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MV aktuell Eurofighter-Absturz: Diskussion um Schleudersitz
Nachrichten MV aktuell Eurofighter-Absturz: Diskussion um Schleudersitz
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09:22 28.06.2019
Fachleute der Bundeswehr bei der Bergung eines Wrackteils im Wald am Fleesensee. Quelle: Luftwaffe
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Nossentiner Hütte

Bei der Aufklärung des Eurofighter-Absturzes werden Fragen zu den Schleudersitzen laut. In den ersten Mitteilungen nach dem Unglück hatte die Luftwaffe noch angegeben, das beide Piloten vor dem Absturz ihrer Maschinen „ausgestiegen“ sind. Der Pilot der dritten Maschine sah demnach die Fallschirme der beiden Schleudersitze am Himmel. Doch es überlebte nur ein Pilot. Ein 27-jähriger Oberleutnant kam ums Leben, während sein Ausbilder, der den anderen Jet steuerte, leicht verletzt wurde. Die beiden Flugzeuge des Geschwaders 73 „Steinhoff“ aus Rostock-Laage waren am Montag bei einer Kampfübung kollidiert und über der Gemeinde Nossentiner Hütte am Fleesensee abgestürzt.

Prallte der Schleudersitz gegen andere Maschine?

Beim „Ausstieg“ des jüngeren Fliegers ging offenbar etwas schief. Davon geht der frühere Kampfflieger Thomas Wassmann, Vorsitzender des Verbands der Besatzungen strahlgetriebener Kampfflugzeuge, aus. Seiner Meinung nach kommen mehrere Erklärungen für den Tod des jungen Piloten in Betracht: „Möglicherweise war das Flugzeug beim Zusammenstoß beschädigt worden, weshalb der Schleudersitz nicht mehr richtig funktionierte“, sagt der frühere Waffensystemoffizier der OZ. Ebenfalls möglich wäre es, dass der Schleudersitz zwar auslöste, aber auf ein Hindernis stieß, zum Beispiel gegen den zweiten Kampfjet oder die geschlossene Dachhaube der eigenen Maschine, die sich normalerweise vorher öffnet.

Unfall als dreidimensionales Modell

Der Experte geht fest davon aus, dass die Unfallursache aufgeklärt wird. Mit Hilfe der Flugschreiberdaten lasse sich ein dreidimensionales Modell des gesamten Vorfalls rekonstruieren. Ein Zusammenstoß in der Luft sei extrem selten, nicht zuletzt weil unter Kampffliegern die „heilige Regel“ eines Sicherheitsabstands von mindestens 1000 Fuß (305 Meter) gelte. Bis es zu einem Absturz komme, müsse noch mehr passieren, als diese Distanz zu unterschreiten, etwa ein technischer Defekt, so Wassmann. Verglichen mit dem Autofahren entspräche das ungefähr dieser Situation: Ein langsameres Fahrzeug zieht von der rechten Seite plötzlich auf vor ein anderes auf die linke Überholspur, bremst dabei und es platzt ein Reifen.

Kritik am Flugstopp

Wenig Verständnis hat der 51-Jährige für die Entscheidung der Geschwader-Leitung in Laage, den Flugbetrieb für mehrere Tage auszusetzen. Früher war es üblich gewesen, gleich am nächsten oder spätestens nach zwei Tagen wieder zu fliegen. Das helfe mehr bei der Bewältigung des Vorfalls als Nichtstun. Tödliche Abstürze waren früher weitaus häufiger: Ab Mitte der 1960er Jahre starben 108 Bundeswehrpiloten bei Abstürzen des Kampfjets „Starfighter“ sowie bis 2004 33 weitere mit dem „Tornado“. Der Eurofighter flog seit 15 Jahren bei der Bundeswehr havariefrei, der Absturz vom Montag war der erste.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Luftwaffe hatte der OZ bestätigt, dass an einem Eurofighter-Wrack Explosionsmaterial eines Rettungssystems gefunden wurde. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg Ermittlungen zum Absturz aufgenommen. Angesichts des Gefährdungspotenzials des Unfalls sei das normal, heißt es in Bundeswehrkreisen. Die beiden Wracks sollen in den kommenden Tagen abtransportiert und in Laage untersucht werden.

Fahrzeuge der Feuerwehr brauchen Dekontamination

Die freiwilligen Feuerwehren aus Malchow, Nossentiner Hütte und Silz waren als erstes vor Ort nach dem Absturz. Ihre Fahrzeuge seien möglicherweise kontaminiert, vermeldet der NDR mit Verweis auf einen Sprecher der Feuerwehr. Die Bundeswehr habe die Feuerwehren über die mögliche Gefahr durch ausgebrannte Kohlefaserverbundstoffe hingewiesen. Vorsichtshalber müsse deswegen die Kleidung der eingesetzten Feuerwehrleute vernichtet und die Fahrzeuge von einer Spezialfirma gereinigt werden.

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