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Experte aus Rostock: Politik verspricht, was sie nicht halten kann

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15:24 17.01.2020
Prof. Wolfgang Muno, Politologe an der Uni Rostock Quelle: Universität Rostock
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Rostock

Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Muno überraschen die Ergebnisse der Umfrage der OZ und des Meinungsforschungsinstituts Forsa nicht. Seit Jahren gebe es Kritik am schlechten Zustand von Infrastruktur im Land. Er spricht von „verpassten Chancen“ für SPD und CDU. Vor allem die Menschen in Vorpommern „fühlen sich benachteiligt“. Hier müsse Politik dringend gegensteuern.

Allerdings warnt er davor, den Wählern Versprechen zu Themen zu machen, die gar nicht einzulösen sind. Beispiel: gute Löhne. „Das ist Sache der Tarifpartner. Es ist ein Problem, dass Politik etwas verspricht, wofür sie nicht zuständig ist“, so Muno.

SPD zwischen Landesmutter-Bonus und Bundesflaute

Muno geht davon aus, dass die Themen Infrastruktur, Klimaschutz ober Demografie in kommenden Jahren wichtiger werden. Zur Landtagswahl erwartet er einen Dreikampf um die Spitze zwischen SPD, CDU und AfD, wobei er den Vorteil bei der SPD wegen des „Landesmutter-Bonus“ von Manuela Schwesig sieht. Er rechne mit einem auf sie zugeschnittenen Wahlkampf. Allerdings laufe Schwesig auch Gefahr, im Falle einer Niederlage innerhalb der Partei alle Schuld aufgeladen zu bekommen. Gewinnt die SPD, „ist sie der Star“. Schwesigs persönlicher Zustimmungswert sei derzeit „gut, fast schon sehr gut“.

Die schlechten Umfragewerte der Partei in MV seien überwiegend auf das Erscheinungsbild der SPD im Bund zurückzuführen. Muno: „Die Partei wirkt ziel- und konzeptlos.“ Erstaunlich sei, dass so viele Wähler zur AfD hielten, obwohl die Partei doch tief zerstritten und profillos sei. Er rechne damit, dass die AfD sich künftig noch mehr als „Anti-Klimaschutz-Partei“ darstellen werde.

So zufrieden sind die Menschen in MV mit der Landesregierung:

Experte rechnet mit drei Parteien in neuer Regierung

Vieles deute darauf hin, dass es in MV ab 2021 eine Regierung aus mindestens drei Parteien geben wird, so Muno. „Dabei will ich nichts ausschließen.“ So seien Rot-Rot-Grün, Rot-Schwarz-Grün, aber auch Schwarz-Rot-Gelb denkbar.

Viele Faktoren könnten den Wahlausgang noch entscheidend beeinflussen, so Muno. Etwa der Klimawandel. „Sollte es im Sommer 2021 wieder einen großen Brand im Land geben, hätte dies sicher große Auswirkungen.“

Alle Artikel zur großen OZ-Umfrage

Die OZ und das Meinungsforschungsinstitut Forsa haben die Menschen in MV zu den wichtigsten Problemen im Land befragt. Alle Artikel zu dem Thema gibt es hier in der Übersicht.

Überblick: Große OZ-Wahlumfrage: So würde MV Landtag und Bundestag wählen

Kommentar: Auch MV steuert auf schwierige Mehrheitsverhältnisse zu

Schwesig & Co.: Welche Politiker in MV am beliebtesten sind – und welche nicht

Fünf Antworten: Das sagen die Menschen zu brisanten Themen in MV

Niedrige Löhne, schlechte Straßen: Was die Menschen in MV besonders ärgert

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Geteiltes Land: Warum Vorpommern unzufriedener sind als Mecklenburger

Denkzettel für Dahlemann: Viel Lärm um nichts in Vorpommern?

Methodik der Forsa-Umfrage

Im Auftrag der OSTSEE-ZEITUNG hat die Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH eine repräsentative Befragung unter der wahlberechtigten Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt.

Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 1002 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte, wahlberechtigte Bürger befragt.

Die Erhebung wurde vom 2. bis 10. Januar 2020 mithilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt.

Die ermittelten Ergebnisse können nur mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung im Land übertragen werden.

Von Frank Pubantz

Eine große Mehrheit kritisiert mangelhafte Infrastruktur, marode Straßen, schlechte Verbindungen bei Bus und Bahn oder Ärztemangel. Die SPD/CDU-Koalition sieht sich im Kurs bestätigt. Kritiker fordern deutlich mehr Engagement der Politik.

17.01.2020

Die OZ und Forsa haben die Menschen in MV gefragt, wie sie die Arbeit der Politiker in der Landesregierung bewerten. Manuela Schwesig punktet zwar, bleibt aber im Schatten ihres Vorgängers Erwin Sellering. Eine andere Politikerin rangiert abgeschlagen auf dem letzten Platz.

17.01.2020

Die Noten für die Landesregierung bei der großen OZ-Umfrage fallen in Vorpommern schlechter aus als in Mecklenburg. Unterschiede zeigen sich auch bei der Bewertung von Mobilfunk, Gesundheitswesen und Klimaschutz.

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