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MV aktuell „Ein harter Schlag für Fischer“: Stimmen aus MV zum Fangverbot für Dorsche
Nachrichten MV aktuell „Ein harter Schlag für Fischer“: Stimmen aus MV zum Fangverbot für Dorsche
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12:19 24.07.2019
Im Hafen von Freest (Vorpommern-Greifswald) liegen die Kutter der Fischer der Fischereigenossenschaft Freest. Quelle: dpa/Stefan Sauer
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Rostock

Bis zum Jahresende dürfen die Fischer der Europäischen Union in der Ostsee östlich von Bornholm keinen Dorsch mehr fangen. Diese Verordnung der EU-Kommission ist seit Mittwoch in Kraft getreten.

Die Kommission in Brüssel will mit dieser Sofortmaßnahme „der ernsthaften Bedrohung des Dorschbestandes in der östlichen Ostsee“ entgegenwirken. Laut dem Internationalen Rat für Meeresforschung sterben dreimal mehr Fische an natürlichen Ursachen als durch die Fischerei.

Schlechter biologischer Zustand der Tiere

„Der Dorsch ist dort tatsächlich in einem biologisch sehr schlechten Zustand. Die Sterblichkeit ist vor allem aufgrund des schlechten Ernährungszustandes, des Parasitenbefalls, des Sauerstoffmangels in der Tiefsee und der großen Robbenbestände im Osten enorm“, sagt Thorsten Wichmann vom Landesfischereiverband MV.

Für die Kutter- und Küstenfischer in MV, die in der Arkonasee, also zwischen Rostock und polnischer Grenze agieren, gelten Ausnahmeregelungen. Demnach dürfen die 320 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe des Landes, die in diesem Seegebiet mit Fahrzeugen unter zwölf Metern Länge arbeiten, bis Jahresende noch eingeschränkt fischen. Und zwar mit Stellnetzen in einem Bereich von bis zu sechs Seemeilen und 20 Metern Wassertiefe.

Überrascht vom Ausmaß der Verordnung

Aktuell sind im Nordosten 530 Boote und Kutter registriert, die an der Küste sowie in den Bodden und Haffen eingesetzt werden. Auf der Ostsee sind etwa 260 Fahrzeuge im Einsatz, die vor allem von den rund 200 Berufsfischern genutzt werden. Davon sind 18 Kutter länger als zwölf Meter. „Deren Besatzungen dürfen ab sofort keinen Dorsch mehr fangen“, erläutert Thomas Richter.

Der Dezernatsleiter im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei zeigt sich überrascht vom Ausmaß der Verordnung. Er macht aber auf Ausnahmen aufmerksam. „Konkret betrifft es Fahrzeuge, die kürzer als zwölf Meter sind und passiv arbeiten, also etwa mit Stellnetzen und Langleinen. Diese dürfen weiterhin in der Sechs-Seemeilen-Zone und bis 20 Meter Wassertiefe Dorsch fischen“, so Richter. Außerhalb dieser Bereiche, etwa bei der Plattfischfischerei, sei ein Beifang von bis zu zehn Prozent gestattet.

Kahlfuss: „Maßnahme ist purer Aktionismus“

„Diese Brüsseler Maßnahme ist purer Aktionismus. Und für die betreffenden Fischer bedeutet sie einen harten Schlag“, verdeutlicht Norbert Kahlfuss, Präsident des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer MV. Er verweist dabei auch auf Aussagen des Thünen-Institutes für Ostseefischerei in Rostock. Demnach hatten die Wissenschaftler erklärt, dass ein sofortiger Fangstopp am Zustand des Ostdorsch-Bestandes wenig ändere.

Für Kahlfuss stellen die Sofortmaßnahmen nur einen „Vorboten für das kommende Jahr“ dar. Dann drohen nämlich auch in der Arkonasee eine Reduzierung der Fangquote bei Dorsch von 70 Prozent und möglicherweise ein komplettes Heringsfangverbot. „Dann sind unsere Fischer tot“, sagt Kahlfuss.

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