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MV aktuell Energie-Experte: Europa braucht trotz Klimaschutzes viel Gas
Nachrichten MV aktuell Energie-Experte: Europa braucht trotz Klimaschutzes viel Gas
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11:01 25.05.2019
Jens Hobohm, Prognos, Energieexperte Quelle: Frank Pubantz
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Moskau

Jens Hobohm, Energieexperte bei Prognos, einem unabhängigen Wirtschaftsforschungsunternehmen in Berlin, war bei der Reise nach Moskau und Sibirien dabei. Die OZ sprach mit ihm über die Verteilungskämpfe auf dem Gasmarkt in Europa.


OSTSEE-ZEITUNG:
Herr Hobohm, braucht Europa die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 und womöglich weitere?

Jens Hobohm: Europa braucht noch für eine ganze Weile Erdgas. Derzeit benötigen EU und Schweiz zusammen etwa 500 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das wird auch eine Zeit lang so bleiben. Es gibt Szenarien, die sogar von einem noch steigenden Gasbedarf ausgehen. Das glaube ich weniger. Aber die Klimaschutzpolitik innerhalb der EU greift nicht so schnell, dass der Gas-Bedarf schnell zurückgeht.

Hinzu kommt, dass wir in Europa, vor allem in den Niederlanden, einem wichtigen Lieferanten, immer weniger Gas zur Verfügung haben. Dadurch ergibt sich eine Import-Lücke, die gedeckt werden muss. Dafür stehen verschiedene Optionen zur Verfügung: Gas aus Algerien, aus Norwegen mit rückläufiger Tendenz. Wir können das LNG aus den USA oder anderen Ländern kaufen oder das russische Pipeline-Gas.

Sie waren mit in Sibirien. Wie beurteilen Sie, was Gazprom unter Klimaschutz-Aspekten dort macht?

Die Reise war jetzt nicht dazu ausgelegt, uns intime Details zur Umweltverträglichkeit von Gasbohrungen zu geben. Ich habe aber den Eindruck gewonnen, dass man hier die Standards sehr ernst nimmt. Sicher ist dies das Bild, das man vermitteln wollte. Wir haben aber nur eine einzige Stelle gesehen, an der geringe Mengen Abfall-Gas abgefackelt wurde. Ansonsten blieb das Gas in den Rohren. Ich glaube, durch den Gasabbau in die Tiefe wird oberirdisch nicht viel zerstört, wobei der Permafrostboden in den oberen Bodenschichten natürlich besondere Herausforderungen mit sich bringt.

War das ein realistisches Bild, das zu sehen war?

Ich würde sagen, das war das High-End-Bild. Bovanenkovo ist eines der neuesten Gasfelder und eines, auf das Gazprom zu Recht stolz sein kann. Das meiste, was wir gesehen haben, war in sehr gutem Zustand. Alle Autos glänzten, was bei den schlammigen Straßen nicht so einfach ist. Das war natürlich auch ein Stück weit für die Gäste schick gemacht, aber ich denke, dass die Reise für dieses Gasfeld, in Zukunft das größte Russlands, ein gutes Bild vermittelt hat. Der Standard ist hier wirklich sehr hoch.

Wird es in Europa genügend Bedarf geben auch für amerikanisches Flüssiggas und Pipeline-Gas aus Russland?

Wir haben eine Studie erstellt, in der wir uns die europäische Gas-Bilanz angeschaut haben, und kommen zu dem Schluss, dass sich das Gleichgewicht zwischen Pipeline-Gas und LNG abbilden muss. Es kann immer Situationen geben, in denen das LNG besonders günstig ist. Die Regel wird es aber nicht sein. Ich glaube, dass Russland den größeren Anteil an diesem Markt haben wird.

Was spricht für russisches Gas?

Es ist günstiger und es hat einen geringeren CO2-Fußabdruck als LNG aus Übersee.

Ist dieses Gas für die Versorgungssicherheit in Europa erforderlich?

Ich glaube, ja.

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Frank Pubantz

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