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MV aktuell Feuerball über der Seenplatte: Eurofighter-Pilot stirbt bei Absturz
Nachrichten MV aktuell Feuerball über der Seenplatte: Eurofighter-Pilot stirbt bei Absturz
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22:03 24.06.2019
Ein brennender Eurofighter stürzt bei Malchow ab. Bei einer Übung sind am Montag zwei Maschinen der Luftwaffe zusammengestoßen. Quelle: Thomas Steffan/dpa
Nossentiner Hütte

Katastrophe am Himmel über Mecklenburg-Vorpommern: Zwei Eurofighter-Jets vom Fliegerhorst Rostock-Laage sind am Montag bei einer Luftkampfübung über der Müritzregion zusammengestoßen und abgestürzt. Beide Piloten konnten noch den Schleudersitz betätigen. Einer von ihnen starb, der andere wurde verletzt in die Uni-Klinik Rostock eingeliefert. Laut Bundeswehr war es das schwerste Unglück dieser Art der vergangenen Jahre. Zivilpersonen wurden nicht verletzt.

„Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Abend in Nossentiner Hütte, wo eines der beiden Flugzeuge abgestürzt war. Sie kündigte eine Aufklärung des Vorfalls an.

Das Unglück in Bildern

Beim Absturz von zwei Eurofightern der Luftwaffe in Mecklenburg-Vorpommern ist einer der beiden Piloten ums Leben gekommen. Der zweite überlebte das Unglück am Montag und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Maschinen stießen bei Luftkampfübungen zusammen und stürzten ab.

Der Zusammenstoß ereignete sich gegen 14 Uhr bei einer Luftkampf-Übung, an der insgesamt drei Flugzeuge beteiligt waren. Der Pilot des dritten Flugzeugs sah noch die geöffneten Fallschirme der beiden Schleudersitze. Zahlreiche Zeugen in der Urlaubsregion registrierten einen doppelten Knall und einen Feuerball. Einsatzkräfte entdeckten einen der Piloten eine dreiviertel Stunde nach dem Absturz in einer Baumkrone und retteten ihn. Der andere konnte nach knapp zwei Stunden in der Nähe von Jabel nur noch tot geborgen werden.

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Ursache der Kollision unklar

An Bord der Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ befand sich laut Luftwaffe keine Munition. Was genau den Zusammenstoß auslöste, ist noch unklar. Die Übung lief laut Bundeswehr bereits 20 Minuten, als es zu der Kollision kam. Von der Leyen sprach von einer „Berührung“ der beiden Flugzeuge. Nach OZ-Informationen verhängte die Luftwaffe ein Verbot über Geschwader-Angehörige, sich öffentlich zu äußern. Luftkampf-Übungen sind ein Schwerpunkt des Ausbildungsstützpunktes Rostock-Laage und finden nahezu täglich statt.

Vom Prestigeobjekt zum Problemjet

Der Eurofighter ist ein von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelter Kampfjet. Die Luftwaffe der Bundeswehr unterhält nach eigenen Angaben 140 Maschinen. Der typischerweise einsitzige Jet ist 15,9 Meter lang und fliegt mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann sowohl für Luft-Luft- als auch für Luft-Boden-Kämpfe bewaffnet werden.

Um das einstigeeuropäische Prestigeprojekt gab es unter anderem in Deutschland lange politische Diskussionen. So wurden neben den Anschaffungskosten von mehr als 100 Millionen Euro pro Jet mehrmals technische Mängel an dem Flugzeug kritisiert. Deutschland hatte 2015 deshalb die Abnahme weiterer Flugzeuge kurzfristig ausgesetzt.

Auf den Exportmärkten wird der Eurofighter als „Typhoon“ vermarktet. Nach Hersteller-Angaben wurden bisher mehr als 500 Eurofighter an sieben Länder ausgeliefert: Neben den vier Entwicklerländern sind das Österreich, der Oman und Saudi-Arabien.

Bürgermeisterin für Ende der Übungsflüge

Birgit Kurth, parteilose Bürgermeisterin der 700-Einwohner-Gemeinde Nossentiner Hütte, sprach sich angesichts des Unglücks für ein Ende der Übungsflüge aus. „Es hätte noch viel mehr passieren können“, sagt sie der OZ, etwa ein Absturz in bewohntem Gebiet oder ein unkon­trollierbarer Waldbrand im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Eine Einstellung der Übungsflüge sei allein Sache der Bundeswehr, erklärte Caffier.

„Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Zahlreiche Politiker äußerten ihre Trauer. Scharfe Kritik löste der AfD-Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn aus, der sinngemäß getwittert hatte, das „Gute“ an dem Zusammenstoß sei, dass es nur noch ein Flugzeug gebe und Kollisionen nun nicht mehr möglich seien. FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff forderte ihn zum Rücktritt auf.

 

So funktioniert ein Schleudersitz

Durch das Ziehen eines Griffes am Sitz aktiviert der Pilot im Notfall den Schleudersitz. Das Dach der Pilotenkanzel wird abgesprengt, der Sitz durch eine spezielle Treibladung in die Höhe geschossen. Sie entwickelt einen Schub vom bis zu 16-fachen der Erdbeschleunigung. Dadurch wirken auf den Körper extreme Kräfte. Der ganze Prozess dauert maximal drei Sekunden. Sobald der Sitz unter 5000 Meter gesunken ist, wird der Hauptfallschirm geöffnet und der Sitz abgetrennt. Ein automatisch aktivierter Notfallsender erlaubt die Ortung, selbst wenn der Pilot bewusstlos sein sollte.

Erfunden wurdedie lebensrettende Technik vom Luftfahrtpionier Arno Geertz (1908 - 1974) bei den Rostocker Heinkelwerken. Anfang 1943 katapultierte sich der Versuchspilot Rudolf Schenk erfolgreich aus dem Prototyp des Düsenjets He 280.

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