Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Keine Angst vor Erster Hilfe in Schulen: MV ist Vorreiter
Nachrichten MV aktuell Keine Angst vor Erster Hilfe in Schulen: MV ist Vorreiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:09 05.06.2019
Bei einem Atemstillstand zählt jede Sekunde. Ersthelfer sollten daher schnell mit einer Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen, bis die Rettungskräfte eintreffen und übernehmen. Quelle: Benjamin Nolte/dpa
Anzeige
Rostock

 Tausende Schüler verunglücken in Mecklenburg-Vorpommern jährlich in der Schule oder auf ihrem Weg dorthin. In der zweiten Hälfte des vergangenen Schuljahres ereigneten sich rund 8800 Unfälle, bei denen eine ärztliche Behandlung nötig war. In schweren Notfällen, bei denen ein Rettungswagen gerufen werden muss, zählt für das Opfer oft jede Sekunde. Bis der Notarzt eintrifft, sind dann vor allem die Erste-Hilfe-Maßnahmen von Lehrern und Mitschülern entscheidend.

Schüler erlitt Hirnschaden nach Unfall im Sportunterricht

Die kommen dem Verunglückten allerdings nicht immer zu Hilfe. Das zeigt der Fall eines 18-jährigen Schülers aus Hessen, der 2013 im Sportunterricht plötzlich einen Atemstillstand erlitt. Die Sportlehrerin verständigte zwar die Rettungsleitstelle, unternahm aber keine Erste Hilfe. Der Junge wurde vom Notarzt wiederbelebt, trug aber einen irreversiblen Hirnschaden davon. Er ist seitdem schwerbehindert. Der Bundesgerichtshof entschied im April 2019 über diesen Fall. Im Urteil hieß es, es sei eine Verletzung der Amtspflicht, wenn Lehrer, anstatt Erste Hilfe zu leisten, nur den Notarzt riefen.

Schulen erhalten regelmäßig Unterstützung

Laut Bildungsministerium gibt es in den Schulen von MV keine derartigen Probleme. Es gilt die Vorschrift, dass ein Schulleiter ab einer Anzahl von 20 Beschäftigten fünf Ersthelfer bereitstellen muss. Ausgebildet werden zudem auch alle Lehrer, die Sport, Naturwissenschaften sowie das Fach Arbeit Wirtschaft Technik unterrichten. Ministeriumssprecher Henning Lipski erklärt: „Damit sind an allen öffentlichen Schulen wesentlich mehr Beschäftigte als Ersthelfer ausgebildet, als der Gesetzgeber verlangt.“

Maik Walm, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), bestätigt: „Die Vorgaben des Ministeriums werden in jedem Fall erfüllt, oft sogar darüber hinaus.“ Um die Einhaltung zu kontrollieren, werden alle Schulleiter regelmäßig von der Schulaufsicht geschult und informiert. Zudem erhalten die Schulen Unterstützung und Beratung vom Institut für Qualitätsentwicklung MV zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

MV ist bundesweiter Vorreiter

In Sachen Erste Hilfe in der Schule sei das Land MV bundesweiter Vorreiter, erklärt Dr. Gernot Rücker von der Universitätsmedizin Rostock. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Schülerwiederbelebung beim Deutschen Rat für Wiederbelebung und unterstützt das Schulprojekt „Retten macht Schule“, das 2010 von der Björn Steiger-Stiftung, dem Kultusministerium und der Uni Rostock in MV ins Leben gerufen wurde. Im Zuge dieses Projekts werden Schüler ab der siebten Klasse in Wiederbelebung unterrichtet.

