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MV aktuell Essen aus dem Müll: Linke fordern Legalisierung des Containerns in MV
Nachrichten MV aktuell Essen aus dem Müll: Linke fordern Legalisierung des Containerns in MV
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20:32 05.06.2019
Hanna Balster (24) bezeichnet sich selbst als Containerin. Oftmals findet sie genießbare Lebensmittel in den Müllcontainern verschiedener Supermärkte, wie hier in der Rostocker Südstadt. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Etwa 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen. Allein in MV landen 360 000 Tonnen im Müll, pro Kopf entspricht das 224 Kilo. Damit gehört das Land zu den Spitzenreitern in Sachen Lebensmittelverschwendung, wie aus einer Studie der Umweltstiftung WWF hervorgeht. Nachdem Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Bündnis 90/Die Grünen) am vergangenen Freitag den Vorschlag gemacht hatte, das Mitnehmen weggeworfener Nahrungsmittel (Containern) straffrei zu machen, wird dieses Thema auch in MV diskutiert. In Lübeck befassen sich damit bis Donnerstag die Justizminister der Länder.

„Ich begrüße den Vorstoß des Hamburger Senators“, sagt Claudia Schulz, Landesvorsitzende der Grünen. „Das System in Deutschland ist völlig absurd: Lebensmittel zu vernichten ist legal. Doch jemand, der Lebensmittel nutzt, die vernichtet würden, wird bestraft.“ MV hinke bundesweit bei der Eindämmung von Lebensmittelverschwendung hinterher.

Wegwerfen bestrafen

Das bestätigt Jacqueline Bernhardt, Landtagsabgeordnete der Linken: „Seit Jahren wird auf Dialoge und Diskussionen gesetzt. Währenddessen geht das Verschwenden von Lebensmitteln munter weiter. Die Landesregierung ist im Standby-Modus. Damit muss endlich Schluss sein.“ Bernhardt fordert vehement: Das Wegwerfen sollte verboten und unter Strafe gestellt, das Containern erlaubt werden.

Elisabeth Aßmann, umwelt- und agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, äußert sich dagegen kritisch: „Wer haftet, wenn durch Lebensmittel aus dem Müll jemand zu Schaden kommt? Obendrein stellt Containern immer auch Diebstahl dar, denn der Inhalt der Mülltonnen gehört den Betrieben.“ Ohne weiteres könne sie die Legalisierung nicht befürworten. Die SPD-Bundestagsfraktion prüfe jedoch rechtlich die Praxis des „Containerns“.

Voller Kühlschrank durch Containern

Obwohl sie damit juristisch gesehen eine Straftat beging, containerte Caroline R. über einen längeren Zeitraum. „Ich ging immer samstags auf Tour. Dann schmeißen die Supermärkte am meisten weg“, berichtet die gebürtige Rostockerin. Unmengen von Backwaren, Gemüse, Obst und Schokolade waren regelmäßig ihre Ausbeute von Edeka und Aldi. „Finanziell war ich zu dieser Zeit nicht gut aufgestellt. Durch das Containern war mein Kühlschrank allerdings immer voll und ich konnte sogar noch etwas an Freunde verschenken“, erzählt Caroline. Das Wegwerfen von Lebensmitteln sei der 30-Jährigen „ein Graus“.

So geht es auch Heike Fraaß, Marktleiterin des Rewe-Supermarktes in Grevesmühlen: „Es tut mir in der Seele weh, wenn etwas weggeschmissen werden muss.“ Daher versuche sie, in ihrem Markt so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. Der noch verwendbare Teil der aussortierten Lebensmittel geht zudem an die Tafel. Der Edeka-Markt Zöllick in Rostock handhabt das genauso, sagt Inhaber Robert Zöllick. Probleme mit Diebstahl in Form des Containerns haben die beiden Märkte nicht, da die Mülltonnen unzugänglich verschlossen seien. „Bei uns würde man gar nichts Genießbares finden, da alles Verwertbare an die Tafel geht“, beteuert Jens Meier, Leiter des Edeka-Marktes in Wismar.

Tafeln übernehmen Verantwortung

Beate Kopka, Leiterin der Rostocker Tafel, bestätigt, dass sie durch die Supermärkte gut versorgt werde: „Wir bekommen täglich fünf bis acht Tonnen Lebensmittel, von denen wir 1,5 bis drei Tonnen aussortieren.“ Dennoch äußert sie Kritik: „Molkereiprodukte und Lebensmittel, wie Fleischwürste, bekommen wir kaum. Diese werden tonnenweise weggeworfen.“ Dabei übernehme die Tafel die Verantwortung für die Qualität der Produkte, sobald sie vom Supermarkt abgeholt werden.

Ein Problem für die Tafeln sieht Kopka nicht, sollte das Containern legalisiert werden: „Unsere Lebensmittel kommen ja nicht aus dem Müll, sondern werden für uns zur Seite gestellt.“ Die Grünen-Vorsitzende Claudia Schulz findet, es sollten noch viel mehr Waren kostenlos an gemeinnützige Organisationen abgegeben werden.

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Maria Baumgärtel

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