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MV aktuell Das Gänselieschen von Ladenthin
Nachrichten MV aktuell Das Gänselieschen von Ladenthin
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05:01 03.08.2019
Astrid Grün hält rund 400 Gänse im pommerschen Flachland  in Ladenthin (Kreis Vorpommern-Greifswald). Quelle: Ralph Schipke
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Ladenthin

Wer Astrid Grün bei ihren Gänsen und ihrer Arbeit beobachtet, fühlt sich möglicherweise an den Klassiker der Renft-Combo „Gänselieschen“ erinnert: „Uns’re LPG hat 100 Gänse, und ein Gänselieschen – das ist meins. Jeden Morgen zieh’n sie auf die Wiese, 100 Gänse und die Hundert eins.“ Seit Januar 2018 arbeitet die Jungbäuerin auf ihrem eigenen Hof in Ladenthin (Kreis Vorpommern-Greifswald) und wurde dabei kein „Gänselieschen“, sondern eine sehr moderne und emanzipierte „Gänse-Astrid 4.0“ mit inzwischen rund 400 Tieren.

Ohnehin kannte die promovierte Landwirtin den ironischen Gassenhauer über das volkseigene Landleben bis dato gar nicht. Denn sie ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Studiert hat die heute 33-Jährige in Stuttgart-Hohenheim und an der Kieler Förde. Promovieren konnte Astrid Grün schließlich am Rothamsted Reseach Institut in Großbritannien, einer der traditionsreichsten landwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen überhaupt. „Das war ausgesprochen spannend“, erinnert sich die selbstbewusste Existenzgründerin aus Vorpommern.

Perfekt für Gänse geeignet

Ihr Ehemann Emanuel Reim stammt aus diesem Landstrich. Ihn lernte Astrid Grün beim Studium kennen. Er konnte nach seinem Abschluss im Dorf seiner Eltern in Mecklenburg-Vorpommern einen Betrieb übernehmen – heute die Agrar Schwennenz GmbH. So kam Astrid Grün schließlich aufs pommersche Flachland. Noch während Astrids dreijähriger Forschungsarbeit auf der britischen Insel erwarb das junge Paar einen ehemaligen Bauernhof in Ladenthin: „Als Wohnhaus und unser künftiger, gemeinsamer Lebensmittelpunkt gedacht.“

Gründerin wurde die junge Frau aus handfesten und lebenspraktischen Gründen: „Spätestens nach meiner Rückkehr aus England ließ sich die Frage, was mit den sanierungsbedürftigen Wirtschaftsgebäuden des alten Hofes geschehen sollte, nicht länger verschieben. Hinter der Scheune liegen elf Hektar extensives Grünland.“ Diese Voraussetzungen schienen der angehenden Landwirtin durchaus geeignet, ihren eigenen Gänsehof zu gründen und nach vielen Jahren Theorie endlich auch Erwerbsarbeit in der Praxis von Weide und Stall zu leisten. Bei Freunden in Niedersachsen holte sich Astrid Grün Inspiration für ihr eigenes Gründungsvorhaben. „Das ganze Ensemble erschien mir perfekt für Gänse“, schwärmt sie von ihrem Hof, auf dem ein neues, großzügiges Wohnhaus für die schnell wachsende junge Familie entstanden ist.

Astrid Grün hält rund 400 Gänse im pommerschen Flachland in Ladenthin (Kreis Vorpommern-Greifswald).

Gefragt in sozialen Medien

Die Land-Gründerin leistet sich sogar ein paar originale Pommerngänse. „Nur als Hobby und zur Erhaltung alter Rassen.“ So kam sie aber dazu, dem Landfrauenverband zur großen Landwirtschaftsschau in MV selbst kreierte Postkarten vom Mela-Tier 2018 beizusteuern. „Meine Gänsefotos gingen damals in den Sozialen Netzwerke hin und her“, sagt die Gründerin stolz.

Angefangen hatte die Geschichte mit dem Grünen Gänsehof im östlichen Zipfel des Bundeslandes im Jahr 2016. Als ersten Schritt in die Selbstständigkeit startete Astrid Grün mit einem kleinen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit 26 Gänsen, der langsam, aber nachhaltig und solide wachsen sollte. Inzwischen verbindet er etwas mehr als 60 Hektar Ackerbau, Grünlandwirtschaft und Gänsehaltung. Parallel gründete sie mit ihrem Mann eine Familie, zu der inzwischen zwei Kinder gehören.

Offen für jeden

Im ersten Geschäftsjahr hatte sie einiges ausprobieren können. Mittlerweile kümmert sie sich außerdem um die Vermarktung des Rindfleisches der robusten „Uckermärker Rinder“, die ihr Mann im etwas größeren Partner­agrarbetrieb auf der Weide und im Stall hat.

Ihre Gänse sind und bleiben ein guter Aufhänger, um mit der Region in Kontakt zu treten, ist Astrid Grün überzeugt. „Ein Ackerbaubetrieb verkauft seine Ernte via Landhandel in die weite Welt. So landet, was hier wächst, auf dem Weltmarkt.“ Ein Anliegen ist ihr dabei, die Menschen daran zu erinnern, dass ein einziger Landwirt heutzutage hierzulande im Durchschnitt 145 Menschen ernährt. „Meine Gänsehaltung ist da anschaulich zugänglich und vermittelbar für jedermann.“

Kein „Bullerbü“-Idyll

Vollzeit-selbstständig hat sich unterdessen Astrid Grüns Landleben zwischen Familienpflichten – die ältere Tochter ist jetzt zweieinhalb Jahre alt – und der Aufzucht der Gänse sowie der Bewirtschaftung von Acker- und Grünland eingependelt.

Wesensgerechte Tierhaltung, integrierter Pflanzenbau und ein örtliches Angebot für Kunden aus der Nachbarschaft und der Region zu schaffen, waren für Astrid Grün Motivation zur Selbstständigkeit. „Dabei sind wir kein idyllischer ,Bullerbü-Hof‘, sondern betrachten uns als modernen Landwirtschaftsbetrieb – immer auf der Suche nach Wegen, die Landwirtschaft anderen Menschen zugänglich zu machen. Und unseren Gänsen in Weidehaltung geht es dabei einfach gut.“

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