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MV aktuell Ein Koch aus MV erzählt: „Von diesem Lohn kannst du keine Familie gründen“
Nachrichten MV aktuell Ein Koch aus MV erzählt: „Von diesem Lohn kannst du keine Familie gründen“
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15:03 06.09.2019
Der Koch Andreas May kann sich „eine Stadt ohne Restaurants und Bars nicht vorstellen.“ Er hofft auf einen guten Ausgang bei den Tarifverhandlungen der Gewerkschaft Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

„Wenn wir so weitermachen, haben wir in zehn Jahren keinen Nachwuchs mehr.“ Andreas May ist skeptisch. Aktuell ist er Chef einer Kantine in Laage bei Rostock. In 23 Jahren Berufserfahrung hat er in verschiedenen Betrieben und Ländern gearbeitet. Mit der Zeit sei es immer schwerer geworden in seinem Beruf.

Trotzdem ist er gern Koch. Nicht alle Betriebe seien schlecht. „Das merke ich auch an meinem aktuellen Arbeitgeber“, erklärt der 43-Jährige. Sein Betrieb hat Ausgleichstage, hält Pausen ein und bezahlt gut. Deshalb gäbe es auch ein gutes Klima am Arbeitsplatz.

„Gastronomen bekommen am wenigsten etwas vom Kuchen“

Ein großes Problem sei der Lohn. „Ich habe gelesen, dass das Durchschnittseinkommen bei 28 000 Euro liegt. Ich kenne kaum einen Koch, der so viel verdient“, erzählt der 43-Jährige. In der Realität gäbe es etwa 1500 Euro brutto und unbezahlte Überstunden. „Von diesem Lohn kannst du keine Familie gründen“, sagt er. May habe in elf Betrieben gearbeitet und in fünf von diesen gab es schlechte Arbeitsbedingungen.

Gerade in Mecklenburg-Vorpommern sollte durch die finanzielle Abhängigkeit vom Tourismus mehr auf Arbeitsbedingungen in der Gastronomie geachtet werden, fordert der Koch. „Die Gastronomen bekommen vom Kuchen am wenigsten ab“, sagt Andreas May. Einige Hotels müssen ihre Küchen schließen, weil sie kein Personal mehr finden.

Kein Ausgleich für Überstunden

In seiner Zeit als Koch hat er viele Schwierigkeiten erlebt: Überstunden, unregelmäßige Bezahlung, Ratenzahlungen, keine Informationen zu den Problemen des Unternehmens, Insolvenzen. „Bei einem Arbeitgeber war hieß es: Insolvenz. Aber es sollte weitergehen. Wir sollten alle mehr arbeiten. Das haben wir auch getan“, erinnert sich May. Die Überstunden wurden ihm allerdings nie bezahlt. „Das passiert häufig in der Gastronomie“, erklärt der Koch.

In seiner Küche kalkuliert er die Dienstpläne so, dass niemand Überstunden macht. „Wenn jemand an vier Tagen 40 Stunden gearbeitet hat, bekommt er auch drei Tage frei“, sagt May. Dies sei in vielen Küchen nicht der Normalfall. Ein Ausgleichstag sei oft auch gar nicht möglich, weil das Personal fehlt. Für den 43-Jährigen ist das ein „Teufelskreis“.

„Du verlierst deine sozialen Kontakte“

Die ungelösten Probleme in der Gastronomie-Branche verschrecken laut May den Nachwuchs. Vielen Betrieben falle es schwer, junge Menschen für den Beruf des Kochs zu begeistern. Es sei nicht leicht, Lehrlinge zu finden, viele brechen die Ausbildung ab.

Die Gründe seien für May klar: „Es ist anders als das, was im Fernsehen gezeigt wird. Es ist oft Wochenend- und Feiertagsarbeit. Du verlierst deine sozialen Kontakte.“ Während andere ausgehen, müssten Gastronomen und Köche oft arbeiten. Es sei ein anderer Tagesrhythmus.

Die Schweiz als Vorbild

„Das kannst du eigentlich nur durch Lohn oder mehr Freizeit ausgleichen“, schlägt May vor. Die Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) verlangt 26 Prozent mehr Lohn. Für den Koch wäre es ein guter Anfang.

In seiner Laufbahn als Koch arbeitete er auch in der Schweiz. Dort sei es gesetzlich festgeschrieben, dass Überstunden in der Gastronomie durch Freizeit oder Geld ausgeglichen werden. Das sollte eigentlich auch in Deutschland so sein. „Aber ich weiß, dass viele das nicht machen“, erzählt er.

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Ein Hotelzimmer oder ein Abendessen kostet in MV etwa so viel wie in Bayern, sagt die Gewerkschaft NGG. Die Löhne in der Branche im Land seien aber die niedrigsten in ganz Deutschland. Damit soll jetzt Schluss sein: In der nächsten Tarifrunde verlangt die NGG satte 26 Prozent mehr.

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