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MV aktuell Eine Pädagogische Hochschule in Schwerin?
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13:41 02.03.2019
Hauptgebäude der Universität Rostock. Nach Plänen innerhalb der SPD soll in Schwerin eine Pädagogische Hochschule entstehen. Konkurrenz für Rostock und Greifswald? Quelle: Foto: Bernd Wüstneck
Schwerin

Mecklenburg-Vorpommern soll für die Ausbildung von Lehrern eine Pädagogische Hochschule erhalten. Als Standort ist Schwerin im Gespräch. Über diese Idee wird nach OZ-Informationen vor allem in der SPD kontrovers diskutiert. Protest kommt allerdings aus den Universitätsstädten Greifswald und Rostock.

In der Schweriner Kommunalpolitik ist eine Hochschule seit längerem Thema. Die Landeshauptstadt brauche einen solchen Standort, beschlossen die Stadtvertreter. Allerdings fand die Diskussion bislang ergebnisoffen, ohne Ausrichtung statt. Dass es um Lehrerausbildung geht, ist neu. Quelle: die SPD. Um den massiven Lehrermangel in MV zu bekämpfen, solle diese Hochschule – möglicherweise als Außenstandort der Universität Rostock – in Schwerin entstehen, ist zu hören. Eine Studie im Auftrag des Bildungsministeriums belegte zuletzt, dass Lehramtsstudenten an den Universitäten zu kurz kommen, weil Inhalte zu sehr auf Master-Studenten ausgerichtet sind. Folge: eine hohe Zahl von Abbrechern.

SPD hält sich bedeckt

In der Landes-SPD hält man sich zum Thema bedeckt. „Keine Stellungnahme“, sagt Generalsekretär Julian Barlen. Es gebe „Gespräche darüber, wie man Lehrergewinnung verbessert“, aber „kein Konzept“. Auch andere Spitzen-Genossen drücken sich vor konkreter Antwort. Die Pädagogische Hochschule sei „eine Möglichkeit von mehreren Überlegungen“.

„Charme“ hat die Idee für CDU-Leute in Schwerin. Auch auf Landesebene? „Die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte hochzufahren, halte ich für richtig“, sagt CDU-Landeschef Vincent Kokert. „Ob man dafür unbedingt eine eigene Hochschule braucht, oder ob auch eine Fakultät reichen würde, sei dahingestellt.“

Andreas Kerath, SPD Greifswald: „Die Gründung einer Pädagogischen Hochschule ist ein Konzept aus der Vergangenheit.“ Quelle: P. Binder

Widerstand kommt von der SPD-Basis. Der Greifswalder Ortsverband beschloss am Mittwochabend einstimmig einen Antrag, die Idee fallen zu lassen. „Die Gründung einer Pädagogischen Hochschule ist ein Konzept aus der Vergangenheit und würde im bestehenden wissenschaftlichen System zu einer Abwertung des Lehramtsstudiums führen“, so der Greifswalder Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Andreas Kerath. Statt eine weitere Hochschule zu eröffnen, sollte die Lehramtsausbildung an den Unis finanziell und personell so ausgestattet werden, dass Lehrer bedarfsgerecht aus- und weitergebildet werden können. Dies sei gegenwärtig nicht der Fall. Kerath befürchtet, dass die Finanzierung einer weiteren Hochschule zu Lasten der bestehenden und bereits jetzt unterfinanzierten Lehramtsausbildung gehen würde.

In die Richtung argumentiert Barlen auch als Chef der Rostocker SPD. Seine Parteifreunde seien der „Auffassung, dass sich die bisherigen Standorte der Lehrerbildung inklusive der Uni Rostock bewährt haben und für zukünftige Aufgaben bedarfsgerecht ausgestattet und leistungsfähig organisiert sein müssen“.

Müssen die Professoren dann pendeln?

Auch aus organisatorischer Sicht sei diese Idee „Wahnsinn“, sagt Kerath. Mit einer Pädagogischen Hochschule werde die Fachdidaktik von den Fachwissenschaften getrennt – was zur Folge hätte, dass entweder die Studenten oder die Professoren zwischen Schwerin, Rostock und Greifswald pendeln müssten.

Gute Idee, aber nicht umsetzbar. So lautet die Reaktion von Simone Oldenburg, Linken-Fraktionschefin im Landtag, zur Pädagogischen Hochschule. „Wir brauchen eine verstärkte Lehrerausbildung“, so Oldenburg. Aber dafür sollte die Landesregierung erst einmal in Rostock und Greifswald ihre Hausaufgaben machen. Oldenburgs Vorschlag: Eine Schweriner Hochschule könnte die Verwaltungsfachhochschule in Güstrow entlasten.

Auch die Uni Greifswald hält nichts von Konkurrenz in Schwerin. „Die Ausbildung von Lehrern gehört an die Universitäten", sagte der für Studium und Lehre zuständige Prorektor Prof. Steffen Fleßa. „Das Lehramt ist sehr komplex, neben den Fächern gehören Pädagogik und Psychologie dazu.“ Die nötige wissenschaftliche Ausbildung könnten nur die Universitäten gewährleisten. Die Verlagerung an Pädagogische Hochschulen sei ein Schritt zurück. Es sei allerdings wichtig, noch mehr praktische Bestandteile in die universitäre Lehrerbildung zu integrieren.

Die SPD diskutiert Lehrerausbildung in Schwerin. Warum sie das offen nicht zugibt, zeigt die Brisanz, die in vielerlei Hinsicht vorliegt. Einen Kommentar zum Thema von unserem Chef-Korrespondenten in Schwerin, Frank Pubantz, können Sie hier lesen.

Martina Rathke, Frank Pubantz und

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