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MV aktuell Schweriner Panda „Polly“ hat keinen Krebs
Nachrichten MV aktuell Schweriner Panda „Polly“ hat keinen Krebs
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20:15 15.11.2019
Oberarzt Niels von Gadow bereitet den Roten Panda „Polly“ auf eine Untersuchung im Computertomografen des Klinikums Schwerin vor. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Schwerin

Ganz verloren wirkt die Rote Pandadame „Polly“ auf der großen blauen Liege vor dem Computertomografen (CT), auf der sonst nur Menschen Platz nehmen. Oberarzt Niels von Gadow und Tierarzt Gerd Rickert kontrollieren gemeinsam mit Krankenschwestern und Tierpflegern die Position des kleinen Tieres, bevor die CT-Untersuchung beginnt. Für das Schweriner Krankenhaus ist dieses Ereignis am Freitagnachmittag eine Prämiere: Noch nie zuvor wurde ein tierischer Patient in den Helios-Kliniken behandelt.

Panda Polly wurde vor etwa einem halben Jahr krank. „Sie hat im Laufe der Zeit extrem viel Fell und Gewicht verloren“, berichtet Tim Schikora, Direktor des Schweriner Zoos, in dem die fünfjährige Polly lebt. Die Anzeichen deuteten zunächst auf einen Parasitenbefall hin, doch das habe man schon früh ausschließen können, ebenso eine Infektionskrankheit. Pollys Artgenosse Leo, mit dem sie sich normalerweise ein Gehege teilt, zeige nämlich keinerlei Symptome.

Bildergalerie: Panda „Polly“ im Computertomografen

Der Rote Panda aus dem Schweriner Zoo wurde im Klinikum der Landeshauptstadt untersucht, weil es seit Wochen abmagerte. Jetzt die Entwarnung: Es ist kein Krebs!

Bei einer Röntgenuntersuchung im Juni wurden bei der fünfjährigen Polly einige Schatten im Bauchraum festgestellt, die den Verdacht auf eine Krebserkrankung erweckten. „Genaueres konnte man da aber noch nicht sagen“, so Schikora. Die Pandadame kam daraufhin in ein separates Gehege. „So konnten wir sie besser überwachen, schauen wie viel sie frisst und wie sie sich verhält.“ Seither habe sich Pollys Zustand stabilisiert. „Das Fell ist wieder nachgewachsen, nur zunehmen tut sie einfach nicht.“

Schnelle Hilfe der Helios Klinik

Die Tierärzte der Schweriner Tierklinik wussten nicht mehr weiter. Sie sahen die letzte Chance in einer CT-Untersuchung. Doch nur wenige Tierkliniken verfügen über einen Computertomografen. Deshalb wendete sich Schikora schließlich an die Helios Klinik und bat um einen außergewöhnlichen Gefallen. „Dann ging alles recht schnell“, berichtet der Zoodirektor. Am Freitag war es endlich soweit.

Polly wurde zuerst in der Tierklinik narkotisiert und dann ins Radiologiezentrum der Heliosklinik gebracht. Für die Untersuchung kamen Radiologen der Helios und Ärzte der Tierklinik zusammen. Nach der knapp 30-minütigen Untersuchung werteten die Mediziner gemeinsam die Bilder aus. Dann gab Kliniksprecher Patrick Hoppe Entwarnung: „Es ist kein Krebs.“

Oberarzt Niels von Gadow wertet die ersten Aufnahmen des Roten Pandas „Polly“ nach der Untersuchung im Computertomografen aus. Quelle: Jens Büttner/dpa

Gutartige Wucherung gefunden

Man habe bei Polly eine Wucherung im Bereich der Nase festgestellt, die wahrscheinlich gutartig sei. Diese Wucherung habe das Tier möglicherweise beim Fressen und Atmen behindert, was seine Gewichtsabnahme erklären könne. Woher die Wucherung kommt und wie sie behandelt werden kann, wollen die Tierärzte durch weitere Untersuchungen feststellen. Polly darf nun erst einmal wieder zurück in den Zoo.

Katzenbär

Der Rote oder Kleine Panda, auch Katzenbär genannt, wird etwa 60 Zentimeter groß, bis zu fünf Kilogramm schwer und hat ein rötliches Fell. In freier Wildbahn lebt die bedrohte Art heute noch in den Bergregionen von Nepal, Bhutan, Myanmar, Nordindien und Südwestchina.

Die Lebenserwartung eines Roten Pandas beträgt zehn bis 15 Jahre. Seit 2008 wird der Kleine Panda auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion als „gefährdet“ geführt. Nach Schätzungen leben weniger als 10 000 erwachsene Exemplare in Freiheit.

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Von Rabea Osol/Iris Leithold