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MV aktuell Ertrunkene Lina (10): Die schwere Frage nach der Schuld
Nachrichten MV aktuell Ertrunkene Lina (10): Die schwere Frage nach der Schuld
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19:04 05.06.2019
Am Dienstag blieb der Tessiner Südsee geschlossen. Am Montag war hier ein zehnjähriges Mädchen ertrunken.  Quelle: Doris Deutsch
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Tessin/Schwerin

Trauer, Wut, Unverständnis: Das tragische Badeunglück in Tessin, bei dem die zehnjährige Lina in einem Freibad ertrank, wühlt viele Menschen emotional auf. Verschiedene Versionen über den Ablauf des Geschehens häufen sich. Es gibt mittlerweile die Aussage einer Frau gegenüber der OZ, die nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des Vorfalls im Freibad war und behauptet, dass Ersthelfer den leblosen Körper aus dem Wasser gezogen haben.

Nach bisherigen Angaben der Gemeinde hatte der Bademeister das Kind geborgen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, geht unter anderem einer Sprachnachricht nach, die unter Schülern kursiert und schwere Vorwürfe gegen den Bademeister erhebt. Andererseits ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Rostock nun doch die Mutter des Mädchens während des Unglücks im Freibad gewesen.

Am Montag ist ein Mädchen im Tessiner Südsee ertrunken. Die ganze Stadt ist betroffen und zeigt ihre Anteilnahme mit Rosen am Unglücksort.

„Niemand kann jede Minute alles im Blick haben“

Die schwierige Frage, die im Raum steht: Wer hat Schuld am Tod des Mädchens oder wer hätte ihn verhindern können? „Ich selbst habe so einen Fall noch nicht gehabt“, sagt Oberstaatsanwalt Harald Nowack. „Natürlich haben sowohl der Bademeister als auch die Mutter die Aufsichtspflicht. Doch niemand kann jede Minute alles im Blick haben.“ Solche Fälle seien immer individuell, weshalb allen Fakten nachgegangen werde, um zu prüfen, wo eine Pflichtverletzung stattgefunden haben könnte.

Laut Thomas Powasserat, Bereichsleiter Wasserwacht beim Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes Mecklenburg-Vorpommern (DRK), haben Rettungsschwimmer und Bademeister die Pflicht, den Badebetrieb und damit auch das Geschehen im Wasser zu beobachten und mögliche Gefahren zu erkennen. „Aber niemand kann verlangen, dass die Rettungsschwimmer oder Bademeister jeden einzelnen Badenden im Blick haben können.“

Eltern entscheiden über Freiheiten der Kinder

Der Bundesgerichtshof hat dazu im November 2017 ein entsprechendes Urteil gefasst. Es verpflichtet die Aufsichtspersonen in einem Schwimmbad oder am Strand aber auch dazu, in Notfällen für rasche und wirksame Hilfeleistung zu sorgen. „Ansonsten drohen Strafen, schließlich sind die Rettungsschwimmer und Bademeister dafür da. Sie haben sich der besonderen Verantwortung verpflichtet, der sie nachkommen müssen“, erklärt Powasserat weiter.

Er betont aber auch: „Die Aufsichtspflicht haben immer die Eltern, auch wenn sie ihre Kinder allein ins Freibad, an den See oder die Ostsee gehen lassen. Sie müssen einschätzen können: Kann mein Kind schwimmen, wenn nicht, geht es nicht allein ins Wasser, kennt es seine Grenzen? Diese Entscheidung kann niemand anderes den Erziehungsberechtigten abnehmen.“ Dem DRK-Bereichsleiter ist aber auch wichtig: „Wer inwieweit nun die Aufsichtspflicht im Fall in Tessin verletzt hat, will ich nicht einschätzen.“

Bademeister haben keine rechtliche Handhabe

Die Rettungsschwimmer und Bademeister seien da, wenn etwas passiert. Sie seien aber nicht dafür verantwortlich, dass etwas passieren kann. „Wir haben keine rechtliche Handhabe, sondern können nur auf Gefahren hinweisen oder darum bitten, dass riskantes Verhalten gelassen wird“, erklärt Thomas Powasserat.

Kontrollen, dass beispielsweise Kinder ihr Können mit Schwimmabzeichen nachweisen müssen, hält er für schwierig. „Das ist eine gute Idee, aber am Strand nicht umsetzbar. Selbst an überschaubaren Orten bleibt die Frage: Ist das dann wirklich das Seepferdchen oder das Jugendschwimmabzeichen des Kindes? Schließlich haben die Unter-16-Jährigen noch keine Ausweise.“

Freibäder kontrollieren keine Schwimmnachweise

Im Freibad Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg) werden solche Kontrollen auch nicht durchgeführt. „Bei sehr jungen Kindern behalten wir es uns aber vor, sie wegzuschicken und sie gern mit ihren Eltern zusammen reinzulassen“, sagt Holger Schmolinski von „Unser Freibad Grevesmühlen“. Ansonsten sorgen Absperrungen im Wasser und Rettungsschwimmer für Sicherheit im und am Wasser.

Ähnlich sieht es auch an der Badestelle in Eldena bei Greifswald aus. „Badestellen sind nicht dazu verpflichtet, einen Rettungsschwimmer zu haben, wir haben trotzdem einen vor Ort, der für die Sicherheit sorgt“, sagt Klaus Schult vom städtischen Immobilienverwaltungsamt, welches das ehemalige Strandbad bewirtschaftet.

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Ann-Christin Schneider

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