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MV aktuell Ermittler in MV sind internationalem Kinderpornoring auf der Spur
Nachrichten MV aktuell Ermittler in MV sind internationalem Kinderpornoring auf der Spur
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16:37 14.06.2019
Kampf gegen Kinderpornografie in MV: Spezialbeamte wie Matthias Ritter in Rostock ermitteln Personen, die solches Material herstellen oder konsumieren. Quelle: Wüstneck/dpa
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Rampe/Rostock

Kampf gegen Kinderpornografie: Ermittler aus MV sind weltweit Kriminellen im Netz auf der Spur. Ein Fall aus 2018 führte die Ermittler zu einem Kinderpornoring, der in Russland seinen Ursprung hatte. Die Operation „Mischka“ sorgte dafür, dass ein Tatverdächtiger gefasst werden konnte, der mit 300 000 Bildern und Tausenden Videos auf seiner verdeckten Seite handelte und für seine Machenschaften um Spenden in Form von Bitcoins bat. In dem Fall konnten weitere 15 Tatverdächtige aus 27 Ländern identifiziert werden.

Den ersten anonymen Hinweis zu dem Drahtzieher bekamen die Ermittler im Oktober 2017. Dieser führte sie zu einem sogenannten Tornetzwerk. Der genutzte Tor-Browser sorgt dafür, dass für den Nutzer keine eigene IP-Adresse vergeben wird. „Das verschafft den Kriminellen eine gewisse Anonymität“, sagt Ermittler Stefan Gaefke.

Russen erwarten zehn Jahre Höchststrafe

Über eine schwedische Firma, deren Bildergaleriesoftware der Tatverdächtige nutzte, konnten die Spezialisten die russische IP-Adresse dennoch ermitteln. Die Polizisten gelangten damit auf die Seite eines populären sozialen Netzwerk in Russland. Dort erschienen ein Bild von dem Mann sowie Geburtsdatum und andere Details aus seinem Leben. „Es gab dann ein Arbeitstreffen in Russland und wir haben den Fall den Behörden übergeben“, sagt Gaefke. 2018 wurde der 30-Jährige angeklagt. Die Höchststrafe, die ihn dort erwartet, seien zehn Jahre.

Für die Ermittler aus MV läuft die Spurensuche indes weiter. „Wir haben uns die Spenderliste genau angeschaut, und die Leute ermittelt, die Bitcoins für die kinderpornografischen Zwecke überwiesen hatten“, erläutert Stefan Gaefke. Auch die Mailkontakte des Russen werden immer noch durchforstet. 300 Adressen müssen analysiert werden, die Ermittlungen dauern an. Hier kamen die Beamten bereits sieben Deutschen, 25 US-Amerikanern, sieben Russen, sechs Briten und sechs Brasilianern auf die Spur. „Wir geben die Ergebnisse an die jeweiligen Ländern weiter“, sagt er. Was herauskomme, sei noch offen.

Online Hinweise geben

Wer Hinweise auf kinderpornografisches Material oder sexuellen Missbrauch geben möchte, kann das in der Online-Meldestelle „Netzverweis“ des LKA tun. Das Ganze ist auch anonym möglich. Die Hinweise nehmen laut LKA inzwischen einen großen Anteil der Arbeit ein. Viele Fälle – wie auch die beiden oben erzählten – gehen auf Anzeigen des Portals zurück. 546 Hinweise gab es im Jahr 2018.

Liegt auch ein sexueller Missbrauch vor?

Ein wichtiger Aspekt bei der Verfolgung von Kinderpornografie sei es, herauszufinden, ob auch ein sexueller Missbrauch zu vermuten sei, betont Jörg Bruhn, Dezernatsleiter für Cyberkriminalität beim Landeskriminalamt MV. Tausende schwer zu ertragende Fotos und Videos müssen sich die Cyber-Crime-Spezialisten der Polizei im Internet anschauen, wenn sie sich auf den Pfaden der Kinderpornografie-Szene bewegen. Dabei achten die Beamten genau auf die Details der Fotos, von der gemusterten Tapete bis zum Schreibtisch im Hintergrund.

In einem Fall des vergangenen Jahres hat ein Beamter in einem Tornetzwerk – als Teilnehmer getarnt – versucht, mit einem Verdächtigen ins Gespräch zu kommen, schildert Gaefke. Das gelang ihm so gut, dass er den Mann dazu überreden konnte, eine andere weniger anonyme Plattform zu nutzen. Der Täter gestand, dass er Zugriff auf ein Kind habe, dass er missbrauche. Die Polizei ermittelte seinen Wohnort und nahm den Mann zu Hause fest. „Das Ganze spielte in einem anderen Bundesland. Seine Frau und zwei Kinder kamen in Obhut des Jugendamtes“, berichtet Gaefke. In diesem Fall habe neben der Kinderpornografie auch ein sexueller Missbrauch aufgedeckt werden können. Seit 2019 sitzt der Mann nun in Haft und wartet auf seinen Prozess.

Drahtzieher sitzen häufig im Ausland

Fälle mit Kinderpornografie nehmen seit Jahren stark zu: 2018 gab es laut LKA MV 405 Fälle von Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Im Vorjahr waren es noch 217. Immer häufiger würden auch Fälle registriert, in denen auf den Videos Kinder sexuelle Handlungen an anderen Kindern vornehmen, schildert Bruhn. Häufig säßen die Verantwortlichen letztlich aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in anderen Bundesländern oder im Ausland. Die Cyber-Crime-Polizisten arbeiten mit anderen Abteilungen und Behörden im Verbund.

Grund für die starke Zunahme der Zahlen sei allerdings vor allem ein Gesetz in den USA, sagt Polizeioberrat Bruhn. Seit 2012 sind amerikanische Provider wie Google oder Yahoo verpflichtet, kinderpornografisches Material zu melden. Beispielsweise wenn es in Mails vorkommt. Wenn die Spuren nach Deutschland führen, landen die Informationen beim BKA in Berlin. Und später in den Bundesländern.

LKA-Chef sieht Gesetzeslücke in Deutschland

LKA-Chef Ingolf Mager findet, dass es in Deutschland eine Gesetzeslücke gibt. Er wünsche sich – wie in den USA – eine Verpflichtung für Provider, Daten zu filtern und auf Kinderpornografie zu checken. Bislang sei eine Vorratsdatenspeicherung nicht erlaubt.

Virginie Wolfram

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