarte sollte dauerhaft im Landeshaushalt fixiert werden.

Auch Ministerin Drese ist gegen ÖPNV-Nachlass über die Ehrenamtskarte. Derzeit gebe es „intensive Vorbereitungen“, erklärt ihr Sprecher. Anfang 2020 werde es Stellenausschreibungen geben – also noch keine Karte. Die Einführung erfolge „in einem schrittweisen Prozess“. Zunächst müsse Geld im Landeshaushalt bereitgestellt werden. Drese wünsche sich „eine schlanke Verwaltung und wenig Bürokratie“.

Ehrenamtlern ist die Karte noch ein Rätsel. „Ich begrüße die Idee sehr“, so Hannes Möller, Chef des Landesfeuerwehrverbandes. Doch viele Fragen seien noch zu klären. Verantwortlichen habe er gesagt: „Wenn sie so etwas machen, machen sie es richtig.“

Von Frank Pubantz

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