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MV aktuell „Es war sehr schön“: Deshalb tritt Sellering jetzt ab
Nachrichten MV aktuell „Es war sehr schön“: Deshalb tritt Sellering jetzt ab
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20:23 10.10.2019
Erwin Sellering (SPD), der frühere Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, verlässt nach einer Pressekonferenz zu seinem Rückzug aus der Politik die SPD-Fraktion im Landtag. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp
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Schwerin

Nach neun Jahren als Ministerpräsident und acht als Minister in der Landesregierung sagt Erwin Sellering (SPD) der Politik nun endgültig Adieu. Eine Krebserkrankung hatte ihn bereits 2017 dazu gezwungen, sein Amt als Regierungschef abzugeben, ohne dies lange planen zu können. Das Landtagsmandat hatte er zunächst behalten.

„Es war sehr schön, nach der Zeit als Ministerpräsident noch zwei Jahre als Abgeordneter politisch tätig zu sein. Aber ich werde in diesem Monat 70, und ich finde, das ist ein passender Moment, um von der aktiven Politik Abschied zu nehmen“, betonte er am Donnerstag während einer eilig einberufenen Pressekonferenz, deren inhaltlichen Schwerpunkt die SPD-Fraktion in der Einladung nicht genannt hatte – ein sicheres Zeichen dafür, dass Politiker persönliche Dinge verkünden wollen.

Gerüchte über Gründe für eiligen Termin

Bereits vor dem Termin war gemunkelt worden, der Grund für den plötzlich zu verkündenden Rückzug könnte eine Rückkehr seiner Krebserkrankung sein, die ihn im Mai 2017 gezwungen hatte, das Regierungsamt und den SPD-Landesvorsitz abzugeben. Sellering trat dem rasch entgegen: „Soweit man das bei so einer Erkrankung sagen kann, bin ich vollständig gesund und ich fühle mich auch sehr fit. Vor allem die Lebensfreude ist da.“

Der Grund für den überraschenden Termin sei vielmehr der Kommunikationsfreudigkeit der SPD geschuldet. Ursprünglich habe er seine Renteneintrittspläne erst am kommenden Montag verkünden wollen. Sie waren vorab durchgesickert, „und ich möchte nicht, dass wir bis Montag Spekulationen erleben“.

„Keine klugen Ratschläge aus dem Off“

Sellering zieht es nun ins Private. Auch seine Partei will er von öffentlichen und vielleicht gar gut gemeinten Ratschlägen verschonen. „Wir haben in der Bundespolitik genug negative Beispiele dafür, dass sich Leute zu Wort melden und ihren Nachfolger kritisieren. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt, einfach immer den Mund zu halten.“

Ein Seitenhieb auf den früheren SPD-Parteichef Sigmar Gabriel, der sich aus seinem Häuschen in Goslar zu beinahe allem äußert, was in der Partei diskutiert wird. Innerhalb der SPD reagiert inzwischen nicht nur die Führungsriege genervt darauf. Sellering: „Ich möchte keine klugen Ratschläge aus dem Off geben.“

Sein Sohn überrascht ihn immer wieder

Erwin Sellering war 1994 aus Nordrhein-Westfalen als Verwaltungsrichter mit seiner damaligen Ehefrau und den zwei Töchtern nach Greifswald gekommen. Im gleichen Jahr trat er in die SPD ein, deren Landesvorsitzender er von 2007 bis 2017 war. 2000 wurde er zunächst Justiz- und anschließend Sozialminister. Acht Jahre später folgte Sellering Harald Ringstorff als Ministerpräsident in die Staatskanzlei. Er blieb Regierungschef, bis der Krebs kam.

Zu seinen politisch-inhaltlichen Eckpunkten zählen das Engagement für das Ehrenamt und sein Bemühen für die deutsch-russische Verständigung, die ihm bei aller Popularität auch Kritik bescherte. Den Vorsitz des von ihm gegründeten Vereins zur Förderung der deutsch-russischen Partnerschaft werde er behalten. Auch im Aufsichtsrat der Festspiele MV bleibe er. „Das sind zwei Bereiche, die mir sehr am Herzen liegen und die für dieses Land große Bedeutung haben.“

Menschen sollen sich in MV wohlfühlen und stolz sein

Kurz nachdem er Ministerpräsident geworden war, ging seine erste Ehe in die Brüche. Kurz darauf heiratete Sellering seine zweite Frau Britta. Beide haben einen Sohn, der nun noch mal deutlich mehr Aufmerksamkeit von seinem Vater erwarten darf. Sellering: „Mein Sohn ist gerade fünf geworden. Wir haben sehr interessante Gespräche. Das ist ein Alter, in dem man immer wieder überrascht wird.“

Es sei stets sein politischer Antrieb gewesen, zu erreichen, dass die Menschen sich in Mecklenburg-Vorpommern wohlfühlen und „stolz sein können auf das, was sie seit der Wende geschafft haben“. Dies sei ihm gelungen. Noch 2008 hätten nur etwa 60 Prozent erklärt, stolz auf das Land zu sein und gerne hier zu leben. „Jetzt sind wir seit Jahren konstant bei über 90 Prozent.“

Schwesig bedauert seinen Rückzug

An die Menschen in Vorpommern gerichtet, die sich angeblich gern öfter etwas lauter darüber beschweren, in Schwerin vergessen zu werden, betonte er: „Ich würde den Vorpommern sagen: Wenn man klagt, führt das nicht immer dazu, dass auch Leute kommen und helfen.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bedauerte den Rückzug ihres Vorgängers im Amt: „Es ist schade, aber auch absolut nachvollziehbar, dass Erwin Sellering sein Landtagsmandat zu seinem 70. Geburtstag zurückgibt“. Er habe „als Ministerpräsident Großartiges für Mecklenburg-Vorpommern geleistet“.

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Von Benjamin Fischer

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