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MV aktuell Nach Feuertragödie: Experte warnt vor Gefahren in Küchen
Nachrichten MV aktuell Nach Feuertragödie: Experte warnt vor Gefahren in Küchen
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13:19 23.01.2019
Vorsicht, Gefahrenquelle: In der Nähe des Herdes sollten keine brennbaren Gegenstände liegen. (Symbolfoto) Quelle: dpa
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Dassow

Als Ursache für den Brand eines Einfamilienhauses in Dassow, bei dem eine Frau (35) und ihr einjähriges Kind ums Leben kamen, nannte die Staatsanwaltschaft Schwerin einen Topf, der auf einem eingeschalteten Herd in der Küche gestanden habe. Wie lange es dauerte, bis sich das Feuer entfachte und welche Lebensmittel im Topf erhitzt wurden, könne man bisher noch nicht sagen, hieß es gestern dazu.

Dabei gebe es einige Szenarien, die in einem solchen Fall zu dem Unglück geführt haben könnten, meint Brandursachenermittler Holger Liedtke. Ihmzufolge hätte es ausgereicht, wenn sich in dem Topf geringe Mengen kohlenhydrat- oder fettreicher Nahrung befunden hätten, um einen Brand zu verursachen. Vor allem Fett könne sich binnen weniger Minuten entzünden, sagt er. Die vom Herd ausgehende Wärmestrahlung erhitze den Inhalt solange, bis er verkohle und Feuer fange. „Man muss sich das vorstellen wie ein Lagerfeuer, an das man immer näher herantritt. Irgendwann fängt die Kleidung an zu brennen“, veranschaulicht Liedtke den Vorgang.

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„Die meisten Menschen sind unvorsichtig“

Sobald die Lebensmittel im Topf verkohlen und Feuer fangen, „ist die gesamte Küche eine potentielle Gefahrenquelle“, sagt er und fügt an: „Die meisten Menschen sind unvorsichtig und legen Kunststoff- und Holzgegenstände auf oder nahe der Herdplatte ab“. So hätten es die Flammen leicht, auf die Umgebung überzugehen. Auch die oft fettverschmierte Dunstabzugshaube oder alte Fettflecken auf der Kochfläche stellten zusätzliche Brandrisiken dar.

Zwei Menschen sind bei dem tragischen Unglück ums Leben gekommen

Seit über dreißig Jahren ist Liedtke als Brandursachenermittler tätig. Ähnliche Fälle wie den in Dassow erlebt er mehrmals im Jahr. Um die Gefahr eines Feuers zu minimieren rät er, die nähere Umgebung des Herds möglichst frei von Gegenständen zu halten. Denn: „Alles was brennbar ist, beschleunigt einen möglichen Brand“. Zudem sei es ratsam, immer eine Löschdecke griffbereit zu haben, um schnell handlungsfähig zu sein. „Auf keinen Fall darf so ein Feuer mit Wasser gelöscht werden, da es das Fett nur weiter verteilt“, warnt er. Generell gelte, den Herd nie unbeaufsichtigt zu lassen, sofern er in Benutzung sei.

Unerlässlich beim Thema Brandschutz sind zudem Rauchmelder. Seit mehr als zehn Jahren besteht in Mecklenburg-Vorpommern die Rauchmelderpflicht für Neu- , Um- und Bestandsbauten. Demnach müssen Rauchmelder in allen Schlaf- und Kinderzimmern, sowie in allen Fluren, die als Rettungswege aus Aufenthaltsräumen dienen, angebracht werden. Für die Installation ist in der Regel der Eigentümer verantwortlich. Um die Wartung muss sich der Mieter selbst kümmern. Im Fall Dassow rettete das Alarmsignal der Feuerlöscher das Leben der Bewohner der angrenzenden Haushälfte.

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Flemming Goldbecher