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MV aktuell Schlappe für Lila Bäcker vor Gericht
Nachrichten MV aktuell Schlappe für Lila Bäcker vor Gericht
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Das Werk von Lila Bäcker in Gägelow bei Wismar vor der Schließung im Frühjahr 2018. Quelle: Michaela Krohn
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Neubrandenburg

Im Streit um Entlassungen bei der Kette Lila Bäcker aus Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) sind erste Urteile gefallen. In sechs Fällen erklärte das Arbeitsgericht außerordentliche Kündigungen durch die Firma „für unwirksam“, teilte Richter Hagen Schäfer am Freitag in Neubrandenburg mit. Unter den erfolgreichen Klägern sind zwei 54 und 60 Jahre alte Beschäftigte von der Insel Rügen. Sie waren extra wegen der Arbeit vor ein paar Jahren für Lila-Bäcker nach Gägelow bei Wismar gegangen, nachdem die Firma ihren Betrieb auf Rügen geschlossen hatte – und wurden dann erneut arbeitslos.

Kommentar zum Thema: Eine dicke Niederlage für das Back-Imperium!

Ihnen hätte andere Beschäftigung angeboten werden können, sagte Schäfer. Auch ein Vergleich über Abfindungen sei noch möglich – was bisher an den geringen Angeboten der Firma scheiterte. Einer siebten Klage gegen eine 40-prozentige Gehaltskürzung einer Angestellten wurde ebenfalls stattgegeben. Weitere sieben Urteile zu den Entlassungen werden Dienstag am Arbeitsgericht erwartet.

„Die Fälle sind nur der harte Kern, die bis zum Ende durchgeklagt haben“, sagt Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Was ihnen das Urteil konkret bringt, lasse sich erst sagen, wenn die schriftlich Begründung vorliegt. Ursprünglich hatten dutzende Entlassene geklagt, sich im Laufe des Verfahrens aber auf einen Vergleich mit ihrem Ex-Arbeitgeber geeinigt, weil sie inzwischen andere Arbeitsplätze gefunden hatten. Das sei für viele nicht schwierig. „Fachkräfte aus dem Ernährungsgewerbe sind Goldstaub“, sagt Dahms. Vor allem Firmen im Schweriner Raum würden Mitarbeiter suchen. Lila Bäcker hatte im Frühjahr insgesamt 225 Leute entlassen, davon 120 in Gägelow bei Wismar.

5000 Euro statt 45 000 Euro Abfindung

Für die Beschäftigen kamen in den Vergleichen oft „nur Krümel“ heraus, so Dahms. Anwälte der Back-Kette boten dem 54-ährigen, ein ehemaliger Betriebsleiter, gerade einmal 5000 Euro Abfindung an. Zugestanden hätten ihm laut seinem Anwalt 45 000 Euro. Hier scheiterte die Einigung. Dem 60-Jährigen, der 39 Jahre im Betrieb, bzw. den Vorgänger-Firmen arbeitete, hätten sogar 54 000 Euro zugestanden.

Die Firma „Unser Heimatbäcker“, zu die rund Lila-Bäcker-400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg gehören, wurde 2014 vom Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs AG (Frankfurt/Main) übernommen. Nach starkem Wachstum mit Übernahme etlicher Konkurrenten zählte die Kette schließlich 2700 Mitarbeiter. Später lief es nicht mehr so rund, hohe Kosten machten Probleme. Anfang 2018 wechselten die Finanzanleger die Geschäftsführung aus. Volker Schülke, langjähriger Geschäftsführer und Erfinder der Marken „Lila Bäcker“ und „Unser Heimatbäcker“, musste gehen. Sein Nachfolger schloss die Kuchenproduktion in Pasewalk, Gägelow sowie Dahlewitz bei Berlin und zentralisierte diese Produktion und die Verwaltung in Neubrandenburg.

Rückwirkend höhere Gehälter

In den Prozessen wurde bekannt, dass die alte Geschäftsführung schon früh einen Wechsel an der Spitze befürchtete und deshalb langjährige Mitarbeiter mit höheren Gehälter und günstigeren Kündigungsmodalitäten versorgte. Als die neue Geschäftsführung das 2018 mitbekam – manche Vereinbarungen sollen schriftlich mehrere Jahre rückwirkend geschlossen worden sein – wurde diesen Mitarbeitern gekündigt.

Das Arbeitsgericht habe trotzdem nicht feststellen können, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen durch die Annahme höherer Gehälter geschadet hätten, erklärte Schäfer. Die Verantwortung habe bei der alten Geschäftsführung gelegen. In diesen Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin inzwischen.

Eine Frau, die seit 1979 bei Firmen des späteren „Lila-Bäckers“ arbeitet, bekam im Streit um ihr um 40 Prozent gekürztes Gehalt Recht. Sie hatte vor Gericht geschildert, wie sie nach 1990 „ohne auf die Uhr zu schauen“ die enorme Expansion mitgestaltet hatte. Nach gesundheitlichen Problemen habe die Leitung ihr ab 2015 dann erlaubt, nur noch 26 statt 40 Stunden zu arbeiten, bei gleichem Gehalt von 1588 Euro monatlich. Das habe die neue Geschäftsführung ab März auf etwas mehr als 900 Euro gekürzt.

Lila Bäcker will Rechtsmittel einlegen

Eine „Lila-Bäcker“-Sprecherin äußerte sich enttäuscht. Man werde Rechtsmittel einlegen und sich an das Landesarbeitsgericht in Rostock wenden. Die Entlassungsklagen seien aber „Einzelfälle, in denen individuelle Lösungen mit den betroffenen Mitarbeitern leider nicht gefunden werden konnten“. Die Produktion in Gägelow, wo es rund 150 Beschäftigte gab, sei wie der Konditorenbereich in Pasewalk nicht ausgelastet gewesen. Somit seien Schließungen nötig gewesen, auch um den Fortbestand der Kette zu sichern. In Gägelow sei die Logistik mit etwa 30 Kraftfahrern erhalten geblieben.

Die Gewerkschaft NGG wirft der bundesweit sechstgrößten Bäckereikette vor, sich abzuschotten. „Wir haben der Geschäftsführung mehrfach Gespräche angeboten. Nie sei etwas zustande gekommen. Es gebe viele Klage von unzufriedenen Mitarbeitern. Sie hätten den Eindruck, dass den neuen Chefs die Vision fehlt, in welche Richtung sich die Firma entwickeln soll. Ex-Chef Schülke habe noch ein Konzept gehabt. Das sei vorbei, so Dahms

Winfried Wagner und Gerald Kleine Wördemann

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