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MV aktuell Erfolgreich in den USA: Rostocker Firma heilt kaputte Knochen mit revolutionärer Erfindung
Nachrichten MV aktuell Erfolgreich in den USA: Rostocker Firma heilt kaputte Knochen mit revolutionärer Erfindung
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06:03 19.07.2019
Prof. Thomas Gerber und Walter Gerike (v.l.) leiten die Artoss GmbH. Das Rostocker Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Biomaterialien für den Knochenaufbau. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Das Rostocker Biotechnologie-Unternehmen Artoss GmbH expandiert in der Hansestadt. Vor allem der Absatz in den USA kurbelt das Geschäft kräftig an. „In drei Jahren werden wir rund 80 Prozent unseres Umsatzes in den USA machen“, erklärt Walter Gerike, der das Unternehmen zusammen mit dem Physikprofessor Thomas Gerber, beide sind geschäftsführende Gesellschafter, leitet. Artoss entwickelt, produziert und vermarktet Biomaterialien für den Knochenaufbau – und das offenbar so erfolgreich, dass das Unternehmen jetzt einen deutlich größeren Standort im Rostocker Fischereihafen bezieht.

Bis die Geschäfte so gut liefen, war es ein langer Weg. „Wir haben kleine Schritte gemacht“, sagt Prof. Gerber, der die sogenannte Nanobone-Technologie erfunden hat. Das Prinzip: „Der Knochen erneuert sich ständig selbst, um bis zu zehn Prozent pro Jahr“, erklärt Gerike. Und das synthetische Knochenaufbaumaterial helfe dem Knochen dabei, sich schneller zu regenerieren. Eingesetzt werde das Nanobone-Material in der Unfallchirurgie, Orthopädie und für Zahnimplantate; im Jahr 2005 gewann die 2003 gegründete Artoss GmbH den OZ-Existenzgründerpreis.

Umsatz soll verzwanzigfacht werden

Grundstein für den Erfolg in den USA war die Zulassung des „Nanobone SBX putty“ im Oktober 2016 für den US-Markt. Mit einem Applikator – ähnlich einer großen Spritze – kann dabei das Knochenaufbaumaterial auf die zu regenerierende Stelle des Knochens platziert werden und zeichnet sich dabei durch seine klebrige Konsistenz aus. Dafür gibt es in den USA offenbar einen großen Bedarf. „Man ist dort oft auch aufgeschlossener gegenüber neuen Produkten als in Europa“, sagt Gerike.

In den nächsten drei Jahren sei „die Verzwanzigfachung des Umsatzes in den USA“ geplant. Um den Vertrieb kümmern sich Mitarbeiter des dafür von Gerber und Gerike gegründeten US-Unternehmens Artoss Inc. Pläne, die Produktion in die Staaten zu verlegen, gebe es aber nicht, betont Gerber. „Es ist für uns wirtschaftlicher, hier in Rostock zu produzieren.“ Außerdem würden die Kunden in den Vereinigten Staaten Wert legen auf das Prädikat „Made in Germany“.

US-Behörde kontrolliert streng

Und die Einhaltung der Qualität wird streng kontrolliert. Alle zwei Jahre reisen Beamte der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (U.S. Food and Drug Administration) eigens nach Rostock und inspizieren Reinräume, Herstellungsprozesse und Materialien bei Artoss. Zuletzt im April 2018, damals noch im Technologiezentrum Warnemünde (TZW).

Die Inspektion war sozusagen der Prüfstein, was folgte, gab den Startschuss für die Expansion. „Wir wollten zunächst das Ergebnis der Prüfung abwarten, ob uns der Zugang zum US-Markt weiter möglich ist“, sagt Gerber. Das Ergebnis: „Wir haben alles bestanden!“ Damit stand fest: Das Unternehmen musste sich vergrößern, wenn es dem steigenden Absatz nachkommen wollte – räumlich und personell. Zu den derzeit 13 Arbeitsplätzen sollen zunächst acht weitere Stellen kommen.

Produktion in ehemaliger Schiffbau-Halle

Und ein neuer Standort wurde – auf dem für Wohn- und Gewerbeimmobilien sehr angespannten Rostocker Markt – mit Hilfe der Wirtschafts- und Technologiefördergesellschaft Rostock Business im Fischereihafen der Hansestadt gefunden. In der Halle waren zuvor Teile für den Schiffbau hergestellt worden, nun stehen Artoss dort rund 1400 Quadratmeter für die Produktion zur Verfügung, mit Reinräumen, Materiallager, Laboren und Verpackung. Im TZW waren es vorher etwa 300 Quadratmeter.

Rund 1,4 Millionen Euro investiert Artoss insgesamt in den Ausbau des neuen Standorts. Davon fördert das Schweriner Wirtschaftsministerium 370 000 Euro. „Neben der Produktion von synthetischem Knochenmaterial forscht und entwickelt das Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit der Universität Rostock“, sagt der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). „So entstehen innovative Produkte, die in MV produziert und weltweit exportiert werden.“ Neben den USA und Europa werden die Produkte bereits weltweit vertrieben, unter anderem nach Australien.

Konkurrenz ist groß

Die internationale Konkurrenz ist groß. Auf dem rund 2,5 Milliarden schweren Markt für Biomaterialien zum Knochenaufbau konkurrieren weltweit rund 100 verschiedene Produkte. „Aber die funktionieren alle nicht so gut wie Nanobone“, gibt sich Gerike selbstbewusst. Zwei neue Medizinprodukte habe Artoss gerade vor einigen Tagen bei der europäischen Zulassungsstelle eingereicht. Für den Herbst 2019 sei dann die Zulassung für die USA geplant. Gerike: „Davon versprechen wir uns sehr viel.“ Für die erneute Erweiterung der Produktion sei auf jeden Fall schon eine entsprechende Fläche vorgesehen.

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