„MV hat in diesem Rahmen bisher weit über 60 000 Schüler in der Wiederbelebung ausgebildet“, berichtet Rücker. „Es gilt damit als Vorzeigeprojekt.“ So empfahl die Kultusministerkonferenz 2014, dies in ganz Deutschland einzuführen. Die gesetzlichen Vorlagen in MV seien vorbildlich. Dass Lehrkräfte ihre Erste-Hilfe-Ausbildung alle drei Jahre wiederholen müssen, sei auch ausreichend. Der Fokus sollte besonders auf die Ausbildung der Schüler gelegt werden. „Wir bräuchten keine Ersthelfer mehr, wenn das alle Schüler könnten“, sagt Rücker. „Um Ängste abzubauen, ist es wichtig, möglichst früh mit dem Wiederbelebungsunterricht einzusteigen.“

Erste Hilfe: 5 wichtige Tipps

Wenn der Patient bewusstlos ist, aber atmet, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dafür kniet sich der Ersthelfer zunächst neben ihn. Der nahe Arm des Opfers wird nach oben angewinkelt. Der andere Arm wird vor der Brust gekreuzt und die Handoberfläche an die Wange gelegt. Der Ersthelfer beugt das ferne Bein und zieht den Patienten daran zu sich, so dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt. Damit die Atemwege frei sind, muss der Hals überstreckt werden.

Wenn bei dem Opfer bereits ein Atemstillstand eingetreten ist, muss umgehend eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden. Dabei wird der Brustkorb dreißig Mal gedrückt, immer im Wechsel mit zwei Beatmungen – Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase.

Wenn das Opfer Probleme in der Brust hat, wie Atemnot, Schmerzen oder Husten, muss der Oberkörper hoch gelagert werden. Enge Kleidungsstücke, wie Gürtel oder Krawatten, sollten gelockert oder entfernt werden.

Hat der Patient offene Wunden, ist es wichtig, als Ersthelfer Handschuhe zu tragen, um sich selbst zu schützen. Dann sollte ein Verband aus keimfreiem Material angelegt werden. Blutet das Opfer sehr stark, muss die Arterie abgedrückt werden.

Zudem muss in jedem Fall der Notruf 112 gewählt werden. Die lebenswichtigen Funktionen, wie Atmung und Pulsschlag, müssen ständig kontrolliert werden. Außerdem sollten Ersthelfer unbedingt dafür sorgen, dass das Opfer seine Körperwärme aufrechterhält. Dabei hilft zum Beispiel eine Rettungsdecke.

Viele Menschen schrecken vor Erster Hilfe zurück

Rücker betont, das Problem liege weniger bei Ersthelfern in, sondern viel mehr außerhalb der Schule. Bei Unfällen auf der Straße oder daheim schrecken viele Menschen davor zurück, Erste Hilfe zu leisten. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie fand heraus, dass nur 42 Prozent aller Ersthelfer bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand mit der Wiederbelebung beginnen. Hintergrund ist eine Auswertung von 11 800 Rettungseinsätzen in der jüngeren Vergangenheit.

„Da ist noch viel zu tun“, sagt Berenike Matern, Sprecherin des Johanniter-Landesverbandes Nord. „Deshalb klären wir in unseren Erste-Hilfe-Kursen auch schon in Schulen über die wichtigsten Handgriffe auf.“ Wichtig sei dabei, die Menschen so praxisnah zu schulen, dass sie sich im Notfall tatsächlich trauen, Erste Hilfe zu leisten. „Wir sind überzeugt, dass die Schule der richtige Weg ist, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, sagt Matern. So lernen die Jugendlichen Erste Hilfe nicht nur für die Schule, sondern für das Leben.

Mehr zum Thema:

Greifswald: 500 Schüler lernen Leben retten

DRK-Jugendwettbewerb: Doberaner in zwei Altersstufen spitze

Rettungsschwimmer starten in die Saison

Rabea Osol

Am Freitag ist er wegen Mordes verurteilt worden, nun legte sein Anwalt Revision ein. Der junge Mann, der einen schlafenden Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) getötet haben soll, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er geht nun gegen die Entscheidung des Gerichts vor.

29.05.2019

74 Castor-Behälter sollen ab 2025 aus ZLN umgelagert werden.

29.05.2019

Sekundenschlaf könnte die Ursache für einen Unfall sein, der sich am Mittwochmorgen auf der A 19 kurz vor Rostock ereignet hat. Für Aufräumarbeiten wird die Autobahn zwischen Laage und Kavelstorf bis zum frühen Nachmittag gesperrt bleiben.

29.05.2019